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Merken   Drucken   05.12.2012, 16:36 Schriftgröße: AAA

Diese Woche neu im Kino: Von "Anna Karenina" bis zu "Ralph reichts"

In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem an: "Anna Karenina", "Müll im Garten Eden", "7 Psychos" und "Ralph reichts".
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk / Universal
In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem an: "Anna Karenina", "Müll im Garten Eden", "7 Psychos" und "Ralph reichts".

 

Die Schauspielerin Keira Knightley als Anna Karenina in einer Szene ...   Die Schauspielerin Keira Knightley als Anna Karenina in einer Szene des Kinofilms "Anna Karenina"

Die ganze Welt ist eine Bühne!" Drehbuchautor Tom Stoppard und Regisseur Joe Wright nehmen es wörtlich, verlegen die Schauplätze von Leo Tolstojs monumentalen Gefühlsepos in ein prunkvolles russisches Theater. Hier bleibt den Augen des Beobachters nichts verborgen. Vor - wie hinter - den Kulissen. Liebe in all ihren Facetten, nicht nur die fatale Passion von Anna Karenina wird zum Dreh- und Angelpunkt des opulent-surrealen Schauspiels. Die Grenze zwischen Innen und Außen verschwindet, ob Kinderzimmer oder Schlafgemach: Die Bühne verwandelt sich in eine Schneelandschaft, einen Ballsaal oder eine staubige Pferderennbahn.

Entstanden ist ein betörendes Wunderwerk der Kreativität - und ein ironisches Porträt des gesellschaftlichen Wandels. Die Akteure drehen sich im Walzertakt, erstarren in skurriler Pose, nur Anna nicht. Sie erblickt Kavallerieoffizier Wronskij und vergisst alles, ihren Sohn, den Ehemann, die Konventionen. Das Drama hat die Dynamik eines Musicals, die Kamera zieht Zuschauer wie Spieler in ihren Bann. Dem heuchlerischen Theater zu entrinnen gelingt allein Levin - dem moralischen Idealisten und Alter Ego Tolstojs.

Anna Grillet

Anna Karenina
GBR/FRA 2012
Länge 130 Min.
Regie: Joe Wright
Darsteller: Keira Knightley, Jude Law, Aaron Taylor-Johnson, Matthew Macfadyen
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten

Vergiftete Fische, verrottende Teeplantagen, stinkende Luft: "Was du gibst, kriegst du zurück" - die Botschaft mag schlicht sein. Der Film ist es nicht. Über sechs Jahre zogen sich die Dreharbeiten hin. Dabei war Fatih Akins Dokumentation über ein türkisches Bergdorf, das im Müll versinkt, selbst ein Abfallprodukt: gedacht als PR-Maßnahme während seines Filmprojekts "Auf der anderen Seite" in Camburnu. Damals wurde der Regisseur Zeuge der Umweltkatastrophe und beschloss, die Behörden zum Dialog zu bewegen.

Sein Kamerateam begann, die unsachgemäß gebaute Mülldeponie und ihre verheerenden Folgen zu filmen. Akins Porträt eines zerstörten Paradieses funktioniert nicht nur als politisches Statement. Über die drohende Umweltkatastrophe hinaus verweist es auf ein elementares Menschenrecht. Wie die Forderung, im Einklang mit der Natur leben zu dürfen, eine kleine Dorfgemeinschaft zusammenschweißt, ist sein vielleicht berührendster Gedanke.

Katrin Kothes

Müll im Garten Eden
Deutschland 2012
Länge 85 Min.
Regie: Fatih Akin
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten

Marty ist ein irischer Drehbuchschreiber in Hollywood, der vom großen Erfolg träumt. Davon ist er allerdings weit entfernt, denn bislang hat er nur einen Titel für sein Skript: "7 Psychos" - mit den Charakteren hapert es noch. Marty, gespielt von Colin Farrell, hat eine Schreibblockade. Er trinkt zu viel, die Freundin ist genervt. Doch plötzlich wimmelt es in seinem Leben von Psychopathen mit den durchgeknalltesten Storys: Das hat er den schrägen Ideen von Regisseur Martin McDonagh zu verdanken, der vier Jahre nach seiner tragikomischen Mördergeschichte "Brügge sehen ... und sterben?" nun eine blutig-groteske Mischung aus Splatterfilm und Buddy-Komödie liefert.

Doch McDonaghs Mix von witzigen Dialogen mit explodierenden Köpfen und frischen Blutspritzern ist bestenfalls eine gute Stunde lang originell. Dann aber nimmt die groteske Action der Psychopathen zu, und der Spaß lässt nach. Nichts für schwache Nerven!

Barbara Munker, dpa

7 Psychos
USA/GBR 2012
Länge 105 Min.
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Colin Farrell, Woody Harrelson
FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten

3-D-Animation mit Retro-Charme: Ralph, von Beruf gigantischer Bösewicht in einen alten Acht-Bit-Videospiel aus den 80ern, kommt ins Grübeln. In seiner Heimat Niceland ist nicht beliebt wer Häuser plattmacht, sondern wer alles flugs repariert wie sein Gegenspieler Fix-it Felix Jr. Nach 30 Jahren will der ewige Außenseiter endlich Anerkennung und Zuneigung. Die Anonymen Bösewichter sind keine Hilfe. Auf der Suche nach Bewährungsproben schmuggelt sich der tollpatschige Protagonist ins hochmoderne Ego-Shooter-Game "Hero's Duty" und ins "Sugar Rush", ein Autoraserspiel aus den 90ern - eine Welt aus poppig-bunten Süßigkeiten.

Regisseur Rich Moore ("Die Simpsons") inszeniert die abenteuerliche Odyssee als tragisch-komisches Roadmovie in der Tradition von "Toy Story". Der Reiz des Films: Jedes Videospiel ist ein Kosmos für sich, mit seinen eigenen Gesetzen, Gefahren, Helden - es hat die Technik seines Jahrzehnts: Und die Ästhetik spiegelt den Zeitgeist.

Anna Grillet

Ralph reichts
USA 2012
Länge 101 Min.
Regie: Rich Moore
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
  • Aus der FTD vom 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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