Kaum zu glauben, aber wahr: Regisseur Axel Ranisch brauchte nur 517,32 Euro, um diesen Spielfilm zu realisieren. Alle Beteiligten, darunter seine 91-jährige Großmutter, haben nämlich auf die Gage verzichtet. In der Rolle der an Demenz leidenden Edeltraut wird sie in der gefühlvollen, witzigen Geschichte zum Liebesboten für ihren Sohn Sven und ihren Betreuer Daniel. Die überaus agile Edeltraut bringt die beiden schwergewichtigen Männer mit allerlei Kapriolen dazu, ihr Leben grundsätzlich infrage zu stellen. Verblüffende Antworten bekommen die zwei in einer der schönsten Liebesgeschichten, die je im Kino erzählt wurden.
Dabei durcheilt das Publikum eine Tour de Force der Emotionen und lernt, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als sich die Schulweisheit erträumt. Sämtliche Akteure wirken authentisch und schenken den mit Liebe zum Detail gestalteten Charakteren eine ungeschminkt anmutende Wahrhaftigkeit. Mit der leichtfüßigen, aber nie seichten Story und einem geradezu lyrischen Erzählton knüpft der Film an eine längst verschüttete Kinotradition des hintergründigen Humors an. "Dicke Mädchen" hat schon jetzt Kultstatus!
Peter Claus, dpa
| Dicke Mädchen |
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| Deutschland 2012 |
| Länge 76 Min. |
| Regie: Axel Ranisch |
| Darsteller: Ruth Bickelhaupt, Heiko Pinkowski, Peter Trabner, Paul Pinkowski |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Zweiter Weltkrieg, irgendwo an der westlichen Grenze der UdSSR. Deutsche Truppen haben das Land besetzt, nur ein paar Partisanen leisten Widerstand. In dieser Situation beginnt die deutsche Koproduktion "Im Nebel": Ein paar Partisanen sind gefasst worden und werden gehängt. Einer von ihnen, Sushenya, wird jedoch freigelassen. Das wiederum bringt die Partisanen gegen den jungen Familienvater auf. Sie vermuten, dass Sushenya seine Mitkämpfer verraten hat und deswegen freigekommen ist.
Dafür muss er bestraft werden, finden sie. So verwischen bald die Grenzen zwischen Gut und Böse. Loznitsa zeichnet differenzierte Bilder der Kämpfer. Nicht jeder, der ein überzeugter Partisan und Held zu sein scheint, ist es wirklich. Und Sushenya ist mehr als der vermeintliche Verräter. Auf diese Weise entwickelt der in der Ukraine aufgewachsene Regisseur eine vielschichtige Geschichte um Moral, Menschlichkeit und Recht in einer Zeit, in der ganz eigene Regeln gelten.
Aliki Nassoufis, dpa
| Im Nebel |
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| GER/LAT/NED/RUS 2012 |
| Länge 127 Min. |
| Regie: Sergei Loznitsa |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Unverhofftes Wiedersehen mit Ulrich Mühe und seiner Frau Susanne Lothar: Der Psychothriller "Nemesis" ist die letzte Zusammenarbeit der beiden Ausnahmeschauspieler. Mit schonungsloser Offenheit spielen sie dicht und beklemmend ein Ehepaar, das nach dem Tod der Schwägerin in die tiefsten Abgründe menschlicher Beziehungen gerät. Das Spielfilmdebüt der in Rom lebenden deutschen Regisseurin Nicole Mosleh entstand schon 2006 - ein Jahr bevor Mühe mit 54 Jahren an Krebs starb. Die 42-Jährige siedelt das düstere Kammerspiel irgendwo an einem See in Italien an.
Die Hauptfiguren Robert und Claire wollen ihr schönes Architektenhaus dort aufgeben, nachdem Claires Schwester Nina bei ihnen ermordet wurde. Sie geraten in einen tödlichen Strudel aus Misstrauen, Angst und Abhängigkeit - gehen bis an die Grenzen des seelisch Erträglichen. Das Spiel der beiden Hauptdarsteller ist so rückhaltlos, dass sich die Grenzen zwischen Figur und Darsteller schnell verwischen.
Nada Weigelt, dpa
| Nemesis |
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| Deutschland 2010 |
| Länge 83 Min. |
| Regie: Nicole Mosleh |
| Darsteller: Ulrich Mühe, Susanne Lothar |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Auch im Hollywood des 21. Jahrhunderts sind Filme mit durchweg afroamerikanischen Darstellern in den Hauptrollen eine Seltenheit: "Red Tails" erzählt von der 332d Fighter Group - der ersten afroamerikanischen Lufteinheit der US-Streitkräfte. Italien, 1944: Anstatt sich mit Kampffliegern der Wehrmacht zu duellieren, sind die Männer der afroamerikanischen Fliegerstaffel dazu verdonnert, Angriffe auf Lastwagentransporte zu fliegen. Weder sind sie damit ausgelastet, noch entspricht diese Aufgabe ihrem Selbstverständnis.
Leider erinnert die holzschnittartige Zeichnung der Nazipiloten an Hollywood-Streifen der 50er-Jahre und bedient mehr Klischees, als tatsächlich die Gräuel des Zweiten Weltkriegs abzubilden. Den Unterhaltungswert freilich für ein weniger auf historische Akkuratesse bedachtes Publikum sollte dies nicht schmälern. Zumal Actionfans und Anhänger des Kriegsfilmgenres an den stets flott in Szene gesetzten Luftkämpfen ihre Freude haben dürften.
Matthias von Viereck, dpa
| Red Tails |
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| USA 2012 |
| Länge 125 Min. |
| Regie: Anthony Hemingway |
| Darsteller: David Oyelowo, Cuba Gooding jr. |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |