Für die 23-jährige Marina sind Menschen eine befremdliche wie auch unbegreifliche Spezies. Das Wissen der jungen Dame über Verhalten und Sexualität beschränkt sich auf Tierdokumentationen des Anthropologen Sir David Attenborough. Resultat: Sie imitiert Gorillas oder Raubkatzen perfekt, ein Zungenkuss dagegen gerät zur grotesken Pirouette. Ihr Vater stirbt mit charmanter Würde, die beste Freundin tanzt an ihrer Seite, während Marina sich mit wissenschaftlicher Akribie daranmacht die Liebe zu entdecken. Griechenland am Scheideweg? Athina Rachel Tsangari inszeniert die Selbstfindung ihrer scheuen Protagonistin vor dem Hintergrund industrieller Tristesse als rätselhaft-verstörendes Melodram. Es ist als wäre die Regisseurin bei Jean-Luc Godard, Monty Python und Pina Bausch in die Schule gegangen, hätte dann aber ihren ganz eigenen Stil gefunden. Sprache und Bewegungen sind streng choreografiert, kühl und leidenschaftlich wie der Soundtrack der New Yorker No-Wave-Band "Suicide". Eine brillante, ungewöhnliche Gesellschaftsanalyse voll absurder Komik und verhaltener Zärtlichkeit, fern jeder Larmoyanz. Anna Grillet
| Attenberg |
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| Griechenland 2010 |
| Länge 95 Min. |
| Regie: Athina Rachel Tsangari |
| Darsteller:Ariane Labed, Evangelia Randou, Vangelis Mourikis |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Pia (Lisa Bitter) und Sebastian (Marian Kindermann) kennen sich zwar gerade mal wenige Monate, wollen aber heiraten und ihr junges Glück festhalten - auf einem Hochzeitsvideo. Dumm nur, dass dieses Erinnerungsstück - gedreht während der letzten Vorbereitungen - so manche Peinlich- und Heimlichkeit dokumentiert. Und plötzlich sind auch noch die Ringe verschwunden, Pias Ex-Freund, ein Pornodarsteller, taucht auf, und Pia kommen zunehmend Zweifel, ob diese Hochzeit tatsächlich das Richtige ist. Regisseur Sönke Wortmann ("Der bewegte Mann", "Deutschland. Ein Sommermärchen") lässt kein Klischee, keinen derben Witz und keine Peinlichkeit aus, die es rund um Junggesellenabschiede, Schwiegereltern, Ex-Freunde und Hochzeitszeremonien gibt. Mit viel Slapstick und ebenso vielen derben Witzen liefert er das deutsche Pendant zu "Hangover" und erzählt diese Tage aus der Sicht der Braut. Nicht unbedingt neu, aber sehr amüsant. Britta Schmeis, dpa
| Das Hochzeitsvideo |
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| Deutschland 2011 |
| Länge 86 Min. |
| Regie: Sönke Wortmann |
| Darsteller: Lisa Bitter, Marian Kindermann |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Harvey Weinstein, Albert R. Broccoli, Bernd Eichinger waren nicht involviert. Trotzdem weckt der Produzent, genauer: die Produzentin, diesmal mehr Interesse als der Film selbst. Minu Barati hat für "Ausgerechnet Sibirien" das Geld aufgetrieben, am Drehbuch mitgeschrieben - und ist nebenbei Joschka Fischers Ehefrau. Das ist auch schon das Außergewöhnlichste an dieser hübsch-harmlosen Komödie, obwohl sie exotischerweise am nordöstlichen Rand Europas spielt und die dortigen Ureinwohner - die Schoren - pittoresk in Szene setzt. Regisseur Ralf Huettner kann mit diesem Film nicht an den Erfolg des Vorgängers "Vincent will Meer" anknüpfen. So wird das altbekannte Thema "Mann in der Midlife-Crisis" bloß variiert, und Joachim Król ist als pingeliger Logistiker und Schamanenschundbuch-Konsument mit Erweckungserlebnis deutlich unterfordert. Er kann aber auch anders, wie bei Detlev Buck, Tom Tykwer oder im "Tatort" zu sehen ist. Von Elke von Berkholz
Zwischen 1966 und 1971 strahlte der US-Fernsehsender ABC 1225 Episoden der Gothic Soap Opera "Dark Shadows" aus. Die Serie wurde Kult und auch eine der Lieblingssendungen von Tim Burton. Er verfilmte sie jetzt als exzentrische wie elegante Gesellschaftskomödie zwischen Diesseits und Jenseits - ironisch, makaber, anspruchsvoll amüsant. Johnny Depp als Barnabas Collins ist mehr Gentleman als Vampir, ganz alte Schule, er kann sich nach fast 200-jähriger Abwesenheit nur mühsam in der Gegenwart zurechtfinden. Das schlossartige prächtige Anwesen ist heruntergekommen: Um die Familie steht es auch nicht viel besser. Jeder hat sein Geheimnis, selbst die junge Gouvernante. Barnabas entschließt sich ihr zuliebe dem blutigen Gewerbe zu entsagen und sich nicht mehr einschüchtern zu lassen - schon gar nicht von Angelique, die ihn einst aus Eifersucht verhexte. Grandios: Setting und Fotografie - die ersten Szenen erinnern an Caspar David Friedrich. Anne Grillet
| Dark Shadows |
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| USA 2012 |
| Länge 112 Min. |
| Regie:Tim Burton |
| Darsteller: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Chloë Moretz |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |