Ihr kleiner Sohn hat Krebs - einen Gehirntumor. Die Überlebenschancen sind minimal. Den jahrelangen Kampf gegen die tödliche Krankheit haben Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm selbst erlebt und auch gewonnen, ihre Beziehung ist daran zerbrochen. Doch die Verbundenheit bleibt, zusammen schrieben die beiden das Drehbuch, und zusammen standen sie vor der Kamera als Juliette und Roméo, die Eltern des kleinen Adam. Das Resultat: Ein bezaubernder, verspielter, ernster, komischer, trauriger, poetischer, frecher, exaltierter wie herzzerreißender Film, der an Godard, Truffaut und die Nouvelle Vague erinnert. Stimmung und Stilmittel wechseln ständig genau wie die Erzählerperspektiven. Ob Morricone, Vivaldi oder Punk, die Regisseurin setzt auf Kontraste: Chansons und postmoderne Romantik gegen Schmerzen, Angst, Verzweiflung. Alle Kräfte werden mobilisiert, dem Tod zu trotzen, Familie, Freunde ziehen mit, begreifen - jeder Moment des Lebens ist unendlich kostbar. Und die Zukunft? "Keine sinnlosen Spekulationen", erklärt Roméo. Deshalb gehen Juliette und er trotz allem tanzen und entführen den Sohn aus der Klinik für einen unerlaubten Ausflug ans Meer. Von Anna Grillet
| Das Leben gehört uns |
|---|
| Frankreich 2011 |
| Länge 100 Min. |
| Regie: Valérie Donzelli |
| Darsteller: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, Elina Löwensohn, Michèle Moretti, César Desseix, Brigitte Sy |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Der 26. April ist ein großer Tag für die Fans des Marvel-Comicimperiums. Dann startet in Deutschland der Film "Marvel's The Avengers" - eine Art Klassentreffen der großen Superhelden von Captain America über Hulk bis hin zu Iron Man. Damit steht nun das auf dem Programm, was der Filmverleih den "Heiligen Gral des Marvel-Universums" nennt - nach zehn Jahren Planung. Es ist der wohl teuerste Marvel-Film überhaupt, entsprechend groß sind die Erwartungen. Die Geschichte: Die Welt steht vor dem Abgrund. Thors rachsüchtiger Adoptivbruder Loki verfügt dank eines kosmischen Wunderwürfels über unbegrenzte Macht, und die will er dazu nutzen, die Menschheit mithilfe seiner Angst einflößenden Armee zu unterwerfen. Dass diese Story in keiner Weise pathetisch wirkt, liegt an der Selbstironie und dem Witz, die die großen Stärken des Films sind. Ein grandioses Comicspektakel mit Kultpotenzial! Britta Schultejans, dpa
| Marvel's The Avengers |
|---|
| USA 2012 |
| Länge 140 Min. |
| Regie: Joss Whedon |
| Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Chris Hemsworth |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Die traurige Banalität des Alltags - Jessica Krummacher hat sie in ihrem Debütfilm "Totem" eingefangen. Die junge Fiona (Marina Frenk) fängt bei einer Familie aus dem Ruhrgebiet als Haushaltshilfe an: Kost und Logis inklusive. Doch das Leben in dem Reihenhaus ist alles andere als feudal. Sparsam und ohne viele Worte führt die Regisseurin die Entfremdung vor, die sich in der Familie breitgemacht hat. Vater, Mutter, Teenie-Tochter und kleiner Sohn - sie alle leben nebeneinander her, gefangen in den Belanglosigkeiten ihres Daseins. Als Fiona bei ihnen einzieht, gerät alles nach und nach aus den Fugen. Krummacher, Absolventin der Münchner Filmhochschule, hat mit ihrem Abschlussfilm ein Familienporträt des Grauens geschaffen, das sie mit äußerst genauem Blick für Kleinigkeiten inszeniert hat. Schonungslos legt sie dar, wie die Gemeinschaft zerbricht. Am Ende wird klar: Die Menschen sind in ihrer Routine erstarrt und hoffnungslos vereinsamt.
Von Cordula Dieckmann, dpa
| Totem |
|---|
| Deutschland 2011 |
| Länge 86 Min. |
| Regie: Jessica Krummacher |
| Darsteller: Marina Frenk, Benno Ifland |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Während eines verbotenen Schäferstündchens im Grünen glaubt Kwok Yun (Ke Shi) ein merkwürdiges Flugobjekt am Himmel zu sehen. Ein Ufo? Chief Chang, die regierungstreue Dorfvorsteherin, wittert ihre große Chance, in der tiefsten Provinz im Süden Chinas doch noch den Anschluss an Fortschritt und Kapitalismus zu finden. Kultur wie Tradition, selbst die Karpfenteiche müssen dem Ufo-Landeplatz und Hotels für den ersehnten Massentourismus weichen. Die unverheiratete 39-jährige Kwok Yun, früher als Außenseiterin verhöhnt, avanciert nun zur unfreiwilligen Heldin des vermeintlichen Wirtschaftswunders. Mit schwarzem Humor und skurriler Poesie schildert Regisseurin Xiaolu Guo in ihrer grotesken Politsatire die unheilige Allianz von Macht, Geld und Gier. Udo Kier irrt als amerikanischer Geschäftsmann wie ein surrealer Alien durch die märchenhafte Landschaft. Möglich wurde der Film dank europäischer Fördergelder und dem tatkräftigen Engagement von Fatih Akin. Anne Grillet
| Ufo In Her Eyes |
|---|
| Deutschland 2011 |
| Länge 109 Min. |
| Regie: Xiaolu Guo |
| Darsteller: Ke Shi, Udo Kier, Mandy Zhang |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |