FTD.de » Panorama » Kultur » Stefan Raab lockt mit Prämien aufs Polit-Parkett
Merken   Drucken   07.11.2012, 12:36 Schriftgröße: AAA

Neue Talkshow: Stefan Raab lockt mit Prämien aufs Polit-Parkett

Er hat die Wok-WM erfunden, lässt Promis vom Turm springen und fordert zum Duell "Schlag den Raab" heraus: Mit neuen TV-Formaten ist Stefan Raab zum Show-Star geworden. Jetzt will er den Markt der Polit-Talks aufmischen - mit 100.000 Euro Siegprämie.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Prosieben
Er hat die Wok-WM erfunden, lässt Promis vom Turm springen und fordert zum Duell "Schlag den Raab" heraus: Mit neuen TV-Formaten ist Stefan Raab zum Show-Star geworden. Jetzt will er den Markt der Polit-Talks aufmischen - mit 100.000 Euro Siegprämie.
von Dorit Koch, dpa

Als Stefan Raab vor wenigen Wochen das Geheimnis um seine neue ProSieben-Politshow lüftete, hieß es: Raab greift ARD-Talker Günther Jauch an. Doch zumindest zur Premiere kommt es nicht zum direkten Vergleich der beiden Alphatiere. An diesem Sonntag verabschiedet sich Jauch genau dann von den Gästen seiner Gesprächsrunde, wenn Raab das erste Mal mit seinem neuen Format "Absolute Mehrheit" (22.45 Uhr) startet. Mit einem Konzept, das schon gleich nach Bekanntwerden polarisierte, so wie Raab selbst immer wieder. Doch was der 46-Jährige anpackte, wurde stets zum Erfolg. Gelingt ihm das auch auf politischem Parkett?

"Meinung muss sich wieder lohnen", meint Raab und wirft 100.000 Euro in den Ring. Mit nach Hause nehmen kann das Geld jener seiner Gäste, der sich am Ende die meisten Zuschauerstimmen gesichert hat - natürlich nur, wenn er in der Finalrunde die absolute Mehrheit hinter sich hat. Wenn nicht, wandert das Geld in den Jackpot. Abstimmen sollen die Zuschauer per Telefon oder SMS nach jeder der insgesamt drei Runden. Wer die wenigsten Stimmen hat, fällt aus dem Voting. Entgegen der ursprünglichen Planung wird es aber nun doch keine Fünf-Prozent-Hürde geben - jeder Gast darf weiter mitdebattieren, auch wenn er weniger als fünf Prozent bekommt.

Auf den Vorwurf, mit seinem Konzept dem Populismus Vorschub zu leisten, kontert Raab: "Mehr Populismus als in anderen Sendungen wird es auch nicht geben." Außerdem gebe es das Kontrollorgan der Zuschauer - einer breiten Masse, die ein sehr gutes Gespür habe. "Ich glaube, die Leute sind nicht so doof wie viele meinen, und können sehr gut entscheiden, ob sie verscheißert werden oder nicht." Normalerweise laufe es doch so: Es wird bis in die Nacht diskutiert, und am Ende gibt es kein Ergebnis. Der Erfinder solcher TV-Events wie "Schlag den Raab", der "Wok-WM" und dem "TV total Turmspringen" will die erste Talkshow mit echten Ergebnissen abliefern.

Von einem "soziologischen Experiment" spricht Raab. "Ich bin sehr darauf gespannt, wie der Zuschauer zuhause analysiert - auch über eine Sendung hinweg", sagt er. "Fällt er auf einen Populisten rein oder erkennt er, dass er hinters Licht geführt wird? Wird der Schnösel von vornherein abgestraft, nur dafür, dass er ein Schnösel ist, oder hat er eine Chance, wenn er gut argumentiert?" Das seien zwar auch Oberflächlichkeiten, meint er. "Aber so funktioniert Politik in der Realität ja auch hin und wieder." Interessante Mechanismen würden in seiner Sendung zutage treten.

"Talkshow - das ist geil"

"Die Idee ist eigentlich recht simpel: Jungen Leuten politische Meinungsbildung nahe zu bringen", formuliert es Raab. Die jungen Zuschauer dürften ihm, der auch den Bundesvision Song Contest ins Leben rief und mit Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest nach Deutschland holte, in der ersten Ausgabe wieder sicher sein: Vor seiner Show zeigt ProSieben ab 20.15 Uhr den Streifen "The Social Network" über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Dank David Finchers zwei Stunden langem Drama - Werbezeiten nicht eingerechnet - entfällt zumindest diesmal der direkte Quoten-Vergleich zu Jauch. Wie oft es Raabs Talk geben soll, will der Sender nicht sagen. Das Format sei als Show-Reihe mit mehreren Ausgaben pro Jahr geplant.

Soziale Netzwerke wie Facebook stehen ebenso als Thema für die erste Ausgabe fest wie Steuergerechtigkeit und Energiewende. Auf der Gästeliste stehen Peter Altmaier (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Wolfgang Kubicki (FDP) und Jan van Aken (Linke). Ein "politikinteressierter Bürger ohne öffentliches Amt" soll der Fünfte in der Runde sein. Kurz nach Bekanntwerden seiner Pläne hatte Raab auf einer Pressekonferenz in Hamburg noch Zweiflern versichert: "Ich sehe schon, Sie glauben nicht, dass da Leute hinkommen. Machen Sie sich keine Sorgen!" Das Feedback sei positiv. "Uns wird gerade die Bude eingerannt - wir haben im Prinzip die freie Auswahl." Danach klingt die erste Gästeliste jedoch nicht so sehr.

Gemeinsam mit ProSiebenSat.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg wird er die 90-minütige Sendung live aus Köln präsentieren. Sie seien "das politische Dreamteam", sagt Raab, der mit dem 52-Jährigen zweimal die "TV total Bundestagswahl" moderierte. Limbourg habe Kontakte und sei analytisch die absolute Nummer Eins - "auch um im Zweifel auch mal einzugreifen, wenn er etwas entdeckt, was mir vielleicht in dem Moment nicht aufgefallen ist". Der Journalist selbst betont: "Ich habe immer gern Sachen gemacht, die bisher keiner gemacht hat." Und Raabs Motivation? "Talkshow - das ist geil. Der Markt ist total zu, da sagt jeder: Lass es sein! Das hat mich total motiviert."

  • FTD.de, 07.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
  FTD-Historie 12 Jahre in Bildern

Die ersten Gehversuche, große Feiern, Geburtstage und spektakuläre Produktionen. Die FTD hat Geschichte geschrieben - und wunderbare Bilder produziert. mehr

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler