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Merken   Drucken   09.02.2012, 20:20 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Shah Rukh Khan - Bollywood-Promi auf Eroberungstour

Er hat mehr Fans als Brad Pitt und Johnny Depp zusammen. Doch wenn Indiens Star zur Berlinale kommt, geht es um Geschäft statt Glanz: Bollywood will die Welt erobern.
von Berlin

Was haben sie gezittert, die Fans von Shah Rukh Khan. Ihr Idol hatte seinen Besuch in Berlin wegen Erkältung und Fieber schon in Zweifel gezogen. Doch kurz vor dem Start der Internationalen Filmfestspiele verkündete sein Management, dass der größte Filmstar Indiens wieder genesen sei und an diesem Wochenende zur Berlinale kommen werde. Am Samstag wird der Schauspieler bei der Premiere seines Actionthrillers "Don2 - Das Spiel geht weiter" im Berliner Friedrichstadtpalast erwartet.

Khan ist der größte Star der Berlinale, doch in Deutschland muss man seinen Namen noch buchstabieren, wenn man das Phänomen erklären will. Er habe mehr Fans als die größten Hollywood-Stars wie Brad Pitt, Johnny Depp oder Tom Cruise zusammen, rechnen indische Medien durchaus glaubwürdig vor. Das US-Magazin "Newsweek" zählte den 46-Jährigen zu den 50 einflussreichsten Persönlichkeiten des Planeten. Das indische Kino hat Hollywood längst abgehängt, und Khan ist auch jenseits des riesigen Subkontinents in Ländern wie Afghanistan, Indonesien oder in Regionen Afrikas populär. Als der kleine Mann mit der prägnanten Nase vor zwei Jahren zur Berlinale kam, musste der Kurfürstendamm nach chaotischen Szenen gesperrt werden. Auch die Polizei wusste erst nicht, was da los war, und hatte den Namen noch nie gehört.

Shah Rukh Khan in "Don2 - Das Spiel geht weiter"   Shah Rukh Khan in "Don2 - Das Spiel geht weiter"

Mittlerweile werden die Massenaufläufe fast zur Routine. Zumal Khan im vergangenen Winter einige Szenen seines aktuellen Films in Berlin gedreht hat. "Hier ist es sehr kalt, aber ich spüre die Wärme vieler deutscher Körper, da ich ständig umarmt werde", scherzte Khan. Dass allein war nicht der Grund dafür, dass die Wahl auf die deutsche Filmhauptstadt fiel. Dahinter steckt vielmehr konsequentes geschäftliches und kulturmissionarisches Kalkül: Bollywood strebt nach Westen. Filmproduzenten aus dem wichtigsten Produktionsland der Erde wollen ausbrechen und sich weder bei ihrer Zielgruppe noch bei den von ihnen gelieferten Filmen allein auf indische Traditionen festlegen. Khan ist einer, der diese Bewegung vorantreibt. "Wir haben viel aus dem Westen bekommen, vor allem Technik, das war enorm wichtig", sagte er unlängst in einem Interview. "Aber jetzt habe ich das Gefühl, es ist Zeit, etwas zurückzugeben."

Vor zwei Jahren präsentierte Khan auf der Berlinale den von seiner eigenen Firma Dreamz Unlimited/Red Chillies mitproduzierten Film "My Name Is Khan". Darin verzichtet er bewusst auf viele typische Bollywood-Konventionen, die indische Streifen im Westen unvermarktbar machen: minutenlange Singorgien, die die Handlung aufbrechen, völlig unvermittelte Wunder, die ihr eine neue Wendung geben.

Seit dem Erfolg des englischen Oscar-Gewinners "Slumdog Millionär", der viele Versatzstücke des indischen Kinos aufgreift, ist die Kinowelt darauf aufmerksam geworden, dass indische Filmemacher auch jenseits der Bollywood-Kitschgeschichten etwas zu erzählen haben. Gleichzeitig gewinnen westliche Kultur und Lebensstil in Indien an Anziehungskraft. Das wissen die Bollywood-Regisseure geschickt in ihre Handlungen einzuweben. Die Globalisierung hat in ihrem Tempo und mit ihren neuen Zentren, zu denen Indien und China zählen, auch das Weltkino erfasst.

Die Marketingexperten in der deutschen Hauptstadt haben das kommerzielle Potenzial von Khan erkannt, als der mit seinem Filmteam nach Drehorten suchte. "Wir werden alles für euch tun", sagte Tourismuswerber Burkhard Kieker den Indern. Den ersten Teil des Actionstreifens "Don - Das Spiel beginnt" hatte Khan einst in Malaysia gedreht, das Land ist seitdem das Mekka indischer Touristenscharen. "Ihr werdet noch Probleme haben, all die Inder wieder loszuwerden," hat Shah Rukh Khan den Berlinern prophezeit.

  • Aus der FTD vom 10.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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