Unser Kolumnist spießt Absurdes und Skurriles aus dem Alltag auf.
Die staatliche Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit" hat verkündet, dass dank ihrer Aufklärungsarbeit die Zahl der jugendlichen Trinker abgenommen hat. Ich aber führe diesen Rückgang darauf zurück, dass diese Kampagne den Jugendlichen noch nicht sehr aufgefallen ist. Mir hingegen schon.
Ich blieb am Berliner Hauptbahnhof an einen Aufklärungsstand stehen. Eine Dame reichte mir eine Rauschbrille, die 1,3 Promille simulieren sollte. Durch die Gläser sah die Welt absolut wunderlich und verdreht aus, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Mit dem Gedanken, ob ich möglicherweise noch nie richtig betrunken war, noch nie am "Limit", wendete ich mich dem "Alkohol-Rechner" zu. Man gibt Alter und Gewicht ein, dann errechnet das Gerät, um welche Tageszeit man wie viel Alkohol konsumieren muss, um betrunken zu sein.
Ich wollte wissen, wie viele Drinks ich am Abend nehmen muss, um auf 1,3 Promille zu kommen. Die Dame sagte, die meisten Drinks im Computer seien ziemlich soft, Wein sei effektiver. Ich folgte der Empfehlung, doch der Rechner ließ mich wissen, dass mit ein paar Gläsern Vino über den Abend verteilt kein Vollrausch hinzubekommen sei. Die Dame sagte, es sei, wirkungsvoller, wenn man große Mengen auf einmal einnähme. Das stimmt offenbar. Der Rechner gab an, dass ich eineinhalb Flaschen Rotwein auf einmal kippen möge - dann hätte ich 1,3 Promille.
Ich dankte und verabschiedete mich. Eineinhalb Flaschen auf Ex! Das ist viel verlangt. Das habe ich noch nie geschafft! Aber was versucht man nicht alles, um den richtigen Umgang mit Alkohol zu lernen.
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