Als Solist hält sich der Saxofonist Stefan Schmid auf diesem Album auffallend zurück. Denn hier spricht der Komponist. Und er bedient selbstbewusst die Königsklasse des Jazz: In seinem Big-Band-Projekt "Extended" versammelt er zehn junge deutsche Jazztalente zu einem gleichzeitig homogenen und facettenreichen Klangkörper, dem er durch ideenreiche Arrangements immer neue Klangfarben entlockt. Seine Kompositionen sind feinsinnige Inszenierungen von Klangschichten, sorgfältig gegeneinander geführten Phrasen, die stets einen Ausgleich zwischen durchkomponieren und frei improvisierten Elementen suchen. Das ist alles inspiriert, ungeheuer kundig und fein ausgedacht abgezirkelt und ausgeführt. Allein es fehlt manchmal an Schweiß und Seele - aber das ist womöglich ein wenig viel verlangt.
Sven Sorgenfrey
| Stefan Schmid |
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| CD: Extended |
| Double Moon Records |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Erlösern ist grundsätzlich mit Skepsis zu begegnen. Erst recht, wenn man selbst so genannt wird. Nachdem Django Django mit ihrer Debütsingle 2009 zu den Rettern der Gitarrenszene ausgerufen wurden, duckte sich das britische Quartett erst mal drei Jahre weg. In Schockstarre sind sie in dieser Zeit nicht verfallen. Im Schlafzimmer des Drummers haben sie stattdessen die ursprüngliche Rezeptur, bestehend aus Elektrobeats, Surfgitarren und Art-Rock-Experimenten weiter abgeschmeckt. Dabei war der Pop-Appeal gesetzt. Das hatte schließlich schon bei den Grandseigneurs ihrer schottischen Heimat, Franz Ferdinand, funktioniert. Aber eklektischer sollte es sein. Wurde es auch, auf eine "Beach Boys tanzen mit der Beta Band" Art. Und wenn schon keine Erlösung, dann zumindest ziemlich nah an großartig.
Gregor Kessler
| Django Django |
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| CD: Django Django |
| Warner |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Als "eine seltsam stille Tätigkeit" bezeichneten Musikforscher jene Kompositionen, die Franz Liszt mal nicht für Pianisten schrieb, sondern Sängern und Geigern widmete. Dabei sind es vor allem Werke für Violine und Klavier, die die Seele jenes "Zigeuners und Weltbürgers" Liszt aufs Eindringlichste reflektieren. Ums Zigeunerleben geht es auch in den schwermütigen Paraphrasen, Rhapsodien und in den Duos des Komponisten - die der Geiger Thomas Albertus Irnberger gerade herausbrachte. Er begeistert mit geschmackvoll gesetztem Vibrato und einer überbordenden Virtuosität noch bei den vertracktesten rhythmischen Finessen, wie in der aberwitzig schnellen Tarantella-Variation des Grand Duo. Sehr traurig, lyrisch und schön: die Geigen-Transkription des Klavierstücks "La lugubre gondola".
Dagmar Zurek
| Thomas Albertus Irnberger |
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| CD: Franz Liszt and the Violin |
| Gramola Vienna |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Für Freunde des massentauglichen Wohlklangs sind Keane natürlich ein Muss: Die Songs des gerade zum Quartett gereiften Ex-Trios aus East Sussex klingen alle dermaßen schön und nett, dass man fast schon Angst bekommt. Der Opener "You Are Young" erinnert sofort an die Superschnulze "We Are Young" der Teenystars Fun - oder doch mehr an Alphaville? Aber auch bei Song Nummer zwei, dessen Titel "Disconnected" für Keane-Verhältnisse schon widerborstig wirkt, wird einem jede Menge Brei ums Ohr geschmiert. Ein bisschen versöhnt der sixtiesorientierte Refrain. Tscha - was sagt man zu so einer geballten Ladung Ich-will-dass-alles-schön-klingt-Musik, die leider auch ziemlich kalkuliert daherkommt? Bis auf das zweite Album im Jahr 2006 haben die Jungs nie irgendwelche Schmalztiegel ausgelassen - damit aber eine riesige Fangemeinde eingefangen. Anscheinend ist diese in gefährlicher Nähe zur Fahrstuhlmusik angesiedelte Schmusedecke genau dass, was viele Menschen in der aktuell so krisenverseuchten Realität brauchen. Wie hieß es bei den Kinks: "Give the people what they want!" Deshalb sollte man sich auch nicht wirklich über diese Art von Musik lustig machen. Denn gut gemeint könnte sie ja immerhin sein!
Willy Theobald
| CD: Strangeland |
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| Island/Universal |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |