Eine Studentenparty mit hoher Ingenieurdichte kann Geisteswissenschaftlerinnen in Schaudern versetzen - Maschinenbau reimt sich einfach nicht auf Gigolo. Frauen waren deshalb stets dankbar für das modische Alarmsignal Holzfällerhemd: Achtung, Nerdstudiengang mit Männerüberschuss! Blöderweise wurde die klein- bis großkarierte Warnweste des Geektums unlängst hinausgeweht in die weite Prärie des Modemainstreams.
Das Karohemd ist zum Statement aufgestiegen. Es sagt: Sieh her, Baby, ich kann einen Baum für dich fällen und Bären erlegen. Dabei seh ich auch noch verdammt gut aus! Die Assoziation des Outdoorkerls scheint US-Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan gut zu gefallen - tatsächlich ist er privat passionierter Bogenschütze sowie Fischfangvirtuose mit bloßen Händen.
Um neben dem zähneblitzenden Mitt Romney naturburschige Frische raushängen zu lassen, ist Kleinkariertes genau das Richtige. In legere Hemden wurde Ryan allerdings nicht etwa hineingeboren: Als harter Reformer zu Bush-Zeiten verließ er sich noch auf Abgeordnetenästhetik - dunkler Anzug mit Krawatte. Sollte er es tatsächlich ins Weiße Haus schaffen, wird er noch genug Gelegenheit haben, den Schlips spazieren zu führen. Bis dahin hilft ihm das Karohemd vielleicht sogar dabei, neue Wählerschichten zu erschließen: Maschinenbauer gibt es schließlich auch in den USA.
| Herrenhemd, kariert, mit Button-down-Kragen, etwa von Seidensticker, Modell Uno, ca. 40 Euro, www.seidensticker.com |