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Merken   Drucken   09.04.2012, 19:36 Schriftgröße: AAA

Neu auf den Bühnen: Premieren der Woche

Zu den interessanten Vorstellungen gehören das Musiktheater "Winterreise", das Schauspiel "Explosive Neuigkeiten", die Oper "Der Rosenkavalier" und das Volksstück "Magdalena".
© Bild: 2012 dpa Bildfunk
Zu den interessanten Vorstellungen gehören das Musiktheater "Winterreise", das Schauspiel "Explosive Neuigkeiten", die Oper "Der Rosenkavalier" und das Volksstück "Magdalena".

Eine raue Stimme klagt "Fremd bin ich eingezogen", die Schubert-Lieder bekommen einen Pop-Einschlag: Diese "Winterreise" führt ins Heute. Elfriede Jelinek hat Schuberts Liedzyklus zu einem eigenen Text umgedichtet, in dem sie Öffentliches wie Bankenskandale und die Entführung von Natascha Kampusch mit Persönlichem zusammenführt. Die österreichische Erstaufführung hat Stefan Bachmann als Kletterpartie auf einen lyrischen Textberg gestaltet: Die Bühne ist eine einzige massive Schräge. Sie ist einmal Gefängnis, dann Kletterwand - am Ende Skipiste. Stefan Bachmann verteilt den Text auf ein präzise agierendes Ensemble, findet klare, packende Bilder und trägt auch dem Humor der Autorin Rechnung. Schließlich, und das ist jeder Regisseur der Jelinek schuldig, muss es irgendwann auch unerträglich werden. Bachmann gestaltet ein fulminantes Finale im Skihüttenambiente. Zu dem bis zum Exzess ausgewalzten volkstümlichen Hit "Ein Stern, der deinen Namen trägt" stimmt eine bezopfte Blonde ein endloses Lamento an: Immer nur die alte Leier - sie könne nicht anders. Ein ironischer Schlusskommentar zu einem berührenden, sehr persönlichen und bildstarken Theaterabend.

Von Irmgard Rieger, dpa

Winterreise
Ort: Akademietheater in Wien
Regie: Stefan Bachmann
Mitwirkende: Dorothee Hartinger, Gerrit Jansen, Simon Kirsch, Melanie Kretschmann, Jan Plewka
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten

Kann man ein afrikanisches Theaterstück über den Umgang mit HIV-Infizierten so verändern, dass die Handlung auch in Deutschland spielen könnte? Am Theater Konstanz wurde dieser Schritt gewagt: Das Ergebnis ist ein intensives, eindringliches Schauspiel über latenten Rassismus, ungewollte Demütigung und falsch verstandene Zuneigung. Das Bühnenbild ist dabei denkbar einfach. Es reichen ein geblümtes Sofa und vier weiße Plastikstühle. Die Szenen und Dialoge zwischen den Schauspielern wirken immer wieder völlig übertrieben - sie reden und bewegen sich in fast schon comichafter Art und Weise. Humorvolle und zynische Szenen wechseln sich dabei ab mit durchaus intensiven, tiefer gehenden Momenten. Bewusster und unbewusster Rassismus, die Angst vor Aids, die Zurückweisung in der Familie, Enttäuschung, Wut und Nichtverstehen - alles mischt sich in Konstanz zu einem dichten Schauspiel von gerade mal 60 Minuten.

Von Kathrin Streckenbach, dpa

Explosive Neuigkeiten
Ort: Theater Konstanz
Regie: Martin Süss
Darsteller: Lia Hoensbroech, Carolin Maiwald, Teresa Zscherng
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Das sanierte Moskauer Bolschoitheater hat mit internationaler Starbesetzung zum ersten Mal die rund 100 Jahre alte Oper "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss aufgeführt. Das Publikum nahm die farbenprächtige Inszenierung des Briten Stephen Lawless mit der deutschen Sopranistin Melanie Diener in der Partie der Feldmarschallin mit heller Begeisterung auf. Am Ende der mehr als vierstündigen Aufführung feierten die rund 1800 Zuschauer auch den Bariton Thomas Allen und die Mezzosopranistin Anna Stephany. Lawless hatte die im Wien des 18. Jahrhundert angesiedelte Handlung um Liebe und Intrigen auf mehrere Epochen gestreckt. Die Strauss-Oper galt zu kommunistischen Zeiten in der Sowjetunion als unerwünscht. Chefdirigent Wassili Sinaiski sagte, dass das Bolschoi wie andere Theater nicht ohne deutschsprachige Musik auskomme. Als nächstes Werk nehme sich das Theater die Oper "Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner vor.

Von Ulf Mauder, dpa

Der Rosenkavalier
Ort: Bolschoi Theater in Moskau
Regie: Stephen Lawless
Mitwirkende: Melanie Diener, Thomas Allen
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Schauspieler Maximilian Brückner hat seine Feuerprobe als Regisseur bestanden. Im Münchner Volkstheater gab es minutenlangen Applaus für seine Inszenierung von Ludwig Thomas "Magdalena". Der 33-jährige Ex-"Tatort"-Kommissar präsentierte eine vielleicht nicht unbedingt gewagte, aber sehr stimmige Interpretation des Stoffes um bigotte Moralvorstellungen in der bayerischen Provinz. Das Besondere: Aus der Titelfigur Magdalena machte er einen Mann - einen Ex-Prostituierten. Damit gelang es ihm problemlos, die ursprünglich im deutschen Kaiserreich spielende Abrechnung mit der Scheinheiligkeit in ein bayerisches Dorf von heute zu transportieren, in der die verkappt homosexuelle Dorfjugend in Karohemden vor Biergartenkulisse Schwulenwitze erzählt. Wolfgang Maria Bauer - ebenfalls ein Ex-TV-Kommissar - spielt die Rolle des verzweifelten Titelheldenvaters mit einer unglaublichen - auch physischen - Präsenz.

Von Britta Schultejans, dpa

Magdalena
Ort: Münchner Volkstheater
Regie: Maximilian Brückner
Darsteller: Florian Brückner, Wolfgang Maria Bauer
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
  • FTD.de, 09.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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