Langsam kriecht eine nackte Frau in den Schlund des Krokodils. So inszenierte schon Starfotograf Helmut Newton den Verlust vermeintlicher Unschuld. Regisseur Pierre Schoeller eröffnet damit sein elegant raffiniertes Politdrama um Verführung und Verrat, Macht und Menschlichkeit. Verkehrsminister Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) bereitet sein surrealer nächtlicher Traum ohne Zweifel große Lust. Noch ahnt er nicht, wer Raubtier oder Opfer ist. Doch Ideale und Überzeugungen müssen schon bald dem Parteigehorsam geopfert werden. Ein tragischer Verkehrsunfall verhilft dem Aufsteiger zum Erfolg.
Die Politik verlangt Zynismus - dieser Film nicht: Er ist subtiler, komplexer, oft auch absurder als George Clooneys Wahlkampf-Thriller "Die Iden des März". Es geht um Privatisierung, scheinheilige Reformen und die wachsende Kluft zwischen Bürger und Regierung. Freunde hat der Protagonist keine - nur einen Chauffeur, dem er vertrauen kann und einen Stabschef, der jeden Machtwechsel überlebt. Ohne zu moralisieren oder zu denunzieren, erzählt Pierre Schoeller mit bissiger Ironie von der Einsamkeit seines glücklosen Antihelden, der am Ende an sich selbst scheitert.
Anna Grillet
| Der Aufsteiger |
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| FRA/BEL 2011 |
| Länge 115 Min. |
| Regie: Pierre Schoeller |
| Darsteller: Olivier Gourmet, Michel Blanc, Zabou Breitmann |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Es hätte schlimmer kommen können. Im letzten Teil des Vampir-Epos nach den "Twilight"-Bestsellern bemüht Bill Condon nur noch einmal die lila Blümchenwiese, die als kitschigster Locus amoenus aller Zeiten Filmgeschichte schreiben dürfte. Dort war die keusche Polizistentochter Bella dem schönen Blutsauger Edward in unsterblicher Liebe verfallen. Insgesamt gelingt der Showdown von "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht 2" dramaturgisch straff und überraschend schmalzfrei.
Alle Kunsttränen wurden in den letzten Teilen vergossen, dafür hat Bella nun die Haare schön und darf sich als Vampirfrau aufführen wie die Wildsau im Unterholz. Erst wird gevögelt, was das Zeug hält, dann rollen jede Menge Köpfe. Beides, auch angesichts der Altersfreigabe (FSK 12!), natürlich für den guten Zweck: Es gilt, den Nachwuchs zu retten. Wer sich dann noch immer nicht gruselt, dem bleibt das Merchandising: Bubble Tea, Make-up oder Modeschmuck im "Twilight"-Look. Alles in lila.
Katrin Kothes
| Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht 2 |
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| USA 2012 |
| Länge 115 Min. |
| Regie: Bill Condon |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |
Mit ihrer erfrischenden Liebeskomödie, die bei den Filmfestspielen in Venedig Weltpremiere feierte, wendet sich die Oscar-gekrönte dänische Regisseurin Susanne Bier das erste Mal seit zehn Jahren wieder dem heiteren Fach zu. Freudestrahlend kehrt Friseurin Ida nach Abschluss ihrer Chemotherapie nach Hause zurück. Für ihren Ehemann ist das eine unangenehme Überraschung, denn er vergnügt sich gerade mit einer jüngeren Kollegin.
In "Love Is All You Need" verliert eine Frau ihre Gesundheit, ihre Haare und ihren Ehemann. Entschlossen packt sie ihren Koffer und begibt sich auf die Reise nach Italien zur Hochzeit ihrer Tochter. Bereits im Parkhaus stößt sie mit dem Vater ihres zukünftigen Schwiegersohns zusammen, der ebenfalls zu der Familienfeier fährt. Mit viel Witz und Gefühl erzählt die dänische Autorin und Regisseurin Susanne Bier in dieser warmherzigen Komödie, dass es in der Liebe nie zu spät ist, einen Neuanfang zu wagen.
Birgit Heidsiek, dpa
| Love Is All You Need |
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| DAN/SWE/ITA/FRA/GER 2012 |
| Länge 112 Min. |
| Regie: Susanne Bier |
| Darsteller: Pierce Brosnan |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |
In den USA ist Thanksgiving das wichtigste Familienfest – im Kino der perfekte Anlass, um eine Geschichte über Familie, Liebe, aber auch Gewalt zu erzählen. Die meist spannende Story von Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade. wird aus drei Perspektiven gezeigt. Getrennt sind die Geschwister Addison (Eric Bana) und Liza (Olivia Wilde) nach einem Überfall auf der Flucht. Dabei trifft Liza auf den Boxer Jay. Der wurde gerade aus der Haft entlassen und ist auf dem Weg zu seinen Eltern. Die unterschiedlichen familiären Hintergründe bündeln sich am Ende zu einem problemträchtigen Konflikt – und einer sehenswerten Auflösung. Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky beweist mit seinem Hollywood-Debüt ein gutes Auge für expressive Bilder. „Cold Blood“ ist Thriller und Drama zugleich. Spannung und Emotionen, die von den Darstellern authentisch in Szene gesetzt werden, sind organisch verbunden – sodass die Zuschauer bis zum Schluss mitfiebern.
Sebastian Lohse
| Cold Blood - Kein Ausweg. Keine Gnade. |
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| USA/CAN 2012 |
| Länge 95 Min. |
| Regie: Stefan Ruzowitzky |
| Darsteller: Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |