Lesestoff und spannende Werke von Jungen Autoren und etablierten Schriftsteller-Stars.
Ob Goethe, Nietzsche, Kafka, Hegel, Dostojewski oder Debussy - Martin Walser nimmt sie alle in die Pflicht. Anscheinend vom hohen Sockel seines 85-jährigen Lebens versucht Deutschlands wichtigster zeitgenössischer Schriftsteller, sich noch einmal für einige Debatten - in die er als engagierter Literat hineingrätschte - zu rechtfertigen. Vom Holocaust über den Vietnamkrieg bis zur DKP: Walser hat fast überall mit der Schreibmaschine gerasselt, nimmt aber trotzdem das Privileg des ewigen Zweifels für sich in Anspruch. Genauso wie Aischylos im "Gefesselten Prometheus" über die Differenz zwischen Gott und Mensch räsoniert, sieht er den humanistischen Kulturkanon zwar als Resonanzboden, aber nie als Quell absoluter Wahrheiten.
Munter schwadroniert er vom Ablasshandel und dem Schweizer Theologieprofessor Karl Barth - schade, dass er Mario Barth ausgelassen hat - über Max Weber und "Tonio Kröger" bis hin zu Zarathustra. Trotzdem bleibt man am Schluss ratlos: Wenn jede Rechtfertigung ohne "religiöse" Basis zur Rechthaberei verkommt - an welchen Gott oder welche Götzen sollen wir denn nun glauben? Und eine ontologische Letztbegründung scheint Walser mit seiner semiphilosophischen Postwurfsendung sowieso nicht im Sinn zu haben.
Von Willy Theobald
| Über Rechtfertigung, eine Versuchung |
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| Autor: Martin Walser | Rowohlt Verlag | 112 S. | 14,95 Euro |
| Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Helge Timmerberg wagt in seiner Reportage ein doppeltes Abenteuer: Afrika und eine Frau! Deshalb folgt er seiner African Queen Lisa an den Malawisee. Dazwischen: ein Schamanenfluch, zu dessen Abwehr eigentlich ein Kamel geschlachtet werden müsste (war zu teuer, ging auch so), die Angst, vom Krokodil gefressen zu werden (hielten die Ortsansässigen für Quatsch) und die wichtigste Frage: Kann er mit Lisa leben?
Diese Reise durch Afrika ist vor allem eine Reise durch den manchmal verschmitzten, manchmal nachdenklichen Timmerberg-Kosmos. Dabei erzählt er so pointiert, dass man hofft, dass er nicht ernst meint, was er einmal im Buch schreibt: "Ich will heim, endlich heim." Obwohl - die Sesshaftigkeit wäre für ihn wohl das größte Abenteuer seines Lebens. Hoffentlich schreibt er dann ein Buch darüber.
Von Rico Grimm
| African Queen |
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| Autor: Helge Timmerberg | Rowohlt Berlin | 304 S., 19,95 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Zweieinviertel Kilo schwer, 1728 Seiten, Dünndruck - das Buch ist in jeder Hinsicht ein Schwergewicht. Und nicht nur deswegen eine Zumutung. Der Roman, an dem der ungarische Autor Peter Nadas 18 Jahre lang gearbeitet hat, bietet keine konsistente fortlaufende Geschichte. Er springt hin und her zwischen der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen Budapest und Berlin, zwischen vielen Erzählstimmen. Ein Geschlechtsakt minutiös beschrieben auf über 100 Seiten, wie hält man so was als Leser aus?
Weil man fortlaufend hin- und hergeschüttelt wird zwischen hemmungsloser Bewunderung für Nadas' Sprache, Faszination für sein psychologisches Feinbesteck - und Ekel vor all der ausgebreiteten Körperdünstigkeit. "Parallelgeschichten" - die seltsamste und nachhaltigste Leseerfahrung der letzten Jahre.
Von Annette Garbrecht
| Parallelgeschichten |
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| Autor: Peter Nadas | Rowohlt Verlag | 1728 S. | 39,90 Euro |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Um ehrlich zu sein: Die Verlagsankündigung hatte keine Lust auf dieses Buch gemacht. Noch 'ne Familiengeschichte? Und dann auch noch erzählt aus der Perspektive des Götterboten Hermes? Der mit seinem sexbesessenen Vater Zeus die Sterblichen kräftig aufmischt? Nö, muss nicht sein. Aber John Banville, der muss eben doch sein und daher: ran an die Lektüre! Und siehe da: uneingeschränkte Leselust! Diese Sprache! Sätze wie musikalische Miniphrasen. Sprachbilder, so originell wie eindringlich. Beschreibungen von wunderbarer Eleganz.
Leicht und leicht ironisch kommt dieses von Göttern gesteuerte Familiendrama daher. Christa Schuenke, die bewährte Banville-Übersetzerin, lässt auch diesmal die Sätze fließen, findet wunderbare Wortneuschöpfungen und trifft immer den richtigen Ton für die verschiedenen Erzählstimmen.
Von Annette Garbrecht
| Unendlichkeiten |
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| Autor: John Banville | Kiepenheuer & Witsch | 318 S. | 19,99 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |