Regisseur Roman Polanski erinnert sich: Paris, seine Geburtsstadt, die Flucht als Zehnjähriger aus dem Krakauer Ghetto. Die Mutter stirbt im KZ, der Vater überlebt das Lager. In seinem Film "Der Pianist" verarbeitet der Künstler die Erlebnisse jener Jahre. Fiktion und Realität überschneiden sich bei ihm immer wieder. Tragödien und Triumphe. Es geht um Schuld, Sühne, sich und anderen zu verzeihen: Der Mord an seiner schwangeren Frau Sharon 1969 durch die Manson-Clique, die Verhaftung 1977 in den USA wegen sexuellem Missbrauchs. Polanski weiß um seine Fehler, beschönigt nichts. Für ihn zählen die Hollywood-Erfolge weniger als die Harmonie, die er jetzt in seiner Familie gefunden hat. Das Gespräch mit Produzent Andrew Braunsberg wurde aufgezeichnet während Polanskis neunmonatigem Hausarrest 2009 in seinem Schweizer Chalet. Der Zuschauer spürt die Vertrautheit, Ehrlichkeit zwischen den beiden langjährigen Freunden. Ein ergreifendes wie fesselndes Porträt über die außergewöhnliche Karriere des Regisseurs von "Chinatown" und "Rosemary's Baby" mit Filmausschnitten, Making-ofs, Fotos, zahlreichen Zeitdokumenten.
Anna Grillet
| Roman Polanski: A Film Memoir |
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| GBR/ITA/GER 2011 |
| Länge 90 Min. |
| Regie: Laurent Bouzereau |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Ein Junge rettet die Welt. Diese Geschichte ist schon oft erzählt worden. Aber kein Held wirkte wohl je so einsam wie Norman, der elfjährige Geisterseher aus dem 3-D-Animationsabenteuer "Paranorman". Nach etwa zwei Jahren Produktionszeit erwecken die Macher der Oscar-nominierten Gruselkomödie "Coraline" eine neue Schauerwelt zum Leben. Norman muss seine schräge Heimatstadt vor einem Hexenfluch retten, der Zombies aus ihren Gräbern ruft. Auf der Leinwand verschwimmen für die Zuschauer die Grenzen zwischen echtem und animiertem Bild. Zehn Jahre lang hat Co-Regisseur Butler am Drehbuch gearbeitet. Herausgekommen ist ein modernes Märchen, das den Zuschauer die Einsamkeit und Faszination des Kindseins wiedererleben lässt. Und doch ist "Paranorman" mit den vielen Toten und den abgetrennten Körperteilen kein Trickfilm für Kinder. Auch der trockene Humor und die Ironie ist nichts für Knirpse - dafür aber was für Ältere.
Julia Kilian, dpa
| Paranorman |
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| USA 2012 |
| Länge 92 Min. |
| Regie: Sam Fell, Chris Butler |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Auch um philosophische Fragen kreist die sehenswerte Neuauflage des Science-Fiction-Klassikers "Total Recall" von 1990 - in erster Linie aber legt Regisseur Len Wiseman einen knalligen, kurzweiligen Actionfilm vor. Colin Farrell spielt den Arbeiter Douglas Quaid, der Ende des 21. Jahrhunderts in einer regenverhangenen Kolonie ein tristes Malocherdasein führt. Oft wird er von Alpträumen gequält. Als Quaid sich bei der Firma Rekall neue, perfekte Erinnerungen implantieren lassen will, geht einiges schief. "Total Recall" entwirft das düstere Szenario einer weitgehend von chemischen Waffen zerstörten Welt, in der eine hochtechnisierte Herrscherkaste ihre Widersacher bis in die mentalen Bereiche hinein kontrolliert und ausbeutet. Philip K. Dicks visionäre Kurzgeschichte, die in den 1960er-Jahren entstanden ist, übersteht mühelos ein filmisches Update, das auf ein Publikum zielt, das eher an Computerspielen als an philosophischen Fragen interessiert ist.
Johannes von der Gathen, dpa
| Total Recall |
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| USA 2012 |
| Länge 118 Min. |
| Regie: Len Wiseman |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Der Schweizer Regisseur Christoph Schaub hat mit "Nachtlärm" erneut ein Drehbuch seines Landsmannes Martin Suter verfilmt. Die an Überraschungen reiche Geschichte zwischen Thriller, Komödie und Tragödie veredelt er zu einem bizarren Roadmovie. Auslöser ist ein Baby! Das kann nachts nur durch lange Autofahrten zur Ruhe gebracht werden. Bei einer dieser Touren durchs Dunkel passiert Unglaubliches: Der Wagen wird geklaut und damit das Baby entführt. Die Eltern hasten dem Gaunerpaar hinterher. Sie erleben nicht nur eine rasante Autofahrt, sondern vor allem eine Tour de Force durch alle nur denkbaren Gefühlslagen. Das Star-Duo Alexandra Maria Lara und Sebastian Blomberg sowie ihre Kollegin Carol Schuler als unfreiwillige Kidnapperin geben dem Film emotionale Tiefe und sorgen damit entscheidend für Spannung. Sie sind es auch, die über einige Stolperstellen der Erzählung und etwas hölzerne Dialoge hinwegsehen beziehungsweise hinweghören lassen.
Peter Claus, dpa
| Nachtlärm |
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| SUI/GER 2012 |
| Länge 94 Min. |
| Regie: Christoph Schaub |
| Darsteller:Alexandra Maria Lara |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |