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Merken   Drucken   26.04.2012, 13:58 Schriftgröße: AAA

Covert Fashion: Das trägt der US-Waffennarr

In wenigen Dingen sind Amerikaner so kompromisslos wie beim Recht aufs öffentliche Waffentragen. Damit sie dabei auch modisch keine Abstriche machen müssen, kommt die Bekleidungsindustrie den Pistolennarren entgegen.
von Thorsten Schröder, New York

Lässig kommt sie daher, tief in der Hüfte sitzend und in zeitlosem Kaki. Elegant und stabil soll sie sein, die Chino-Hose, und dank hochwertiger Verarbeitung Komfort und Flexibilität bieten. Von außen unterscheidet sie wenig von herkömmlichen Beinkleidern. Doch in dem 65 Dollar teuren Modell des Herstellers Woolrich lässt sich wunderbar lässig die Waffe verstecken.

Sieben Millionen Amerikaner dürfen eine Handfeuerwaffe in der ...   Sieben Millionen Amerikaner dürfen eine Handfeuerwaffe in der Öffentlichkeit tragen

"Covert Fashion", heimliche Mode, heißt der neueste Trend im waffenverrückten Amerika. Woolrich preist seine Kollektion "Elite Concealed Carry Line" für den "modebewussten Waffenbesitzer" an. Hinter der Fronttasche versteckt sich ein Fach für Kleinkaliberpistolen, wer die Wildwestmanier bevorzugt, nutzt das elastische Hüftband. Auch andere Modehersteller haben die Zielgruppe entdeckt und bringen Produktlinien auf den Markt. "Wir wollten eine Kollektion entwerfen, die es unseren Kunden erlaubt, gleichzeitig stylisch und jung auszusehen, aber ebenso schnell ihre Waffe ziehen zu können", zitiert die "New York Times" den Vizechef der Firma 5.11, die bislang vor allem Uniformen für Polizei und Militär entwirft. Der Sportbekleidungshersteller Under Armour wiederum setzt auf schweißabsorbierende Materialien, die die Waffe vor Rost schützen sollen.

Die Nachfrage nach dem Waffenchic steigt rasant: Sieben Millionen Amerikaner haben inzwischen die Erlaubnis, eine Handfeuerwaffe in der Öffentlichkeit verdeckt zu tragen. Entsprechend hat sich im vergangenen Jahr der Umsatz mit der Waffenmode laut der Hersteller zum Teil verdoppelt. "Über meine alten Klamotten hat sich meine Freundin immer beschwert", schreibt ein begeisterter Träger aus Kentucky in seinem Blog. "Ich bin nicht unbedingt James Bond, aber diese Hosen sehen ziemlich gut aus." Selbst das Modeblog Fashionista berichtet zwischen Victoria Beckham und Beyoncé über die Woolrich-Chinos.

Der Hersteller hat seine Modelinie zur neuen Saison erweitert: Endlich können auch Frauen scharfe Geschosse haben. Zudem gibt es inzwischen T-Shirts, Hemden und Westen, die die Waffe elegant verschwinden lassen - mit praktischem Reißverschluss für den schnellen Zugriff. "Der Bad Guy auf der Straße bekommt Angst, wenn er nicht weiß, ob Sie in Ihren Kakis tatsächlich eine Waffe bei sich tragen oder nicht", wirbt Woolrich.

Zu finden sind die Kollektionen in ausgewählten Kaufhäusern. Und direkt auf den Versammlungen der Waffenlobby National Rifle Association.

  • Aus der FTD vom 26.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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