Faulheit kann man dem Stuttgarter Ballett nicht vorwerfen. Nach Christian Spucks originellem Handlungsballett "Das Fräulein von S." und den drei abstrakten Balletten unter dem Sammeltitel "Körpersprache³" präsentiert es nun als dritte Premiere innerhalb von zehn Wochen zwei klassische Choreografien von John Cranko und Maurice Béjart. Dabei baut "The Lady and the Fool" aus dem Jahr 1954 auf eine schlichte Story, in der Sentimentalität und der für Cranko typische Witz aufeinandertreffen. Die Musik stammt aus verschiedenen Opern von Giuseppe Verdi und wurde extra für die Ballettversion bearbeitet. Bei Béjarts Offenbach-Fantasie aus dem Jahr 1978 sind Szenen in einer von Kontrasten bestimmten lockeren Folge aneinandergehängt. Das Stuttgarter Ensemble ist so reich an Talenten, dass es sich leisten konnte, die beiden Ballette für 13 Aufführungen mit vier Besetzungen einzustudieren - von denen keine als zweitrangig zu bezeichnen ist. Ex-Prinzipalin Marcia Haydée - die gerade 75 wurde - darf in einer Gastrolle an die Erfolgsgeschichte dieser Truppe erinnern. Der Jubel am Ende galt ihr persönlich ebenso wie ihrem Lebenswerk.
Von Thomas Rothschild
| The Lady and the Fool / Gaîté Parisienne |
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| Ort: Stuttgarter Ballett |
| Choreografie: John Cranko, Maurice Béjart |
| Mitwirkende: Sue Jin Kang, Friedemann Vogel, Alexander Zaitsev, Filip Barankiewicz |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Als lauten Aufschrei angesichts einer als blutig ungerecht erfahrenen Gegenwart hat Jette Steckel am Hamburger Thalia Theater Georg Büchners Dramenerstling "Dantons Tod" inszeniert. Mit aggressivem Schlagzeugsound und einer überwiegend jungen Darstellerriege lässt die 30 Jahre alte Regisseurin Sätze ins Publikum schleudern wie: "Diktatur ist unvermeidlich. Demokratie ist eine Illusion." Dem verzweifelten juvenilen Furor applaudierten die Premierenzuschauer am Samstagabend lange, doch für die Regisseurin gab es auch Buhrufe. Ihren direkten Bezug zum Heute unterstreicht die oft bildkräftige Aufführung mit zusätzlichen Zahlen und Fakten. "Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind", doziert der Revolutionär Camille wie ein Wissenschaftler am Katheder. Leider bleibt bei dieser gut gemeinten Aktualität eines auf der Strecke: die psychologisch differenzierte, strukturierte Geschichte über die Hauptakteure der Französischen Revolution von 1789.
dpa
| Dantons Tod |
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| Ort: Thalia Theater Hamburg |
| Regie: Jette Steckel |
| Darsteller: Mirco Kreibich, Lisa Hagmeister |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-rufen ist am Samstagabend in Karlsruhe das Ballett "Momo" aufgenommen worden. Den Romanklassiker von Michael Ende inszenierte der junge Choreograf Tim Plegge. Heiter, spannend und ungeheuer poetisch - und in jedem Fall sehenswert - erzählt der John-Neumeier-Schüler die Geschichte von den Zeitdieben, die den Menschen ihre Lebenszeit rauben. Momo stellt sich dieser Entwicklung - die ihr viel Mut abverlangt - sofort entgegen. Mit einer Schildkröte an der Seite begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise durch die Niemals-Gasse, die bis zum Ursprung der Zeit führt. Dazu passen die kontrastreiche Musikauswahl, das Bühnenbild von Sebastian Hannak und die Kostüme von Judith Adam außergewöhnlich gut. In seinem ersten abendfüllenden Ballett zeichnet Plegge Momos Weg einfühlsam nach - vom unbeschwerten Anfang über die bedrohliche Invasion der Zeitdiebe bis zum Happy End.
Von Susanne Kupke, dpa
| Momo |
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| Ort: Badisches Staatstheater Karlsruhe |
| Choreografie: Tim Plegge |
| Mitwirkende: Blythe Newman, Zhi Le Xu |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Zu Beginn zeichnet Regisseur Elmar Thalmann die Charaktere als Karikaturen. Erst gegen Ende gewinnt die Darstellung an Ernsthaftigkeit. Aber dieser Alfred ist nicht wirklich ein Hallodri, ein Wiener Strizzi. Und dieser Oskar, der Marianne die Hirnschale herunternehmen und nachkontrollieren möchte, was sie denkt, scheint weit davon entfernt, Sadist zu sein; die Tragödie der alternden Valerie bleibt seltsam flach - kurz: Das Panoptikum, das Horváth entworfen hat, gewinnt kein Profil. Es verharrt in einer Mittellage, die das Potenzial der Vorlage nicht ausschöpft. Nur Dietrich Schulz in der Rolle des despotischen und zugleich wehleidigen Zauberkönigs vermag, schauspielerisch zu überzeugen. Sein den "Geschichten aus dem Wiener Wald" verwandtes Stück "Glaube Liebe Hoffnung" nannte Horváth einen "Totentanz". Offenbar davon angeregt, tanzen die Figuren zwischen den Szenen wie Marionetten, wie Holzpuppen auf einem Karussell, über die Bühne.
Von Thomas Rothschild
| Geschichten aus dem Wiener Wald |
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| Ort: WLB Esslingen |
| Regie: Elmar Thalmann |
| Darsteller: Lara Beckmann, Nils Hillebrand, Susanne Weckerle |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |