James Dean und Kurt Cobain trugen ihn, die Beach Boys trugen ihn, Mick Jagger trug ihn sogar bei seiner Hochzeit. Der Converse Chuck Taylor All Stars ist das erfolgreichste Schuhmodell aller Zeiten. Seit seiner Erfindung 1917 wurden weltweit mehr als eine Milliarde Paar des Basketballstiefels verkauft. Auch Van Bo Le-Mentzel trägt gern Chucks, wie der Volksschuh genannt wird. In Rot. Aber Le-Mentzel kann sein Faible nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren.
Denn Converse gehört seit 2003 dem Sportartikelhersteller Nike , und dessen asiatischen Fabriken traut Le-Mentzel nicht. "Man hört so viel von dubiosen Produktionsweisen dort, immer wieder gab es Skandale von wegen Kinderarbeit und so - da habe ich einfach keinen Bock drauf", sagt der 34-jährige Architekt. Und deshalb beschloss er, sich selbst ein Paar Chucks machen zu lassen. Unter fairen Bedingungen, in Fabriken, die ihre Arbeiter gut behandeln und bezahlen.
Le-Mentzel hat Erfahrung mit selbst organisierten Konsumgütern. Er entwarf bereits eine Serie von einfach zu bauenden Designermöbeln und veröffentlichte die Bauanleitungen unter dem Titel "Hartz IV Möbel.com" - für ein paar Euro Materialkosten kann sich so jedermann eine Designerausstattung tischlern.
Nun ist ein Sportschuh etwas komplizierter als ein Hocker. Le-Mentzel suchte und fand eine vertrauenswürdige Firma in Sri Lanka, die Kautschuk für die Gummisohlen liefert, eine Weberei in Indien, die Biobaumwolle verarbeitet, und eine Fabrik in Pakistan, wo die Schuhe genäht werden. Die produziert aber erst ab einer Mindestanzahl von 500 Stück. Deshalb sucht Le-Metzel nun über die Crowdfunding-Site Startnext.de 499 weitere Chucks-Freunde, die auch ein Paar rote Stiefel haben wollen. "Prosumer" - eine Mischung aus "Producer" und "Consumer" - nennt er sich und seine künftigen Partner, "Crowduction" die Produktionsweise.
70 Euro kostet die verbindliche Bestellung. Das deckt nur die 20.000 Euro Produktionskosten, Gewinn macht er nicht, sagt Le-Mentzel: "Profit ist nicht das Maß aller Dinge, das Ganze ist kein Businessmodell - im Grunde will ich ja nur ein Paar Schuhe." Wichtig sei ihm der gesellschaftliche Nutzen: Wenn Verbraucher Produzenten werden, sagt er, fangen sie an, darüber nachzudenken, wo die Dinge ihres täglichen Lebens herkommen. "Das Problem ist ja nicht Nike oder sonst irgendein Hersteller, das Problem sind wir, die Konsumenten, die alles noch schneller und billiger haben wollen."
Karma Chakhs nennt Le-Mentzel sein Projekt - anständig produzierte Schuhe haben gutes Karma, findet er, und sicherheitshalber ersetzte er den Namen Chucks durch das aus dem Panjabi stammende "Chakhs", was so viel bedeute wie: "Erhebt euch!" Er hätte auch gern einen Schriftzug für die Sohle, etwas wie "Stoppt Ausbeutung!", den der Turnschuhträger bei jedem Schritt in den Matsch stempelt.
Trotz dieser Details sieht der Kölner Markenrechtsanwalt Ralf Höcker einen klaren Fall von Markenrechtsverletzung. Le-Mentzel beauftrage eine Firma, eine Marke massenhaft zu kopieren. Das genüge: "Obendrein macht er eine fremde Marke verächtlich. Auch das ist rechtswidrig."
"Die Anwälte von Nike sollen sich melden, ich bin gern bereit, in diese Diskussion einzusteigen", sagt Le-Mentzel. Außerdem findet er: "Die Chucks gehören ihren Fans." Und er sei überzeugt, dass ihr Erfinder, der Basketballstar Chuck Taylor, nie gewollt habe, dass ein Konzern mit sei