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Merken   Drucken   22.12.2007, 10:44 Schriftgröße: AAA

Triumph zum Fest

Weihnachten ist nicht nur die Zeit für Geschenke, sondern auch für Gesellschaftsspiele mit der ganzen Familie. Wie Sie bei Monopoly, Scrabble und Memory garantiert gewinnen.
von Rainer Leurs

Schön, wenn zu Weihnachten die ganze Familie zusammenkommt. Sie kennen das bestimmt: Wenn erst mal alle Geschenke ausgepackt und alle Teller leer gegessen sind, sitzt man irgendwann mit der Sippe am Tisch und spielt Gesellschaftsspiele. Schließlich ist ja endlich mal Zeit dafür! Weil Minderjährige und Rentner allerdings logischerweise mehr Übung in Memory oder Monopoly haben, sieht man als berufstätiger Mensch gegen die Verwandtschaft nicht immer gut aus. Peinliche Niederlagen sind programmiert.

Aber das ist jetzt vorbei. Hier sind ein paar erstaunliche Strategien für Brettspielklassiker, mit denen Sie nie wieder unter die Räder kommen - jedenfalls nicht gegen die eigene Familie.

Drei Komponenten sind entscheidend, um eine Partie Monopoly zu gewinnen: Würfelglück, Verhandlungsgeschick - und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das mit dem Glück lässt sich natürlich nicht erzwingen, die beiden anderen Aspekte dagegen schon. Es ist nämlich so: Wie oft eine Straße besucht wird und Miete abwirft, kann man ausrechnen. Die Untersuchungen der Monopoly-Forscher Tim Darling und Truman Collins zeigen zum Teil dramatische Unterschiede.

Die Mutter aller Wirtschaftsspiele: Monopoly   Die Mutter aller Wirtschaftsspiele: Monopoly

Weit vorn liegen danach die roten und orangefarbenen Straßen, während prestigeträchtige Felder wie Schlossallee, Parkstraße und Bahnhofstraße viel seltener Miete abwerfen: Durch die Ereigniskarten ("Rücken Sie vor bis auf Los") und das Gefängnis konzentriert sich das Spielgeschehen auf die erste Hälfte des Feldes. Bezieht man Grundstücks- und Baupreise sowie die möglichen Mieterträge in die Rechnung ein, ergibt sich folgendes Bild: Die beste Rendite erzielt man mit genau drei Häusern auf den orangefarbenen Feldern (Münchener, Wiener, Berliner Straße).

Bis sich diese Investition rentiert hat, müssen nach Collins und Darling Ihre Gegner 9,5-mal würfeln. Wenn Sie also gegen Schwager, Nichte, Sohn und Ehefrau antreten, haben Sie Ihr Investment nach nur 2,4 Runden durch Mietzahlungen wieder drin. Zum Vergleich: Auf der grünen Bahnhofstraße müssen Sie für denselben Effekt gut das Doppelte anlegen und 3,7 Runden warten.

Natürlich bedeuten solche Rechnungen nicht, dass Sie grüne und blaue Straßen überhaupt nicht erwerben sollen. "Am Anfang muss man alles kaufen", sagt Klaus Armbrüster, dreifacher deutscher Meister und ehemaliger Vizeweltmeister im Monopoly. "Aber danach müssen Sie taktisch gut handeln!" Und kluge Deals einfädeln kann man eben nur, wenn man weiß, dass die Schlossallee ein Witz ist gegen orangefarbene und rote Straßen mit vielen Häuschen drauf. Weitere Tipps des Meisters: Nie bauen, bevor man gewürfelt hat! So hält man die Kosten unter Kontrolle. Und: Wer sein Geld säuberlich geordnet vor sich auf den Tisch legt, ist ein Trottel. Würden Sie so was im richtigen Leben machen? Zeigen Sie nie, wie viel Bargeld Sie zur Verfügung haben, das geht keinen etwas an. Große Scheine tauscht Armbrüster sogar immer gleich in kleinere um: "Die hohen 500er haben eine grelle Farbe, die fallen selbst dann auf, wenn man sie im Bündel in der Hand hält", sagt er.

Ihre Frau ist Deutschlehrerin, löst Silbenrätsel und knackt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gern Anagramme? Das wird ein harter Brocken am Scrabble-Brett. Trotzdem sieht es gut für Sie aus, wenn Sie sich an die Anweisungen von Blanca Gröbli-Canonica halten. Die zweifache deutsche Meisterin im Scrabble weiß, worauf es ankommt. "Um gut zu sein, braucht man einen großen Wortschatz. Und man muss alle Möglichkeiten auf dem Brett berücksichtigen."

Ein gewisser Killerinstinkt gehört beim Scrabble dazu   Ein gewisser Killerinstinkt gehört beim Scrabble dazu

Dazu gehört auch ein gewisser Killerinstinkt: Denken Sie daran, dass man nicht nur die Grundform eines Wortes legen darf - sondern alle Partizipien, Konjugationen oder Fälle. Seil, Seile, Seils, Seilen - alles möglich. Defensive Spieler achten außerdem darauf, Wörter so zu bilden, dass keiner daran anlegen und Punkte kassieren kann: Es ist nicht unbedingt klug, "platzte" zu legen, wenn man auch "platzet" daraus machen kann.

Aber was tun, wenn man Schwierigkeiten beim Wortebilden hat? Selbst wer bei den Buchstaben N, O, F, E, T, L und E nicht sofort an ein "Telefon" denkt, kann am Spieltisch einen Durchmarsch starten: mit einfachem Auswendiglernen. "Die meisten Leute kennen höchstens 20 Wörter mit zwei Buchstaben", sagt Gröbli-Canonica. Ein Fehler: Der Duden verzeichnet fast das vierfache davon, 76 Stück sind beim Scrabble erlaubt. Mit ihnen kann man hemmungslos anlegen oder ungünstige Buchstabenkonstellationen auf dem eigenen Bänkchen versilbern. "Wenn man das weiß, ist es schon sehr günstig", sagt die Scrabble-Expertin aus Oberuzwil in der Schweiz. Damit Sie nicht selbst zum Duden greifen müssen, folgen hier alle zugelassenen Zwei-Buchstaben-Wörter:

Aa, ab, ad, ah, Ai, am, an, Ar, As, au, äh, äs, bi, Bö, da, do, du, eh, Ei, er, es, et, ex, ey, fa, Go, ha, hä, he, hi, hm, ho, hu, hü, im, in, ix, ja, je, la, mi, My, na, ne, nö, nu, Ny, ob, Od, oh, on, Os, öd, Öl, Pi, Po, Qi, Re, sä, si, so, st, ti, Tö, tu, Ud, uh, ui, Ul, um, Ur, Uz, üb, wo, Xi, zu.

Falls Sie sich das jetzt fragen sollten: "Tö" sagt man in manchen Gegenden für "Toilette", und eine "Ud" ist eine arabische Laute. Kein Witz! Am besten, Sie schreiben sich die Liste gleich ab, zum Einprägen. Sie werden triumphale Stunden erleben!

Wenn Monopoly die Mutter aller Wirtschaftsspiele ist, ist Risiko der Archetyp des Strategiespiels. Klar, dass Sie als alter Fuchs dabei enormen Ehrgeiz an den Tag legen - und regelmäßig vor Wut in die Tischplatte beißen könnten, wenn Ihr plumper Schwager schon wieder die Weltherrschaft an sich reißt. Seien Sie beruhigt: Das ist jetzt vorbei.

"Die Hauptsache ist, dass man sich nicht selber schadet", sagt Ehsan Honary. Der Brite ist eine Art Clausewitz des Risiko-Spiels: Er hat ein Standardwerk zum Thema geschrieben (Total Diplomacy. The Art of Winning Risk, 340 Seiten, Booksurge, 16 $) und rät darin vor allem zu Zurückhaltung. "Man darf nie zu viel auf einmal wollen. Wer zu schnell expandiert, kann nicht mehr zurück und wird zum schwächsten Spieler auf dem Feld", sagt er.

Risiko ist der Archetyp des Strategiespiels   Risiko ist der Archetyp des Strategiespiels

Wichtig ist zudem - ähnlich wie beim Schach - die richtige Eröffnung. Dabei gibt es zwei Schulen: Defensivere Spieler beginnen in Australien, einem abgelegenen Kontinent, der leicht zu sichern ist. Offensivere Feldherrn dagegen fangen in Europa an, dem Zentrum der Risiko-Weltkarte: Hier gibt es massive Verstärkungen, dafür ist das Territorium offen nach allen Seiten - und verschafft dem Besitzer Zugriff auf fast alle Regionen der Erde. "Hier ist es besonders wichtig, mit den Gegnern zu verhandeln", sagt Honary. Seiner Meinung nach nimmt Diplomatie einen Löwenanteil am erfolgreichen Risiko-Spiel ein. Warum selbst angreifen, wenn es auch ein anderer machen kann? Dazu muss man natürlich psychologisch geschickt sein und wissen, was der Gegner will. "Das gilt vor allem beim Spielen gegen Familienmitglieder", sagt Honary. "Mit der eigenen Mutter kann man normalerweise besonders gut handeln. Schwieriger sind ehrgeizige Brüder: Man muss sich keine Hoffnungen machen, dass sie einem entgegenkommen."

Eine andere Frage ist hingegen, ob man sich an Abmachungen mit dem Konkurrenten halten muss - zum Beispiel an einen Nichtangriffspakt in Zentralamerika. Die Antwort gibt die Spieltheorie, sagt Honary: "Wenn Sie regelmäßig gegen den betreffenden Gegner antreten, sollten Sie den Vertrag keinesfalls brechen. So bauen Sie sich eine Reputation auf." Wenn man allerdings sicher ist, dass man bestimmt nie wieder in derselben Konstellation am Tisch sitzen wird, ist ein amtlicher Überfall geradezu Pflicht. Gerade gegen die eigene Mutter!

Zunächst muss man mit einem Klischee aufräumen: Erwachsene sind beim Memory-Spiel nicht automatisch im Nachteil. "Kinder haben zwar das bessere Bildgedächtnis", sagt Erik Ecker, siebenfacher Berliner Memory-Meister. "Aber sie können überhaupt nicht taktisch spielen!" Deshalb wird Ihr fünfjähriger Sohn kein Land mehr sehen, wenn Sie mit der richtigen Strategie vorgehen. Und die ist bemerkenswert simpel.

Zunächst ist eine Merktechnik hilfreich. Sie müssen ja wissen, welche Karten Sie schon umgedreht haben. Dazu kann man das Feld mit den Kärtchen in vier Quadranten aufteilen, sodass aus dem Apfel "irgendwo in der Mitte" eine Eckkarte im linken unteren Feld wird. Nützlich kann es auch sein, einfach der Reihe nach aufzudecken und sich dazu eine passende Bildergeschichte auszudenken. "Decken Sie aber auf keinen Fall kreuz und quer auf! Dabei sind Kinder immer überlegen", warnt Ecker. Natürlich funktioniert das nur, wenn alle Kärtchen ordentlich im Quadrat angeordnet bleiben.

Aber jetzt kommt das Entscheidende: Drehen Sie als zweite Karte immer nur bekannte Motive um! Es hört sich merkwürdig an, ist aber logisch: Wenn Sie einen Apfel aufdecken und keine Ahnung haben, wo die passende zweite Karte liegt, können Sie natürlich raten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie damit richtig liegen, ist aber verschwindend gering: Sie drehen also eine neue Karte um, die sich nun Ihr Gegner merken kann, und das ist immerhin ein fünfjähriges Ungeheuer mit fotografischem Gedächtnis! Spielen Sie also lieber überlegt. Decken Sie nur Motive auf, die Sie schon kennen, auch wenn sie falsch sind. "Wenn Sie so spielen, und Ihr Gegner versucht zu raten, dann gewinnen Sie in 75 Prozent aller Fälle", versichert Ecker. "Das funktioniert vor allem gegen Kinder!"

Natürlich klingt das unheimlich hart; es wird bestimmt Tränen geben am Spieltisch. Aber schließlich sind Sie ja auch der Erwachsene und dürfen ruhig mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat. "Ich bin ohnehin dagegen, dass man Kinder absichtlich gewinnen lässt", sagt Ecker. Geschenke gibt's Weihnachten schließlich schon genug.

  • FTD.de, 22.12.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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