FTD Sie sind sehr reich, Herr Porsche, mit Ihrem Geld unterstützen Sie 150 soziale Projekte wie etwa die Waldorfschule, in deren Räumen wir sitzen, und ...
Peter Daniell Porsche ...Moment! Wir haben noch nicht über mein Honorar und die Spende an die Schule gesprochen. Das ist Grundlage für dieses Interview.
FTD (lacht)
Porsche (lacht lauter)
FTD Wie viel wollen Sie haben?
Porsche Wenn Sie 50.000 Euro dabeihätten ...
FTD (schweigt)
Porsche Unsinn. Das war ein Witz. Schießen Sie los.
FTD Ihnen gehören gemeinsam mit Ihrem Vater rund zehn Prozent der Porsche -Automobilholding. Sie könnten ein Luxusleben führen, ohne Arbeit. Aber Sie schuften für Ihre sozialen Projekte. Warum?
Ich könnte nicht anders, als täglich was zu machen, hinter dem ich stehe. Sicher, ich kann mir meine Arbeit aussuchen. Das ist ein Privileg. Aber auch wenn das nicht so wäre: Ich könnte nie den ganzen Tag im Liegestuhl sitzen und gar nichts tun. Das würden weder mein innerer Antrieb noch mein Gewissen zulassen.
Spannend. Dann sind Sie wohl ein ganz besonderer Mensch?
Ganz und gar nicht. Kennen Sie Götz Werner? Der Gründer der Drogeriekette DM spricht von der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für alle. Er geht davon aus, dass alle Menschen gern und viel arbeiten, wenn ihre Grundbedürfnisse abgedeckt sind. Ich habe diese Erfahrung machen dürfen. Götz Werner hat recht. Mir fließt ohne mein Zutun Geld zu, und ich versuche durch meine Arbeit, diese Einkünfte vor mir selbst zu rechtfertigen.
Glauben Sie im Ernst, andere Menschen wären genauso gewissenhaft wie Sie?
Es gibt immer schwarze Schafe. Aber grundsätzlich ist diese Idee umsetzbar. Davon bin ich überzeugt.
Wie viel Geld bekommen Sie jährlich aus Ihrer Porsche-Beteiligung?
Wenn es gut läuft, erhalte ich nach Abzug von Steuern und Nebenkosten rund 1 Mio. Euro, über die ich frei verfügen kann. Etwa 80 bis 85 Prozent dieses Betrags fließen in meine sozialen Projekte. Den Rest behalte ich für mich.
Ein Jahreseinkommen von rund 180.000 Euro. Und wir dachten, Sie sind Milliardär.
Nur auf dem Papier. Aber im Ernst: Ich fühle mich wirklich sehr gut bezahlt.
Durch Ihr finanzielles Engagement bekommen Sie zudem Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das streichelt Ihr Ego. Ist das für Sie eine Form von Lohn?
Ja, aber auch eine Gefahr. Wer Geld verschenkt, muss aufpassen, dass er nicht selbst zum stolzen Gockel wird und davon abhängig, dass sich die Leute untertänig bedanken oder ihm die Füße küssen.
Kommt das bei Ihnen vor?
Es gibt Momente, wo dieses Gefühl im Ansatz aufkommt. Aber ich bin mir dessen bewusst, weil mich das Thema beschäftigt. Andererseits gebe ich zu, dass die Bekanntheit meines Namens manchmal auch von Nutzen ist, wenn ich etwas bewirken will - nicht für mich persönlich, sondern für meine Projekte.
Wie holen Sie sich zurück auf den Boden, wenn Ihr innerer Gockel mit den Flügeln schlägt?
Zum Beispiel so: Die Gastwirtschaft hier im Haus hat einen Fettabscheider, wo das Spülwasser durchläuft. Einmal im Jahr komme ich mit dem Traktor und sauge ihn aus. Dann stinke ich zwei Tage nach ranzigem Fett. Meine Frau kriegt immer Zustände. Aber diese Arbeit gibt mir das Gefühl, auch ein gewöhnlicher Mensch sein zu können.
Sie beschreiben in Ihrem Buch, wie enttäuschend es sein kann, den Namen Porsche zu tragen. Menschen suchen Ihr Vertrauen, wollen aber Ihr Geld. Haben Sie mal überlegt, den Namen Ihrer Frau anzunehmen?
Man kann vor den Problemen des Lebens fliehen, oder man kann zu ihnen stehen. Ich glaube, jeder Mensch hat ein Schicksal und eine Verpflichtung. Ich will mich nicht verstecken, weil ich einen besonderen Namen habe. Ich will dazu stehen!
| Gutmensch Carrera |
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| Eigenheit Peter Daniell Porsche, Urenkel von Ferdinand Porsche, ist Waldorfpädagoge und Musiktherapeut. Den größten Teil seines Vermögens steckt der 39-Jährige in gemeinnützige Projekte wie die Paracelsus-Schule - eine Einrichtung für Kinder, die intensiv betreut werden müssen. |
| Eigenheim Mit Frau und vier Kindern wohnt Porsche am Gaisberg nahe Salzburg. Sein Grundstück teilt er mit Pferden, Eseln, Hunden, Hühnern, Ziegen, Schafen und zwei Katzen. Liebstes Hobby ist das Ballonfahren. |
Ihr Urgroßvater hat den VW Käfer erfunden. Sie haben ein Solarmobil entwickelt und denken über einen Motor nach, der mit warmer Luft arbeitet statt mit Benzin. Warum sind Sie eigentlich kein Ingenieur geworden?
Ich folge dem technischen Weg, allerdings im Hintergrund. Vielleicht kann ich eines Tages Entwicklungen zeigen, die die Welt positiv beeinflussen.
Was könnte das sein?
Meine Ideen zielen auf alternative Antriebstechniken. Das kann die Ausnutzung von Gravitations-, Solar- oder Molekularenergie sein. Mir werden aber auch Ideen zugetragen.
Sie setzen sich für alternative Antriebe ein, aber die deutsche Autoindustrie tut alles, um strengere CO2-Richtlinien zu verhindern. Wie passt das in Ihr Weltbild?
Allen dürfte klar sein: Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt es in der Zukunft Probleme. Aber warum schauen alle nur auf die Autoindustrie? Es gibt Bereiche wie die Luftfahrt, aber auch noch viele andere, etwa politischer oder gar gentechnischer Natur, die oftmals komplett vergessen oder verdrängt werden. Deren Gefahren die Menschen noch nicht erkannt haben, weil man hier immer nur von den angeblich positiven Seiten spricht.
Gab es in Ihrem Leben einen Punkt, an dem Sie Ingenieur werden wollten?
Ich bin mehr an Technik interessiert, als man mir zutraut. Aber ich wollte nicht Ingenieur werden, weil mich das Studium zum Schmalspurdenken erzogen hätte. Damit will ich nicht sagen, dass alle Techniker Schmalspurdenker sind. Aber bei mir hätte das Studium dazu geführt.
Sie singen, spielen Querflöte, schreiben Gedichte. Was dominiert bei Ihnen - Kunst oder Technik?
Mal das eine, mal das andere. Es gehört zusammen, um erfolgreich sein zu können.
In der Industrie sehen wir den gegenläufigen Trend. Gesucht sind hochspezialisierte Fachkräfte. Gibt es für Ihren ganzheitlichen Ansatz Platz in der Unternehmenswelt?
Den muss es künftig geben. Wirtschaft und Wissenschaft sollten funktionieren wie ein Künstler, der ein Gemälde malt. Er entwirft eine Landschaft, arbeitet bis ins letzte Detail, tritt ein paar Schritte zurück, guckt sich das Bild als Ganzes an. Da liegen noch viele Chancen.
Wo konkret?
Denken Sie zum Beispiel an die Strömungslehre. Die Forelle kann gegen den Strom schwimmen. Wenn Sie das einfach hinnehmen, denken Sie, die Forelle bräuchte dazu unglaubliche Kraft. Doch genau betrachtet sehen Sie, dass ihr Körper vorn breit ist und dann schmal zusammenläuft. Durch Form und Bewegung finden im Wasser Rückverwirbelungen statt, die dem Fisch Vortrieb geben. Das Beispiel zeigt: Wir dürfen die Physik nicht so stehen lassen, wie sie ist. Wir müssen uns immer fragen: Gibt es etwas, das wir noch nicht kennen?
Sie gehen sogar so weit, heißes Wasser in verschiedene Qualitäten zu unterteilen.
Klar gibt es da Unterschiede. Physikalisch ist Wärme zwar immer molekulare Bewegung. Aber feinstofflich ist es eine andere Qualität, ob ich Wasser mit Fernwärme, Holz oder Gas erhitze. Dies will man in der Wissenschaft nur noch nicht wahrhaben.
Machen Sie sich damit nicht lächerlich?
Wenn jemand meint, dass ich mich damit lächerlich mache, sehe ich das Problem bei demjenigen, der das glaubt.
Meinen Sie, dass der Erfolg von Sportwagenherstellern davon abhängt, über Grenzen hinweg zu denken?
Mein Urgroßvater hat den Radnabenmotor erfunden. Alle Komponenten waren vorhanden, aber nicht in dieser Kombination.
Fühlen Sie sich eigentlich verpflichtet, selber irgendeinen Meilenstein zu setzen? Durch die Leistungen Ihrer Vorfahren?
Von wem der nächste große Wegstein kommt, ist mir gleich. Ich weiß nur, dass er kommen muss. Und ich bin bemüht, mich derartiger Dinge anzunehmen.
Sie sprechen von der sozialen Verantwortung der Wirtschaft. Wie sehen Sie denn das Engagement unserer Industrie in China, wo Menschen mundtot gemacht werden, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzen?
Ein schwieriges Thema. Sagen wir so: Wenn wir einen Schritt auf der Welt machen, zerstört dieser eine Schritt immer etwas. Auf einer Wiese treten wir mit unseren Füßen Käfer oder Würmer tot. Aber diese Schritte geben uns auch die Möglichkeit, etwas Positives zu bewirken. Unsere Aufgabe könnte es also sein, sich um das Positive zu bemühen, sozusagen mehr Positives zu bewirken als Negatives. Das ganze System ist nicht nur schlecht, man muss aber noch an den richtigen Stellschrauben drehen, um es zu optimieren.
Ihr Buch heißt "Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen". Warum haben Sie es geschrieben? Für Memoiren sind Sie ziemlich jung.
Ich werde nächstes Jahr 40 und stehe in der Mitte meines Lebens. Deshalb habe ich mir vorgenommen nach Jahren des Aufbaus, Aufgaben abzugeben. Bei 150 Projekten schaffe ich es nicht mehr, alles persönlich zu begleiten. Das Buch ist ein Zeichen für diesen Umbruch in meinem Leben.
Sind Sie eigentlich dankbar für Ihren Namen?
Ja, weil ich aufgrund meines Namens und meiner Stellung im Leben unendlich viel lernen und mich entwickeln durfte. Das ist ein riesengroßes Geschenk.
Interview: Margret Hucko, Heimo Fischer