Dämon oder Heiler? Robert De Niro tritt in "Red Lights" als Mann mit unheimlichen Fähigkeiten auf. Der 68-jährige Hollywood-Star spielt den blinden Magier Simon Silver, der mit seinen rätselhaften Heilkräften die Massen betört und die Wissenschaft auf den Plan ruft. Als Jäger nicht zu erklärender parapsychologischer Phänomene schickt der spanische Regisseur Rodrigo Cortés ("Buried - Lebend begraben") zwei ungleiche Wissenschaftler in eine kalte, abweisende Welt - von Kameramann Xavi Giménez in gedeckten Farbtönen kongenial eingefangen. De Niro spielt den Löffelverbieger und Geistheiler mit genau der richtigen Dosis professioneller Abgeklärtheit. Stark ist Cortés' Mysterythriller immer dann, wenn er sich auf seine hervorragenden Darsteller konzentriert - in solchen Momenten verfolgt die Kamera die Figuren mit genau den richtigen Einstellungen, was viel Spannung und große Dynamik schafft. Längen entstehen dagegen, wenn die Diskurse über Übersinnliches allzu pathetisch daherkommen. Auch die Handlungsfäden sind oft zu lose verknüpft. Dennoch ist "Red Lights" ein echter, temporeicher Thriller - mit überraschendem Ende.
Willy Theobald
| Red Lights |
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| USA 2012 |
| Länge 119 Min. |
| Regie: Rodrigo Cortés |
| Darsteller: Robert De Niro, Sigourney Weaver, Cillian Murphy |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Conrad Rooks legendäre "Siddhartha"-Verfilmung entstand 1972 - kam aber erst 1997 in die deutschen Kinos und wurde seitdem nicht mehr gezeigt. Seine Motive fand Rooks in Orten, die vorher kein anderer US-Filmemacher gesehen hatte: Unter anderem auf Ländereien, in Tempeln und klosterartigen Gebäuden des Maharadschas von Bharatpur. "Siddhartha" basiert auf dem gleichnamigen, bis heute meistverkauften Werk des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse. Erzählt wird die Geschichte des Brahmanensohns Siddhartha, der sich begleitet von seinem Freund Govinda auf die Suche nach Erkenntnis macht. Der Film lebt von fantastischen Naturaufnahmen, von in wildes, glühendes Licht getauchten, wie gemalt wirkenden Bildern des oscargekrönten Kameramannes Sven Nykvist. Langsame Schnittfolgen und eine uneilige, pathetische Handlung laufen heutigen Sehgewohnheiten zuwider - vermitteln aber eine anrührende Ernsthaftigkeit, die auch dem Roman zugrunde liegt.
Anika von Greve-Dierfeld, dpa
| Siddhartha |
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| USA/IND 1972 |
| Länge 89 Min. |
| Regie: Conrad Rooks |
| Darsteller: Shashi Kapoor, Simi Garewal |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Der seit Jahren andauernde Hype ums Kochen ist - neben den zahllosen Fernsehshows und Rezeptbüchern - auch auf der Leinwand ungebrochen. Ein in jeder Hinsicht delikates Beispiel dafür legt TV-Dokumentarfilmer Paul Lacoste in seinem ersten Kinofilm vor: In "Entre Les Bras - 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche" zeichnet er ein sehr stilles, aber eindringliches Porträt des weltberühmten Drei-Sterne-Kochs Michel Bras, der den Löffel in seinem französischen Restaurant Bras an seinen Sohn Sébastien übergibt. Nicht nur die Begleitung der beiden Meister am Herd durch den Wechsel der Jahreszeiten erinnert hier an subtile asiatische Ästhetiktraditionen: Auch der Minimalismus der Bilder und die teilweise extreme Langsamkeit verleihen der Dokumentation einen entsprechenden Kunstcharakter. Zugleich ist Lacostes Produktion eine Hommage an die herbe Hügellandschaft des Aubrac, aus der die meisten Zutaten der genialen Kreativköche entstammen.
Anika von Greve-Dierfeld, dpa
| Entre Les Bras... |
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| Frankreich 2011 |
| Länge 90 Min. |
| Regie: Paul Lacoste |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Lautes Gelächter, Kindergeschrei und Spanferkelgeruch: Wenn sich in Frankreich eine Großfamilie zu einer Geburtstagsfeier trifft, wird viel getrunken, gegessen, getanzt und auch gestritten. So geht es an diesem Wochenende in der Bretagne zu wie in einem Irrenhaus. Während die Enkel den Sex entdecken, brechen die Erwachsenen immer mehr in Panik aus, denn genau in diesen Tagen soll über der Bretagne die US-Raumstation Skylab abstürzen. Der Geburtstag der Großmutter dient Regisseurin Julie Delpy als Vorwand, die unterschiedlichsten Charaktere, Meinungen und Empfindlichkeiten aufeinanderprallen zu lassen. Eine zentrale Handlung gibt es nicht. Die Schauspielerin erzählt stattdessen die Geschichte jeder einzelnen Figur, wenn auch nur kurz. Nur bei der zehnjährigen Albertine macht sie eine Ausnahme. Die Handlung vor mehr als 30 Jahren spielen zu lassen ist ein geschickter Schachzug. Damals hatte man zwar noch keine Handys - dafür aber jede Menge Zeit.
Sabine Glaubitz, dpa
| Familientreffen mit Hindernissen |
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| Frankreich 2011 |
| Länge 113 Min. |
| Regie: Julie Delpy |
| Darsteller:Emmanuelle Riva, Noémie Lvovsky |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |