Lange konnten Kopfhörer gar nicht klein genug sein. Die großen Muscheln verschwanden aus dem Stadtbild wie der Walkmen aus Taschen. Dann machte der Erfolg der Marke Beats by Dr. Dre klobige Bügelmodelle zum Fashion Statement. Seitdem ist kaum noch ein Fußballer zu sehen, der ohne die oft bunten Dinger den Mannschaftsbus verlässt. Der US-Rapper rollt derzeit den Markt auf - und verhilft Traditionsherstellern wie dem deutschen Familienunternehmen Sennheiser zu einem Umsatzschub.
"Der Gesamtmarkt für Kopfhörer ist deutlich gewachsen", sagt Volker Bartels, Sprecher der Unternehmensführung, der FTD. "Das ist ganz klar initiiert durch den Wandel zum Modeaccessoire." Das zeigt sich auch in Sennheisers am Mittwoch vorgelegten Zahlen für 2011. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 531,4 Mio. Euro, der Gewinn gar um 93 Prozent auf 45,7 Mio. Euro. Sennheiser ist in Europa Marktführer bei Kopfhörern. Zusammen mit Mikrofonen steuern sie den Löwenanteil zum Umsatz bei.
Man habe Kosten eingespart und gute Konditionen im Einkauf aushandeln können, erklärt Bartels den Gewinnsprung. Außerdem seien die Kunden bereit, für schicke Kopfhörer tiefer in die Tasche zu greifen. In Apples deutschem Onlineshop kostet das beliebteste Modell von Beats by Dr. Dre 280 Euro, Sennheisers Bestseller Amperior liegt bei 300 Euro.
Mit Amperior wagt sich Sennheiser, sonst klar auf Tonqualität gepolt, in die Lifestyle-Ecke vor. "Es gibt verstärkte Konkurrenz, auch durch neue Wettbewerber", räumt Bartels ein. Sennheiser sei nun dabei, "Gegenimpulse zu setzen". Zu sehr in die Mode-Ecke will man jedoch nicht abdriften: Sennheiser brauche keine Rapper, um Geräte zu verkaufen, stichelt Bartels. Er prophezeit vielen neuen Konkurrenten keine lange Lebensdauer: "In zwei, drei Jahren wird der Markt wieder deutlich ausgedünnt sein."
Ein Ende der Begeisterung würde sich auch in Sennheisers Umsatz niederschlagen. In den Jahren 2007 bis 2009, vor Beginn des Kopfhörerbooms, stagnierte der Umsatz des Unternehmens bei rund 390 Mio. Euro.
Mancher Hersteller maximiert den Umsatz mit Partnern. Beats by Dr. Dre gibt es mit HTC-Handys oder HP-Rechnern. Asus verkauft Notebooks mit Audiotechnologie von Bang & Olufsen. Für Sennheiser komme so etwas - nach schlechten Erfahrungen mit Herstellern von MP3-Playern - nicht infrage, so Bartels: "Wir wollen durch unsere Marke überzeugen. Da sind wir selbstbewusst genug."