Lesestoff und spannende Werke von Jungen Autoren und etablierten Schriftsteller-Stars.
Auf den ersten Seiten fühlt man sich an George Orwells "Brave New World" oder Jean-Luc Godards "Alphaville" erinnert. Im mittlerweile hermetisch abgeriegelten 7. Distrikt von Detroit glänzt alles klinisch sauber, wird jede Kleinigkeit überwacht - Menschen leben in diesem totalitären Freizeitpark streng nach Plan. Doch eines Tages ändert sich das bislang wohlsortierte Leben. Vor der Wohnungstür der Wäschereiangestellten Julia Tenbrock steht eine schwangere Frau mit einem Hund. Noch undurchsichtiger wird die Geschichte durch das eigenartige Verhalten des Nachbarn Timon Abramowski. So weht durch die antiseptische Idylle plötzlich ein Hauch von Anarchie.
Bücher von Birgit Vanderbeke sind wie Besucher aus einer anderen Welt. Immer wieder verblüfft sie mit Charakteren, die man von ihr so noch nicht kannte. Was gleich bleibt, ist der angenehm unterhaltsame Plauderton, mit dem die Autorin auch komplizierte Handlungsstränge aufdröselt und extrem leserfreundlich aufschreibt. Seit ihrer Kurzgeschichte "Das Muschelessen", mit der sie 1990 in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann, hat die in Südfrankreich lebende Autorin meistens Texte von gleichbleibend hoher Qualität vorgelegt. Ich freue mich schon auf ihr nächstes Buch!
Von Willy Theobald
| Die Frau mit dem Hund |
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| Autor: Birgit Vanderbeke | Piper | 160 S. | 16,90 Euro |
| Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Leichtfüßig wirkt Francesca Melandris Inselgeschichte nur im Ton. Ein Unwetter zieht auf über der italienischen Gefängnisinsel - eine Bäuerin aus der Toskana, ein Philosophielehrer und ein Vollzugsbeamter suchen Schutz für eine Nacht. Die Zufallsbegegnung ruft alte Konflikte und unterdrückte Sehnsüchte wach. Dabei besetzen ein Hochsicherheitsgefängnis und seine Insassen nur Nebenrollen in diesem Mikrokosmos der "bleiernen Jahre" Italiens.
Moralische Bewertungen verweigert Melandri konsequent. In den Vordergrund rückt sie die Befindlichkeit der Angehörigen unter dem Eindruck latent terroristischer Gewalt. Ihre emotionale Krise spiegelt ein nationales Trauma, von dem sich die Italiener seit den 70er-Jahren nicht mehr erholt haben. Ein psychologisch dichtes Kammerspiel, einfühlsam erzählt. Bravo!
Von Katrin Kothes
| Über Meereshöhe |
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| Autor: Francesca Melandri | Blessing Verlag | 256 S. | 16,95 Euro |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Man nehme alte Zeitungen und Zeitschriften, schneide wohlklingende Worte aus und arrangiere sie so lange, bis daraus ein Gedicht geworden ist. Derart spielerisch ging Herta Müller ans Werk. Über die Jahre wurde aus ihrer Wortsammelei eine kunstvolle Leidenschaft. Die Nobelpreisträgerin hat das Dichten mit einem begrenzten Wortschatz perfektioniert. Dazu fertigt sie kleine Collagen, die sie zu den bunten, zu Worten, Zeilen und schließlich Gedichten arrangierten Buchstaben klebt.
Die besten Werke sind nun in einem Buch versammelt. Wie immer kreist Müller um Verstörendes - Verrat oder Verlust zumeist. Doch manchmal schimmert zwischen diesen schweren Zeilen auch ein feiner Humor. Ein Feuerwerk aus Gedankenblitzen und poetischen Momenten, das nicht nur Poesieliebhaber zum Staunen bringt!
Von Uli Müller
| Vater telefoniert mit den Fliegen |
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| Autor: Herta Müller | Carl Hanser Verlag | 207 S. | 19,90 Euro |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Ein guter Autor hat die Fähigkeit, den Leser von der ersten Seite an gefangen zu nehmen und in die von ihm gestaltete Welt zu ziehen. Das schafft auch Gerd Schilddorfer - zumindest im ersten Teil des Buches. Die Protagonisten, eine bunt zusammengewürfelte und anschaulich charakterisierte Truppe aus allen Gesellschaftsschichten, versuchen, ein altes Geheimnis aus der Nazizeit zu lüften. Verfolgt werden sie dabei vom britischen Geheimdienst, einem Schweizer Konsortium und - sogar der Yakuza.
Eine spannende Schnitzeljagd beginnt, doch dann tauchen lauwarme Nebencharaktere auf, die den Verdacht erwecken, erst nachträglich hinzugefügt worden zu sein. Der verhärtet sich dann bei ständigen Last-Minute-Rettungen der Helden. Das Ergebnis: ein nettes Buch mit einem vom Autor eher erzwungenen Happy End.
Von Anna Bicker
| Falsch |
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| Autor: Gerd Schilddorfer | Hoffmann und Campe | 670 S. | 19,99 Euro |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |