Joon Wolfsberg wurde zwar in Köln geboren und wuchs in Erfurt auf - klingt aber ziemlich international. Irgendwo zwischen der Jefferson-Airplane-Sängerin Grace Slick, Folkrock-Elementen und ganz viel Joon Wolfsberg singt sich die von ihrem Vater produzierte 20-jährige Newcomerin durch echte Ohrwürmer. Einige ihrer Songs wie "Big Fish" oder "Free Your Mind" haben sogar Chartqualitäten. Gut - die Texte sind nicht immer das Gelbe vom Ei, aber geschenkt: Hier steht die Musik im Vordergrund.
Die noch kurze Biografie der ausgebildeten Sängerin liest sich wie ein Popmärchen. Ihr Vater sah in einer Castingshow einen Einspieler über die legendären Tracking Room Studios in Nashville, mailte spontan einen der dortigen Produzenten an - und wurde zur Produktion des zweiten Albums in die USA eingeladen. Dort stellte man Joon als Begleitmusiker erfahrene Profis zur Seite: die beiden Blind-Melon-Veteranen Brad Smith und Christopher Thorn sowie Dave Krusen, Gründungsmitglied von Pearl Jam. Gemeinsam spielten sie ein zwar musikalisch rundes, aber niemals glattes Album ein, das sofort zum Mitsummen verleitet. Glückwunsch - und alles Gute für die musikalische Zukunft.
Willy Theobald
| Joon Wolfsberg |
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| CD: Wonderland |
| Cow Universe Records |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
John Lydon, König der Stieraugen, kann kein ganz dummer Mensch sein. Immerhin hat er die Sex Pistols rechtzeitig aufgelöst und lebt doch weiterhin von ihnen. Und er hat mit PiLs "Metal Box" einen dieser undurchdringlichen Popmonolithen abgeliefert, der - eigen und rätselhaft - bis heute neben Wunderwerken wie "Trout Mask Replica" oder "Oar" thront. Weniger schlau war es jedoch, nach zwei Dekaden ein neues PiL-Album aufzunehmen. Das sucht verzweifelt nach den unberührten Flecken zwischen Dub, Noise, Funk und Punk, die "Metal Box" 1980 so souverän geortet hat - findet dabei aber nur die Fähnchen der abenteuerlustigen Vorgänger. Das ist nicht so abgeschmackt, wie "God Save the Queen" einfach noch mal aufzulegen, aber zwangsläufig weniger, als man von dieser Platte erwartet hätte.
Gregor Kessler
| PiL |
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| CD: This Is PiL |
| PiL Official/Cargo |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |
Es muss eine musikalische Liebe auf den ersten Klang gewesen sein, als der Bassist Avishai Cohen den Pianisten Nitai Hershkovits in einem kleinen Café in Tel Aviv zum ersten Mal spielen hörte. Und die schützt er nach Kräften: Kein weiteres Instrument soll die Zweisamkeit stören. In der Tat hört man selten ein Duo, das so im Einklang bis in die feinsten harmonischen und rhythmischen Feinheiten hinein musiziert (Chick Corea und Gary Burton können eine ähnliche Nähe erreichen). Ob sie Eigenkompositionen, ältere Stücke von Cohen oder Jazzstandards wie Monks "Criss Cross" und Cole Porters "All of You" spielen, stets ist es ihre ganz eigene, aufs Wesentliche reduzierte Musik, in der sich die verschiedensten stilistischen Einflüsse brechen. Ein begeisternder Pas des deux mit viel Duende.
Sven Sorgenfrey
| Avishai Cohen |
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| CD: Duende |
| Blue Note |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Sie enthalten alles, was die Musik des 18. Jahrhunderts für einen Streicher zu bieten hat: jede Menge an polyfonen Strukturen und verzwickten Rhythmen. Die erlauben es einem Geiger, in nur vier Minuten die ganze Bandbreite seines technischen Könnens zu zeigen. Kein Wunder, dass auch ein Musiker wie Ori Kam die zwölf Fantasien für Violine solo von Georg Philipp Telemann als "unwiderstehlich" bezeichnete und große Lust verspürte, diese Geigenkompositionen für sein Instrument, die Bratsche, umzuschreiben. Er transponierte die Fantasien um eine Quinte tiefer. Was einfach hinreißend klingt. Der in Israel aufgewachsene Bratschist spielt die teils streng kontrapunktisch angelegten, teils galant-tänzerisch anmutenden Stücke mit Bravour, wunderschönen Klangfarben und blitzsauberer Tongebung.
Dagmar Zurek
| Ori Kam |
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| CD: 12 Fantasies for Solo Viola |
| Berlin Classics |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |