Lesestoff und spannende Werke von Jungen Autoren und etablierten Schriftsteller-Stars.
Vieles in "Winesburg, Ohio" erinnert an die Bilder Edward Hoppers: kühle Fassaden, isolierte Menschen im Dämmerlicht und der distanzierte Blick auf die Straße. Sherwood Anderson schuf für die US-Literatur, was seinem Landsmann in der Malerei gelang: Momentaufnahmen einer Gesellschaft, die ihre fortschreitende Zivilisation mit Einsamkeit bezahlt. Dass seine berühmte Short-Story-Sammlung jetzt in Neuauflage erscheint, ist kein Zufall. Den Figuren hat er jeden Optimismus ausgetrieben.
Das Provinzkaff, das sie gefangen hält, erscheint als Ort begrenzter Möglichkeiten, seine zombiehaften Bewohner wirken, als seien sie dem Eagles-Song "Hotel California" entsprungen. Überhaupt, der Sound: Eike Schönfelds Übersetzung liefert zum Anti-Idyll von damals die Prosa von heute. Abseitig, verstörend und ungerührt lakonisch.
Von Katrin Kothes
| Winesburg, Ohio |
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| Autor: Sherwood Anderson | Manesse Verlag | 304 S. | 21,95 Euro |
| Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Mickey Haller ist Strafverteidiger durch und durch - bis er vom Bezirksstaatsanwalt gebeten wird, als Sonderankläger für ihn die Seiten zu wechseln. Der Fall um Jason Jessup, der vor 24 Jahren des Mordes an einer Zwölfjährigen für schuldig befunden und verurteilt wurde, geht in Revision. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem damals noch nicht existierende DNA-Tests und Unstimmigkeiten in den Prozessakten.
Es beginnt ein zermürbendes Katz-und-Maus-Spiel vor und nach Gericht, das letztlich in einer Katastrophe mündet. Connelly, der sich seine ersten Sporen als Polizeireporter verdiente, gelingt ein rasanter und absolut glaubwürdiger Prozessthriller, der von der ersten Seite an mitreißt. Der vielfach preisgekrönte und erfolgreiche Autor versteht sein Handwerk: unbedingt lesen!
Von Jana Lübberstedt
| Die Spur der toten Mädchen |
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| Autor: Michael Connelly | Knaur | 499 S., 9,99 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Die wichtigste Lektion: Es funktioniert. Ein Jahr ohne Geld, mitten in England, und Mark Boyle erfreut sich seelischer und körperlicher Gesundheit - während des Experiments und auch danach. Der Wirtschaftswissenschaftler hat der Konsumgesellschaft den Rücken gekehrt und seine Erlebnisse in Buchform gepackt. Entstanden ist das interessante Buch aus Notizen dieser Zeit - damals stilgerecht aufgeschrieben auf selbst geschöpftem Papier, die Tinte aus Pilzen destilliert.
Bewältigt hat Boyle dieses Abenteuer im Wesentlichen durch Selbstversorgung, Tausch und Geschenke. Ausflüge macht er zu Fuß oder mit dem Fahrrad, sein Telefon benutzt er nur, wenn ihn jemand anruft, die Zähne putzt er mit einer Paste aus angeschwemmten Sepiaknochen und wildem Fenchelsamen, seine Dusche ist ein schwarzer Plastiksack, der sich durch Sonneneinstrahlung aufwärmt - wenn es keine Sonne gibt, ist das Wasser eiskalt. Boyle zeigt auch die Schattenseiten. Der Winter besteht aus Hunger und Frieren. Er vereinsamt, weil er irgendwo auf dem Land kampiert und für Freunde kaum erreichbar ist. Seine Freundin ist genervt und macht mit ihm Schluss. Spannend wie ein guter Roman, überraschend wie die Realität.
Von Martin Reim
| Der Mann ohne Geld |
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| Autor: Mark Boyle | Goldmann | 336 S. | 9,99 Euro |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Wer hätte eigentlich nach Christian Wulff zum Ersatzkaiser der Deutschen gekürt werden müssen? Richtig - das Original, der Kaiser persönlich: Franz Beckenbauer. Das zumindest ist die Idee von "Heimspiel", einer Satire von Wolfram Weimer, früher gefeierter "Cicero"-Gründer und dann gescheiterter Chefredakteur von "Focus".
In dem dünnen Büchlein überrumpelt die CSU mit ihrem Mann fürs Schloss Bellevue die Kanzlerin. Die setzt sofort zur großen Merkel-Show an, inklusive Fußballnachhilfe durch Günter Netzer. Eine hübsche Idee - allerdings sind die Charaktere für eine wirklich beißende Satire auf den Berliner Politikbetrieb nicht scharf genug gezeichnet. Besser gelingt es Weimer, das Verhalten seiner eigenen Zunft, der Journalisten, auf den Punkt zu bringen. Aber - unterhaltsam ist das Buch allemal.
Von Martin Benninghoff
| Heimspiel |
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| Autor: Wolfram Weimer | Bastei Lübbe | 128 S. | 12,99 Euro |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |