Tiefgefrorene Erdbeeren haben wahrscheinlich den massenhaften Brechdurchfall in Ostdeutschland mit mehr als 11.000 Erkrankten ausgelöst. Diesen Verdacht gab am Freitag das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bekannt. "Wir sind bei den Ermittlungen einen großen Schritt vorangekommen", sagte ein Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung.
Aus Kreisen der Lebensmittelfahnder hieß es, die verdächtigen Erdbeeren stammten vermutlich aus China. Ein Großhändler habe sie tiefgekühlt an Großküchen der Firma Sodexo mit Sitz im hessischen Rüsselsheim und zwei weiteren Anbietern von Schul- und Kantinenessen geliefert. Das sei eine sehr heiße Spur.
Zu den Infektionen sei es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die diese Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzt hätten. Wenn gefrorene Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt würden, könnten nicht alle Keime sicher abgetötet werden. Noroviren gelten zum Beispiel als besonders kälteresistent und hitzebeständig.
Sie standen auch von Anfang an im Visier der Mikrobiologen. Die unterschiedliche Art des Auftauens könnte nach Angaben der Ermittler erklären, warum es in einigen Einrichtungen zum Brechdurchfall kam, in anderen aber nicht. Für die weiteren Ermittlungen ist die gesamte verdächtige Erdbeerware bereits gesperrt worden - oder sie wird gerade zurückgerufen.
Sodexo kündigte eine Entschädigung an, ohne Details zu nennen. "Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien und hoffen, dass es allen Kindern inzwischen wieder gut geht", teilte das Unternehmen mit. Der Caterer sprach von "einem höchst bedauerlichen Einzelfall" und kündigte Konsequenzen an. So sollten Lieferanten künftig "noch strikter" ausgewählt werden.
In Ostdeutschland sind nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Institut (RKI) bisher rund 11.200 Menschen an Brechdurchfall erkrankt, vorwiegend Kinder und Jugendliche. Bis auf Sachsen ist die Welle nach einem Höhepunkt zwischen dem 25. und 28. September aber wieder abgeebbt. Bei den meisten Patienten in Ostdeutschland verlief die Infektion unkompliziert. 32 Patienten kamen allerdings in ein Krankenhaus, die meisten in Brandenburg (19). Das RKI wertet den Ausbruch insgesamt als die bisher größte lebensmittelbedingte Krankheitswelle in Deutschland.
Aus Sachsen wurden seit Mittwoch 220 neue Brechdurchfall-Fälle gemeldet. Dort beginnen die Schulferien erst am 22. Oktober. In Berlin und Brandenburg sind bereits seit einer Woche Ferien.