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Merken   Drucken   13.11.2012, 17:21 Schriftgröße: AAA

Mordfall: McAfee von der Polizei gesucht

John McAfee, Gründer der Anti-Viren-Firma, lebt in Belize, ist tätowiert und posiert bewaffnet für ein Magazin. Für die Behörden ist er nicht auffindbar. Das ist ein Problem, denn die Polizei sucht McAfee im Zusammenhang mit einem Mordfall. Über McAfees Leben in Belize werden immer erstaunlichere Details bekannt.
McAfee vor drei Jahren in seinem damaligen Wohnort Rodeo/New Mexico   McAfee vor drei Jahren in seinem damaligen Wohnort Rodeo/New Mexico

Es ist eine mehr als nebulöse Geschichte: Der Unternehmer John McAfee wird von der Polizei in Belize gesucht. McAfee, der 1989 den gleichnamigen Hersteller von Antivirensoftware gründete, solle zu der Ermordung eines US-Bürgers befragt werden, teilte das Ministerium für nationale Sicherheit des mittelamerikanischen Staats mit.

Während die Polizei den Amerikaner nicht auffinden kann, äußert sich der im Gespräch mit einem Journalisten des Magazins "Wired". Er wisse nichts über den Mord, glaube aber, dass die Killer ihn treffen wollten, sich aber im Haus getäuscht haben. McAfee vermutet eine Verschwörung der Regierung in Belize gegen ihn. Aus Angst, die Polizei würde ihn töten sobald er sich stellt, hält er sich versteckt. McAfee wirkt mittlerweile wie eine Mischung aus Surfer, Aussteiger und Survival-Kämpfer: Im Wired posiert der Softwareunternehmer mit nacktem Oberkörper, Tatoos und Gewehr.

Die Polizei in Belize hält McAfee für einen Hauptverdächtigen in dem Mordfall. Und bestreitet die Komplottvorwürfe.

Am 11. November um 8.00 Uhr wurde der 52-jährige Amerikaner Gregory Viant Faull tot in seinem Haus in San Pedro aufgefunden - laut der ersten öffentlichen Aussage der Polizei in Belize mit einer Schussverletzung am Hinterkopf. Faull sei von seiner Haushälterin entdeckt worden. "Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ein Mordverdächtiger sei in Untersuchungshaft. Im Haus Faulls fehlen ein Laptop-Computer und ein iPhone, es gebe keine Anzeichen eines gewaltsamen Eindringens in das Haus.

Eine Flucht aus dem Land kommt für McAfee nicht in Frage. "Ich liebe Belize", sagte er dem Magazin "Wired". "Ich habe nicht im Mindesten die Absicht, Belize aufzugeben." McAfee war 2008 nach Belize gezogen, nachdem sein zuvor auf 100 Mio. Dollar geschätztes Vermögen durch mehrere Fehlspekulationen auf 4 Mio. Dollar geschrumpft war, berichtete 2009 die "New York Times". Intel übernahm McAfees Unternehmen 2010 für 7,68 Mrd. Dollar, den höchsten Preis, den der Konzern bis dahin für einen Zukauf zu zahlen bereit war.

Yoga und synthetische Drogen

McAfee gilt als begeisterter Yoga-Anhänger und hat einige Bücher zu dem Thema verfasst. Der 67-Jährige sorgte im Mai für Schlagzeilen, als sein am Strand liegendes Haus von der Polizei wegen des Verdachts durchsucht wurde, dass dort Drogen produziert werden. Das legt auch die Berichterstattung des Nachrichtenportals Gizmodo nahe. Dem Bericht zufolge berichten Anwohner, dass Faull aus Florida eingewandert und ein angesehener Nachbar gewesen sei. Vor einer Woche soll Faull eine formelle Beschwerde gegen McAfee eingereicht haben. Darin habe er angegeben, dass McAfee aus Waffen gefeuert und ein "gaunerhaftes Verhalten" an den Tag gelegt habe. McAfee selbst gebe zu, mit den berüchtigsten Kriminellen in Belize bekannt zu sein.

Zudem berichtet Gizmodo, dass McAfee seit Juli 2010 unter dem Namen "stuffmonger" auf einem russischen Online-Portal Beiträge veröffentlicht. Gizmodo zufolge hat McAfee diesen Namen in der Vergangenheit oft in Internet-Portalen verwendet. Auf Bluelight tauschen sich die Mitglieder überwiegend über ihre Erfahrungen mit verschiedenen Drogen aus.

Diesen Beitrag soll McAfee auf dem Drogen-Portal ...   Diesen Beitrag soll McAfee auf dem Drogen-Portal "Bluelight" geschrieben haben. Im Post: ein Bild von Designer-Drogen

"stuffmonger", der sich in einem Post als "John" vorstellt und ein Bild seiner Wohnhütte in einem Regenwaldgebiet veröffentlicht, schreibt auf Bluelight über seine Versuche synthetische Drogen herzustellen. Diese als "Bath Salt" bekannten Designer-Drogen wolle er aus über das Internet erhältlichen Rohstoffen gewinnen, so "stuffmonger". Entsprechende Bilder von kleinen, bunt bedruckten Tütchen und großen Beuteln voller getrockneter Blätter veröffentlicht der Autor ebenfalls.

"Ich bin ein riesiger Fan von MDPV", heißt es in einem Beitrag. Der Wirkstoff Methylendioxypyrovaleron soll viermal stärker sein als Ritalin, das als medizinischer Wirtstoff gegen Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt wird. "Ich finde, es ist die bester Droge die jemals erdacht wurde, nicht nur wegen der unbeschreiblichen Hypersexualität, sondern auch wegen des geschmeidigen Rauschzustandes und dem sanften Herunterkommen", so "stuffmonger".

McAfees ehemaliges Unternehmen will indes zu den Vorkommnissen keinen Kommentar abgeben. Eine Sprecherin sagte, man gebe keine Stellungnahmen zu ehemaligen Mitarbeitern ab. John McAfee sei 1994 ausgeschieden und habe seitdem keine Beziehungen mehr zu der Firma gepflegt.

  • FTD.de, 13.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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