Für die Rolle des ewigen Playboys, der sich mit Operationen, Sonnenbädern und flamboyanter Garderobe dem Alter entgegenstemmt, wäre Dominique Desseigne die perfekte Besetzung. Und als habe es noch eines Beweises seiner ungebrochenen Virilität bedurft, bekennt sich der 68-jährige Chef und Mehrheitseigner des Luxuskonzerns Lucien Barrière jetzt auch zu einer Vaterschaftsklage. Die angebliche Klägerin ist nicht irgendwer: Desseigne soll der Mann sein, von dem Frankreichs damalige Justizministerin Rachida Dati 2009 ihre Tochter Zohra bekam.
Unbedingt wollte Dati seitdem den Namen des Kindsvaters geheim halten - "um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen", wie sie einmal sagte. Doch jetzt nimmt die Geschichte eine kuriose Wendung. Konzernboss Desseigne erkennt an, dass er Zohra anerkennen soll. Gegenüber dem Magazin "Le Point" erklärt er, Dati wolle ihn dazu gerichtlich zwingen. Die prominente Politikerin jedoch dementiert: "Das ist falsch", sagt sie. Sie will Desseigne also gar nicht verklagt haben. Eine eher ungewöhnliche Konstellation in einem Vaterschaftsstreit.
Schon als Zohra zur Welt kam, sorgte Dati für Rätselraten um den Erzeuger - und für aufgeregte Diskussionen um ihre Selbstinszenierung als Supermama. Vom Kaiserschnitt im Kreißsaal zurück ins Kabinett brauchte sie einst gerade fünf Tage. Dann schritt sie schon wieder strahlend auf High Heels über den Ehrenhof des Pariser Élysée-Palasts. Auch heute ist der Ehrgeiz der 46-jährigen Tochter eines marokkanisch-algerischen Einwandererpaares ungebrochen: Die Vertraute des Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy, die einst einen Hauch von Multikulti in die Regierung brachte, begnügt sich nicht mit den Jobs als Europaabgeordnete und Pariser Bezirksbürgermeisterin. Sie hat auch Ambitionen, 2014 Oberhaupt der französischen Kapitale zu werden.
Nun wundert sich ganz Paris, warum Dati noch immer die Identität des Vaters geheim halten will. Eine beliebte Spekulation: Womöglich ist sie sich nicht ganz sicher und hat gleich mehrere Männer vorladen lassen.
Dati reagiert wutentbrannt darauf, dass das Thema nach Desseignes Indiskretion wieder breitgetreten wird. Und verlangt einmal mehr den Respekt ihrer Privatsphäre: Die Klatschpresse sei "nur auf der Lauer nach unziemlichen Details", schimpft sie auf ihrer Facebook -Seite. "Als Frau und als Mama bitte ich um meiner Tochter Willen, für ihr Gleichgewicht, dass all das aufhört."
Das Rätselraten geht indes munter weiter. Pariser Medien tippten bisher eher auf andere Konzernbosse, auf Showstars, Rugbytrainer und Männer im unmittelbaren Umfeld Sarkozys. Selbst der spanische Ex-Premierminister José María Aznar sah sich schon genötigt, eine Affäre offiziell zu dementieren.
Desseigne allerdings, zu dessen Imperium 37 Spielkasinos, 15 Luxushotels und 130 Restaurants gehören, hatte kaum einer auf dem Zettel - obgleich bekannt war, dass Dati ihm mindestens nahestand. "Sie ist schön, intelligent, und meine Kinder lieben sie", sagte der Dandy einmal über Dati. Der Witwer bekennt zwar, ein notorischer Charmeur zu sein. Nicht aber, mit Dati ein Kind gezeugt zu haben.
Für die Ex-Ministerin könnte die ganze Affäre bald noch weiter reichende Folgen haben: Dem Portal Slateafrique.com zufolge soll ein marokkanischer Staatsanwalt beantragt haben, Dati bei ihrem nächsten Besuch im Land ihrer Vorfahren festzunehmen. Begründung: "Eine illegitime sexuelle Beziehung." Sprich: außerehelicher Geschlechtsverkehr.