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Merken   Drucken   12.09.2012, 19:51 Schriftgröße: AAA

Für Kinofans: Die Neustarts der Woche

In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem an: "Das Bourne Vermächtnis", "The Deep Blue Sea", "Wir wollten aufs Meer" und "Vatertage".
© Bild: 2012 DPA/WildBunch
In den Kinos laufen in dieser Woche unter anderem an: "Das Bourne Vermächtnis", "The Deep Blue Sea", "Wir wollten aufs Meer" und "Vatertage".

 

Jeremy Renner als Aaron Cross und Rachel Weisz als Stephanie Snyder ...   Jeremy Renner als Aaron Cross und Rachel Weisz als Stephanie Snyder in dem Action-Thriller "Das Bourne Vermächtnis"

Jeremy Renner ist ein eindringlicher Darsteller von meist hoher Präsenz. Ob als Bombenräumer in "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" oder als Bankräuber in "The Town - Stadt ohne Gnade". Nun tritt der US-Star in die Fußstapfen von Matt Damon alias Jason Bourne. Damon spielte ab 2002 in der "Bourne"-Reihe einen unter Amnesie leidenden Auftragskiller der CIA. Renner gibt jetzt im vierten, von Tony Gilroy inszenierten Teil den neuen Protagonisten. Anfangs erleben wir den neuen Helden in der Wildnis, bärtig und ganz Naturbursche: Dem Klima Alaskas trotzt Aaron Cross mit ebensolcher Souveränität, wie er sich mit Wölfen herumschlägt. Doch schon bekommt er es mit seinen Vorgesetzten zu tun: Als Mitglied eines verdeckten CIA-Programms soll Cross genauso eliminiert werden wie andere Agenten weltweit. Renner ist tougher und maskuliner als sein Vorgänger Damon. Der hingegen wirkte charmanter und menschlicher - vor allem im ersten Teil der "Bourne"-Reihe von 2002. An das sympathische Spiel von Matt Damon und Franka Potente im Erstling vor zehn Jahren reichen Renner und die Hauptdarstellerin Rachel Weisz jedoch nicht heran.

Matthias von Viereck, dpa

Das Bourne Vermächtnis
USA 2012
Länge 135 Min.
Regie: Tony Gilroy
Darsteller:Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, David Strathairn, Albert Finney, Stacy Keach
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Regisseur Terence Davies bringt Terence Rattigans Bühnenstück "The Deep Blue Sea" neu auf die Leinwand. Stars wie Rachel Weisz, Tom Hiddleston und Simon Russell Beale verkörpern den Konflikt zwischen ehelicher Treue und sexueller Leidenschaft. Zwischen beiden Polen hin- und hergerissen ist im London der 50er-Jahre Lady Hester Collyer. Die 40-Jährige bricht die komfortable Ehe mit ihrem älteren, konventionellen Juristen-Ehemann, weil der junge Hallodri und Weltkriegsflieger Freddie ungeahnte sexuelle Leidenschaft in ihr weckt. Davies schuf ein melodramatisches Kammerspiel im Stil der Nachkriegszeit - ohne damit altbacken zu wirken. Eine geschlagene Viertelstunde lang fällt kein Wort, elegische Musik harmoniert mit der Dunkelheit der Szene. Während Hester auf dem Sofa liegt und an ihrer Zigarette zieht, verfangen sich ihre Erinnerungen im Rauch. Britisch-diskret meistern die Darsteller ihre Parts. Bis zum Schluss zu bewundern: Florian Hoffmeisters intime Kameraführung.

Ulrike Cordes, dpa

The Deep Blue Sea
Großbritannien 2011
Länge 98 Min.
Regie: Terence Davies
Darsteller: Rachel Weisz, Tom Hiddleston
FTD-Bewertung: 5 von 5 Punkten
Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling und August Diehl am Rostocker ...   Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling und August Diehl am Rostocker Hafen in dem Drama "Wir wollten aufs Meer"

Freundschaft in Zeiten der Stasi - nicht immer leicht. Wem kann man vertrauen, wer ist ehrlich oder wer würde einen schlimmstenfalls verraten? Um dieses Wechselspiel zwischen Vertrauen und Misstrauen geht es in diesem Film um drei junge Männer, die zu DDR-Zeiten als Matrosen der Handelsmarine anheuern wollen. Ihr Ziel: die ferne Welt. Doch aus ihren Plänen wird nichts, im Gegenteil: Die Stasi taucht auf und will zwei der Freunde als Spitzel gewinnen. Sie sollen den Dritten im Bunde aushorchen. Fortan ändert sich das Leben der drei radikal. Toke Constantin Hebbeln hat nach seinem Oscar-gekrönten Studentenkurzfilm "Nimmermeer" das bedrückende und bewegende Stasi-Drama über die Situation von politischen Gefangenen inszeniert. Ohne falsches Pathos zeigt er darin, wie das Misstrauen immer weiter um sich greift, bis in intimste Beziehungen. Die Musik ist bisweilen etwas zu bombastisch - doch viele Szenen rühren an.

Caroline Bock, dpa

Wir wollten aufs Meer
Deutschland 2012
Länge 116 Min.
Regie: Toke Constantin Hebbeln
Darsteller: Alexander Fehling, August Diehl
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Diese Münchner Komödie verweigert sich genau wie ihr sympathischer Antiheld unaufgeregt dem Zeitgeist: Basti (Sebastian Bezzel), rikschafahrender Fremdenführer, Freigeist, Hallodri und Tubaspieler, wird von seiner bislang unbekannten 17-jährigen Tochter Dina (Sarah Horvath) heimgesucht - die gleich noch ein Baby und damit auch den Enkel mitbringt. Das Mädel will Geld, Ausgleich für nie gezahlten Unterhalt. Geld, das Basti nicht zusammenstrampeln kann und weder seine alleinerziehende Schwester noch sein mit einem jungen Griechen verheirateter Vater übrig haben. Mancher hat sich von den Produzenten Jakob Claussen und Uli Putz mehr erwartet, verantwortlich für mal mehr, mal weniger tiefsinnige Erfolge wie "Maria, ihm schmeckt's nicht", "Crazy", "Jenseits der Stille" und "Nach Fünf im Urwald". Unter dem Klamauk ist aber ein liebenswert revolutionäres Familienmodell versteckt - weitab vom verpatchworkten und neokonservativen Gesellschaftsentwurf der Gegenwart.

Elke von Berkholz

Vatertage
Deutschland 2012
Länge 93 Min.
Regie: Ingo Rasper
Darsteller: Sebastian Bezzel, Sara Horvath
FTD-Bewertung: 4 von 5 Punkten
  • Aus der FTD vom 13.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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