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Merken   Drucken   25.07.2012, 14:40 Schriftgröße: AAA

PR-Überraschung in Bayreuth: Jonathan Meese soll "Parsifal" inszenieren

Die Bayreuther Festspiele wollen Mut beweisen und haben den Skandalkünstler als Regisseur für die Oper "Parsifal" verpflichtet. Geplant ist die Inszenierung des Opern-Dilettanten für 2016.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Ulrich Perrey
Die Bayreuther Festspiele wollen Mut beweisen und haben den Skandalkünstler als Regisseur für die Oper "Parsifal" verpflichtet. Geplant ist die Inszenierung des Opern-Dilettanten für 2016.

Der Künstler Jonathan Meese soll 2016 in Bayreuth die Oper "Parsifal" inszenieren. Die Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier verkündeten die Personalie am Mittwoch kurz vor dem Beginn der diesjährigen Bayreuther Festspiele. Meese hat bislang noch keine große eigene Regiearbeit im Fach Oper geliefert.

Haben mit Meese einen Coup gelandet: Katharina Wagner (l.) und Eva ...   Haben mit Meese einen Coup gelandet: Katharina Wagner (l.) und Eva Wagner-Pasquier

Jonathan Meese gilt als eine der provokantesten Figuren der gegenwärtigen Kunstszene. Er ist vor allem für seine Installationen und Gemälde bekannt. Er wurde 1970 in Tokio geboren, die Mutter stammt aus Deutschland, der Vater aus Großbritannien. Auf der Berlin Biennale wurde er mit der Installation "Ahoi de Angst" schlagartig einem breiten Publikum bekannt, später folgten Ausstellungen wie "Erzstaat Atlantisis" oder "Fleisch ist härter als Stahl".

Sich selbst nennt der 42-Jährige mitunter eine "Ameise der Kunst". Erst Anfang Juni hatte er in Kassel Aufmerksamkeit mit einem umstrittenen Auftritt an der Uni erregt. "Der schlimmste Feind der Kunst ist die Demokratie", hatte er damals in einer öffentlichen Gesprächsrunde gesagt.

Richard Wagners Spätwerk "Parsifal" in der Hand ungewöhnlicher Künstler - nicht das erste Mal wagt sich Bayreuth an diese Konstellation. 2004 holte der damalige Festspielleiter Wolfgang Wagner den Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief auf den Grünen Hügel, um die Oper zu inszenieren. Schlingensiefs Produktion spaltete das Publikum. Dann folgte wieder ein erfahrener Opernregisseur für den "Parsifal", der 1882 in Bayreuth uraufgeführt worden war: Der Norweger Stefan Herheim inszeniert das mehrstündige Werk seit 2008. In diesem Jahr wird seine Produktion zum letzten Mal in Bayreuth zu sehen sein.

Die Titelpartie im neuen "Parsifal" soll in vier Jahren Tenor Klaus Florian Vogt singen. Er bleibt den Bayreuther Festspielen damit eng verbunden. Vogt singt in diesem Jahr den Schwanenritter in "Lohengrin" wieder an der Seite von Annette Dasch als Elsa.

Bereits in wenigen Tagen beginnen erste Proben zur "Ring"-Produktion 2013 unter der Regie von Frank Castorf. Seine Inszenierung der Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" bildet den Höhepunkt des kommenden Jahres, wenn Richard Wagners 200. Geburtstag gefeiert wird. Im Jahr darauf steht traditionell keine Neuproduktion auf dem Spielplan. 2015 folgt dann "Tristan und Isolde", Regie wird Katharina Wagner selbst führen.

  • dpa, 25.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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