Krabbelnde Babys, schlagende Herzen, tanzende Hunde: Haring ist Anfang 20, als er sein Grafikstudium in Pittsburgh abbricht und nach New York geht, um dort nachts als U-Bahn-Sprayer seine Markenzeichen an Bahnwaggons und leeren Plakatwänden zu hinterlassen. Immer wieder wird er erwischt, zahlt Strafe, wird laufen gelassen. Andere haben nicht so viel Glück: Sie kommen um bei der illegalen Sprüherei, weil sie von einem Zug erfasst werden. Oder so wie Michael Stewart, der von Polizisten totgeprügelt wird.
1985 ehrt Haring Stewart mit einem Bild: "Michael Stewart - USA for Africa". Es zeigt einen schwarzen Mann, der mit einer Eisenstange gewürgt wird, während um ihn herum Menschen verschiedenster Nationen in einem See aus Blut ertrinken. Andere halten sich die Augen zu, sehen nichts, wollen nichts sehen.
Haring führte mit seinen Strichmännchen Zeit seines Lebens auch einen Kampf - gegen Rassismus, gegen Krieg, gegen weiße Arroganz und zuletzt gegen den Tod. "Was Keith Haring von allen anderen unterscheidet, ist der nahtlose Austausch zwischen seiner Kunst und seinem Leben", schrieb einmal Elisabeth Sussman, Kuratorin des New Yorker Whitney Museums.
Sechs Jahre vor seinem Tod schreibt Haring in sein Tagebuch, das posthum veröffentlicht wurde: "Die New Yorker Museen übersehen mich. Und die Kritiker scheinen mich nicht zu mögen." Doch zu der Zeit ist er schon mittendrin in der New Yorker Kunstszene, eng befreundet mit Andy Warhol, dem er seine "Andy Mouse" widmet, eine Mischung aus Micky Maus und Warhol. Haring bemalt Wände in Paris, Amsterdam und Berlin, und den Körper von Grace Jones taucht er für ihr Video zu "I'm Not Perfect" in Farbe. Für seine Werke werden fünfstellige Summen bezahlt.
Doch sehr lange kann Haring seinen verdienten Ruhm nicht genießen. 1990 stirbt der Künstler an den Folgen seiner Aids-Erkrankung, erst zwei Jahre zuvor hatte er von seiner Infektion erfahren. Heute ehrt Google den unvergessenen Künstler mit einem Doodle anlässlich seines Geburtstages.