Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Nein, er habe seinem Nachbarn nicht mit einer Neun-Millimeter-Pistole in den Hinterkopf geschossen. John McAfee ist gerade auf der Flucht vor der Polizei, aber das müsse mal klargestellt werden. Er sei kein Mörder, sagt der 67-Jährige dem US-Magazin "Wired". Er werde von den Behörden verfolgt. Man wolle ihn beseitigen, das sei keine Frage. Als man ihn am Sonntag in seinem Strandhaus habe festnehmen wollen, da habe er sich im Sand eingegraben und einen Pappkarton über seinen Kopf gestellt, um atmen zu können.
Diese filmreifen Szenen beschreibt der Gründer des Softwareunternehmens McAfee , dem Spezialisten von Antivirenprogrammen, der 2010 für 7,7 Mrd. Dollar an den Chipkonzern Intel verkauft wurde. Mit seinem Startup wurde der gebürtige Brite 1987 zu einem Pionier des Internets. Heute kann eine Firmensprecherin kaum genug betonen, dass McAfee schon vor etlichen Jahren seine Beteiligung verkauft habe und seither nicht mehr mit dem Unternehmen teile als den Namen.
Zwischen diesem Zeitraum steht eine Geschichte von Leichtsinn und süßem Leben. Und seit diesem Wochenende auch von einem Mord.
Die Kleinstadt San Pedro im zentralamerikanischen Staat Belize ist ein Taucherparadies mit schönen Stränden und Häusern, in denen Menschen ihren Wohlstand genießen. Am Sonntag, so steht es auf der Website der örtlichen Polizei, wurde hier die Leiche eines Bauunternehmers namens Gregory Faull entdeckt. Dessen Nachbar, John McAfee, sei in diesem Fall eine "Person von Interesse", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Behördensprecher. Andere Nachrichtenportale vermelden, der studierte Mathematiker sei Hauptverdächtiger. Am Montag rief McAfee beim "Wired" an und schilderte die Umstände seiner Flucht. Seither ist er verschwunden.
Als McAfee vor drei Jahren seine letzten Häuser in den USA verkaufte und nach Belize zog, hatte er schon einen rasanten Aufstieg und einen tiefen Fall hinter sich. Nach seinem Studium in North Carolina heuerte er zunächst beim Weltrauminstitut Nasa an, später dann beim Rüstungsunternehmen Lockheed . Ende der 80er-Jahre erkennt er als einer der Ersten die Gefahren, die im Internet in Form von Viren lauern, und entwickelt eine Software dagegen. Als er sich 1994 aus seiner Firma zurückzieht, ist er ein reicher Mann. 100 Mio. Dollar soll McAfee damals bekommen haben.
Doch dann entgleitet ihm das Leben. McAfee gibt sein Vermögen aus für schnelle Autos, Leichtflugzeuge und für Immobilien, die in der Wirtschaftskrise spektakulär an Wert verlieren. Auf 4 Mio. Dollar soll sein Vermögen geschrumpft sein. Er kehrt Amerika den Rücken, schreibt Bücher über Yoga und züchtet im Dschungel seltene Pflanzen, um ein neues Antibiotikum herzustellen.
Im Mai bekommt McAfee zum ersten Mal Besuch von der Polizei. Bei einer Hausdurchsuchung erschießen die Beamten einen Hund und finden ein Waffenarsenal, für das der einstige Unternehmer allerdings die entsprechenden Papiere vorlegen konnte. Dem IT-Blog Gizmodo erzählte er, dass er in Belize verfolgt werde von der Polizei und Kriminellen. Auch von Drogen ist die Rede und Frauengeschichten, die man ohne eigene Gewissheit nicht zitieren will. Auf Fotos posiert McAfee mit freiem Oberkörper, großzügig tätowiert und mit einer monströsen Flinte in der Hand.
Die Polizei in Belize verweist darauf, dass ihre Ermittlungen in einem sehr frühen Stadium sind - in dieser Geschichte, die sich jetzt schon so hanebüchen anhört, dass man ihr jede weitere Wendung zutrauen würde. In seinem Interview wird McAfee wie folgt zitiert: "Sie versuchen seit Monaten, mich zu kriegen. Sie wollen mich zum Schweigen bringen. Der Premierminister mag mich nicht. Ich bin jedem ein Stachel im Fleisch."