Japaner kommen einander nahe. Sehr nahe, vor allem im Berufsverkehr. Ihre Arme und Beine verkeilen sich in der U-Bahn ineinander, Nasen stecken in Körperregionen, die hygienisch nicht immer unbedenklich sind.
Ihr Glück, dass sie nicht allzu stark riechen - und alles dafür tun, dass das auch so bleibt. "Anfangs wollten wir sie an Pflegebedürftige und Krankenhäuser verkaufen", sagt Nami Yoshida über das neuste Wunderprodukt im Land der sanften Aromen - geruchsabsorbierende Unterwäsche. "Aber dann haben wir gemerkt, dass viele normale Leute sie gekauft haben, vor allem Geschäftsmänner, die täglich mit anderen Menschen zu tun haben."
Ihr Unternehmen Seiren verkauft eine ganze Kollektion von Kleidungsstücken, die Schweiß oder Darmwinde von den empfindlichen Nasen der Mitmenschen abhalten sollen. Als Geruchsblocker auch in Socken oder T-Shirts fungiert ein keramisches Material, dessen Poren die Gerüche festhalten. "Alte-Leute-Geruch" könnten die Produkte zu 89 Prozent deodorieren, behauptet der Hersteller. Indol, eine chemische Substanz in Darmgasen, gar zu 99 Prozent.
"Es hat uns Jahre gekostet, Deohosen zu entwickeln, die Komfort bieten und effektiv strenge Gerüche eliminieren", sagt Firmensprecherin Yoshida. Angestoßen hatte die Entwicklung ein Mediziner, der die Veränderung von Körperausdünstungen bei Kranken erforscht hatte. Mehrere Zehntausend Artikel aus der Geruchsblockerlinie hat Seiren bislang verkauft.
Das große Kundeninteresse ist typisch für Japan. Wo Westler Körpergeruch mit Parfümwolken überkompensieren, sind Japaner olfaktorisch sehr empfindlich. Ihr Geruchsempfinden hat sich aus religiösen Zeremonien entwickelt. Dem Duft von Räucherstäbchen wird noch heute reinigende Wirkung zugesprochen. Daher stamme die Vorliebe dafür, Räume und Kleidung indirekt zu beduften, berichtet die japanische Kosmetikfirma Kanebo, die mit Universitäten seit Jahren Duftforschung betreibt. So fand man heraus, dass für Japanerinnen der Geruch eines Shampoos der ausschlaggebende Kauffaktor ist. Statt Parfüm auf die Haut zu sprühen, sorgten sie lieber indirekt über den Duft ihres Haares für eine individuelle und unaufdringliche Note.
Egal ob in der größten Sommerhitze oder in dicht gedrängten Menschenmassen - Japaner kann man so meist gut riechen. Weil sie auf auffällige Duftnoten bei Deos, Parfüms oder Aftershaves nicht nur verzichten, sondern sie häufig rundweg ablehnen. Viele glauben gar: Japaner brauchen so was nicht. "Wir Japaner haben einfach kleinere Schweißdrüsen als Ihr Westler", behauptet ein japanischer Friseur, der lange in London gelebt hat und von seinem Mitbewohner darum beneidet worden war, dass er auch im Sommer ohne Deo auskam. Für alle schwitzenden Japaner gibt es neben Deos und Duftwäsche noch "Shower Sheets", feuchte Tüchlein zum Schweißabwischen, oder das obligatorische Handtuch, mit dem Salaryman im Sommer ihre Stirnen und Hälse trocken halten.
Ausländer dagegen stehen oft unter Gestanksvorbehalt. "Die meisten Japaner denken, dass der Körpergeruch von Ausländern stärker ist als ihrer und sie deshalb auf starke Düfte zurückgreifen", sagt eine Angestellte aus der Exportwirtschaft. Manche Einheimischen versuchen deshalb, die Stinker unbemerkt auszulüften. So berichtet ein deutscher Ex-Japanologiestudent, seine Gastfamilie habe ihm drei Monate lang kein Fleisch kredenzt. Schließlich erfuhr er: Sie hatte gehofft, dank anderer Ernährung würde er besser riechen.