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FTD-Serie: Literatur

Lesestoff und spannende Werke von Jungen Autoren und etablierten Schriftsteller-Stars.
Merken   Drucken   17.07.2012, 17:00 Schriftgröße: AAA

Literaturtipps: Highlights auf dem Buchmarkt

Unter den Neuerscheinungen in dieser Woche sind "Tea Party - Die weiße Wut" von Eva Schweitzer, "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" von Andreas Bertram, "Das Ritual der Rache" von Andrea Camilleri sowie "I and I" von Frank Göhre.
"Tea Party - Die weiße Wut" von Eva Schweitzer   "Tea Party - Die weiße Wut" von Eva Schweitzer

Wer sind die Leute, die Obama verachten, den moralischen Verfall der USA beklagen und die Republikanische Partei vor sich hertreiben? Die radikale Tea Party ist keine Partei, sondern ein Verband mit dem Ziel, die Republikaner zu unterwandern - eine "schrille, ultrarechte und nationalistische Bewegung, die von Feindbildern lebt". So bringt die Journalistin Eva Schweitzer ihre Analyse auf den Punkt. In einer Reihe informativer Reportagen aus einer Vielzahl von US-Groß- und Kleinstädten nähert sie sich dem politischen Phänomen der rechten Stimmenfänger.

Von Sarah Palin und Rick Santorum über Herman Cain bis zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney nimmt Schweitzer die bekanntesten Vertreter der Neuen Rechten in den USA aufs Korn. Ihr handwerklich gut gemachtes, sauber strukturiertes und flüssig geschriebenes Buch wäre rundum gelungen - wenn Schweitzer es nicht mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch geschrieben hätte. Bei jeder Gelegenheit prangert die ausgewiesene Amerika-Kennerin Verlogenheit und Pose der bigotten Tea Partier an. Das wirkt zunächst pointiert, trübt aber den Lesespaß und macht den Eindruck, als wäre die Autorin genau dem Schwarz-Weiß-Denken verfallen, das sie bei der Tea Party moniert.

Von Matthias Brügge

Tea Party - Die weiße Wut
Autor: Eva Schweitzer | DTV | 272 S. | 14,90 Euro
Bewertung: 3 von 5 Punkten
"Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" von Andreas ...   "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" von Andreas Bertram

Es klingt zunächst nach einer schwulen Schmonzette: Der 31-jährige Andy - Icherzähler und Protagonist - ist seit vier Monaten Single. Dann trifft er auf Manuel, mit dem er einmal eine heiße Affäre hatte. Nun klappt es wieder. Doch Andy will mehr. Gleichzeitig verliebt sich der Polizist Robert in Andy.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt kommt es in Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick zu amüsanten Verwicklungen, aber auch zu dramatischen Wendungen. Doch Bertrams Roman bietet mehr als die Suche nach dem Liebesglück. Es geht auch um gewalttätige und subtile Diskriminierung, um die Scheinheiligkeit des Filmbusiness und um Freundschaft. Neben originellen und fetzigen Dialogen überzeugt die vortreffliche Zeichnung der Charaktere. Bertram bedient zwar Klischees - bricht sie aber anschließend meisterhaft.

Von Angelo Algieri

Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick
Autor: Andreas Bertram | Querverlag | 408 S. | 14,90 Euro
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
"Das Ritual der Rache" von Andrea Camilleri   "Das Ritual der Rache" von Andrea Camilleri

Die nervigste Widrigkeit, mit der es Commissario Montalbano diesmal zu tun hat, ist sein Vize und Freund Mimi: Der verhält sich mehr als merkwürdig. Deshalb muss er die Identifizierung von 30 übel zerstückelten Leichenteilen, die zufällig in einem Müllsack gefunden wurden, alleine in Angriff nehmen. Ein Mafiamord - so scheint es. Als eine Frau ihren Mann als vermisst meldet, kommt Bewegung in den Fall.

Steckt Absicht dahinter, dass die wohlproportionierte Schöne die Hirnwindungen des gesamten männlichen Polizeipersonals vernebelt? Neben den üblichen Reibereien mit seinen Lieblingsfeinden aus Medien und Regierung gibt sich Montalbano dieses Mal außergewöhnlich menschelnd und altersweise. Camilleri unterhält gewohnt witzig und geistreich: Die Geschichten um den Commissario muss man einfach lieben!

Von Jana Lübberstedt

Das Ritual der Rache
Autor: Andrea Camilleri | Bastei Lübbe | 288 S. | 19,99 Euro
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten
"I and I" von Frank Göhre   "I and I" von Frank Göhre

Frank Göhre kennt man eigentlich als wohltemperierten Schreiber spannender Krimis und routinierten Lieferanten knallharter Drehbücher. Doch jetzt veröffentlicht der Pendragon-Verlag eine Textsammlung, die den Autor auch als sensiblen Beobachter fremder Kulturen und ungewöhnlicher Spezies ausweist.

Ob er eine bizarre Reise nach Jamaika beschreibt oder den schwarzen Krimischriftsteller Ernest Tidyman - den Erfinder des Black-Panther-affinen Detektivs John Shaft - porträtiert: In diesem Buch findet der Leser immer genau das - was er so nicht erwartet! Über die Entstehung bizarrer Miniaturen wie "Schlussakkord" - möglicherweise Teil einer nie vollendeten Geschichte - kann man nur spekulieren. Ein unterhaltsamer Sommerschmöker, der die ideale Ergänzung jeder mainstreamigen Reisebibliothek ist.

Von Willy Theobald

I and I
Autor: Frank Göhre | Pendragon | 200 S. | 9,95 Euro
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
  • Aus der FTD vom 18.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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