In Nigeria finden blutige Unruhen zwischen Christen und Muslimen statt. Christen fliehen in Luxusbussen gen Süden. Unter ihnen, getarnt als Christ: der 17-jährige Muslim Jubril. Er flieht, weil seine Glaubensbrüder ihn lynchen wollen. Obwohl er sich bei einem Viehdiebstahl die rechte Hand nach Scharia-Recht abhacken ließ. Nun muss er die Verletzung vor den Christen verstecken. Doch nach einer Unachtsamkeit wird er als Muslim erkannt.
Der Busmob fordert seinen sofortigen Tod - was auch geschieht. Wie in den anderen vier Erzählungen lässt uns der nigerianische Autor Akpan verstört und nachdenklich zurück. Manchmal mit einer Prise Hoffnung, meistens nicht. Der 40-jährige Autor beschreibt soziopolitische Probleme aus der Sicht von Jugendlichen: bestürzende Geschichten, die unter die Haut gehen.
Von Angelo Algieri
| Sag, dass du eine von ihnen bist |
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| Autor: Uwem Akpan | Suhrkamp | 300 S. | 22,95 Euro |
| Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Ariane war ein Papakind. Nun ist der Vater tot, mit dem Flugzeug abgestürzt, einfach so, ohne Vorankündigung. Sie muss gegen die Trauer ankämpfen, die sie zu überwältigen droht. Doch wie lange dauert es, einen familiären Todesfall zu verarbeiten? Wie kann man sich gegen Verzweiflung wehren, die einen lähmt, zu Boden reißt, dazu führt, dass man sich gehen lässt, sich selbst verliert, fast bis zur völligen Selbstauflösung? Wie die Menschen, die einem nahestehen - von Familienmitgliedern über Freunde bis zum Liebhaber -, nicht zurückweisen, nicht vor den Kopf stoßen, ihre Gefühle nicht mit Füßen treten, wenn einem der Bezug zur Realität allmählich entgleitet?
Wie die in einem indischen Zenkloster gelernte Meditationshaltung dazu nutzen, mit dem plötzlichen Verlust fertig zu werden? Wie das eigene Leben wieder meistern, in die Gegenwart zurückkehren, vernünftig sein? In einem fein gewirkten Sprachgeflecht entführt uns die Icherzählerin in eine Isolation, die viel kathartisches Potenzial aufweist für diejenigen, denen das Ableben eines geliebten Menschen schon zugesetzt hat. Aber auch alle anderen sollten dieses wunderbare literarische Kleinod unbedingt lesen.
Von Anna Tschackert
| Der kleine Rest des Todes |
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| Autor: Ulla Lenze | Frankfurter Verlagsanstalt | 156 S. | 18,90 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Als seine Beziehung zerbricht, wird Pietro aus seinen Gewohnheiten gerissen: Deshalb macht er sich auf die Suche nach der russischen Kriegsvergangenheit seines gerade verstorbenen Großvaters. Stetig sammelt Pietro Mosaiksteine aus Worten, Gesten, Fotos und Erfahrungen, die sich langsam zu einem Bild des Großvaters und gleichzeitig zu einem kompletten Geschichtsbild fügen.
Immer unmittelbar vom Menschen ausgehend und mit großer Liebe zu seinen Figuren, bedient sich der italienische Autor einer griffigen Sprache mit kraftvollen Bildern: Innen und außen, Raum und Zeit greifen ineinander, wenn Pietro an Schauplätze in Russland reist. Bajani zeigt, dass in den Beziehungen der Menschen die Hoffnung einer Aussöhnung liegt - einer Aussöhnung innerhalb der Familie, aber auch zwischen Völkern.
Von Carsten Lüdemann
| Liebe und andere Versprechen |
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| Autor: Andrea Bajani | dtv | 339 S. | 14,90 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Stararchitekt Rem Koolhaas schimpft auf den "Triumph des Exzentrischen", und sein Kollege Norman Foster fordert mehr "menschliche Architektur". Dass Baumeister oft mehr Einfluss auf das real existierende Leben haben als Politiker, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Das gilt aber nicht nur für Schöpfer neuer urbaner Landschaften von Albert Speer bis Le Corbusier, sondern auch für Zeitgenossen wie Rem Koolhaas oder Frank Gehry. Der Architektur- und Kunstkritiker Hanno Rauterberg fasste jetzt eine Interviewserie mit den wichtigsten Protagonisten des zeitgenössischen Bauens zu einem Buch zusammen und gibt damit einen oft überraschenden Überblick über die Parameter des Gewerbes. Den wahrscheinlich typischsten Architektensatz liefert Zaha Hadid: "Ich will die ganze Welt ergreifen."
Von Willy Theobald
| Worauf wir bauen |
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| Autor: Hanno Rauterberg | Prestel | 160 S. | 19,95 Euro |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |