Gitte (eindrucksvoll: Corinna Harfouch) eröffnet ihrem Mann und den beiden Söhnen, dass sie ihre Psychopharmaka absetzt. In diesem Moment zerbricht die Familie. Jahrzehntelang hatte die Krankheit alle zu einem scheinbar harmonischen Miteinander gezwungen: zu Lügen, Heimlichkeiten, Selbstverleugnung. Nach dem internationalen Politthriller "Sturm" entschieden sich Regisseur Hans-Christian Schmid und Drehbuchautor Bernd Lange für ein eher privates Drama. Gittes Anspruch auf Freiheit und Selbstständigkeit stößt auf harsche Ablehnung, allein Sohn Marko (Lars Eidinger), Nachwuchsschriftsteller aus Berlin, respektiert ihren Entschluss. Doch plötzlich ist die Mutter verschwunden. Das suggestiv eindringliche Kammerspiel hat Schmid meisterhaft subtil in Szene gesetzt. Es erinnert an Thomas Vinterbergs "Das Fest", nur weniger radikal, aber nicht weniger intensiv, von oft absurder Tragik. Auch hier im rheinischen Bungalow regiert ein Patriarch, ein linksliberaler zwar, den man nicht Vater, sondern Günter nennt. Verleger, kultiviert, erfolgreich, mit langjähriger Geliebter, und jetzt orientierungslos. Gitte kehrt noch einmal zurück - doch nur im Traum.
Anna Grillet
| Was bleibt |
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| Deutschland 2012 |
| Länge 85 Min. |
| Regie: Hans-Christian Schmid |
| Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler |
| FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten |
Horrorfilme verlaufen gerne nach einem ähnlichen Muster: Ein paar Jugendliche fahren in den Wald in eine einsame Hütte, um dort einige Tage Spaß zu haben. Doch dann werden sie hingemetzelt, einer nach dem anderen. "The Cabin in the Woods" scheint zunächst in genau dieses Schema zu passen - und stellt doch alles auf den Kopf. Denn Drew Goddard, bislang vor allem als Autor von Serien wie "Lost" bekannt, kreiert in seinem Regiedebüt eine intelligente, mehrschichtige Grusel-Satire zum Lachen und Fürchten. Er bringt sogar noch eine Metaebene ins Spiel, durch die der Blick auf das Gruselige aus der Distanz möglich wird. Zusätzlich ergibt sich ein fast philosophischer Kontext um die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens - und hebt den Film klar von anderen Horrorfilmen ab. Verkopft ist er aber trotzdem nicht. Goddards Werk ist eine einfallsreiche und kurzweilige Spielerei, wie sie im Horrorgenre nur selten zu sehen war.
Aliki Nassoufis, dpa
| The Cabin in the Woods |
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| USA 2010 |
| Länge 95 Min. |
| Regie: Drew Goddard |
| Darsteller: Chris Hemsworth, Richard Jenkins, Kristen Connolly |
| FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten |
Nachbarn passen als Hobbysheriffs auf ihr Viertel auf: Das hat in Amerika Tradition. Was passiert, wenn so eine Aktion aus dem Ruder läuft und Aliens ins Spiel kommen? Die Besetzung ist mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill und dem Briten Richard Ayoade erste Liga und garantiert einen echten Jungsfilm. Dafür muss man allerdings über Riesenkondome und andere Gags südlich der Gürtellinie lachen können. Stiller ist grandios. Er spielt den Supermarktchef Evan, einen engagierten Bürger in der amerikanischen Kleinstadt Glenview. Weil ein Angestellter nachts ermordet wird, ruft Evan eine Patrouille ins Leben, die den Täter schnappen soll. Als die Gruppe im Wald eine Art Riesen-Billardkugel findet, wird es überirdisch. Der Feind: Aliens. "E.T." und das 80er-Jahre-Kino lassen grüßen. Wer aber über die Haltung des Films zu Selbstjustiz (braucht man, Polizisten sind Trottel) nachdenkt, kommt sofort ins Grübeln. Ein eher zwiespältiges Vergnügen.
Caroline Bock, dpa
| The Watch - Nachbarn der 3. Art |
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| USA 2012 |
| Länge 102 Min. |
| Regie: Akiva Schaffer |
| Darsteller: Ben Stiller, Jonah Hill, Vince Vaughn |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |
Als Best Ager wollen weder Mary (unwiderstehlich Isabella Rosellini, 60) noch Adam (William Hurt, 62) gelten. Seit dreißig Jahren glücklich verheiratet, wird das Alter zur gefährlichen Stolperfalle für ihre Beziehung. Was tun? Resignieren oder Verleugnen? Mit unerklärlichem Fanatismus verwandelt Mary den gemeinsamen Haushalt in ein seniorengerechtes Heim, als wären sie beide nicht 60 sondern 80. Adam, ein renommierter Londoner Architekt, verliert die Geduld mit ihr und flüchtet sich in eine Affäre mit seiner jungen Kollegin Maja. Auch Mary hat bald einen jugendlichen Verehrer. Die Kinder sind entsetzt. Regisseurin Julie Gavras inszeniert die skurrile Ehekrise als smart gestylte romantische Komödie, die in Klischees schwelgt statt sie zu entlarven. Soviel Mittelmäßigkeit haben Akteure und die Generation 60plus nicht verdient. Vereinzelt rührende Momente und ironische Pointen. Unvermeidbar: das Happy End.
Anna Grillet
| Late Bloomers |
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| Frankreich/Großbritannien/Belgien 2010 |
| Länge 90 Min. |
| Regie: Julie Gavras |
| Darsteller: Isabella Rossellini |
| FTD-Bewertung: 3 von 5 Punkten |