Patrick Flanagan ist ein guter Amerikaner: Er mag Hollywood-Filme und hat 19 Waffen. Wann immer er Zeit hat, fährt der arbeitslose Betonarbeiter mit dem Auto raus aufs Land und schießt auf ein paar Zielscheiben oder Dosen. Dort, wo er wohnt, in Alton, am Westufer des Mississippi, muss er dafür nicht weit fahren: Der Ort ist schon mal zur gespenstischsten Stadt der USA gekürt worden. Auch im Fernsehen steht Flanagan eher auf Gruselkabinett: "Die Nacht der lebenden Toten", ein Schwarz-Weiß-Zombie-Klassiker aus den 60ern, kennt Flanagan seit er ein Kind war. "Seitdem bin ich auf dem Zombie-Zeugs hängen geblieben", sagt er. Und endlich hat die US-Waffenindustrie seinen größten Wunsch erfüllt.
Denn für Knarren-Narren wie Flanagan gibt es jetzt gute Neuigkeiten: Sie können den Spaß an Schießübungen seit Neuestem mit ihrer Begeisterung für untote Fleischhaufen verbinden. Derzeit boomt der amerikanische Markt für allerlei Waffenzubehör im Zombie-Look. Egal ob Zielscheiben, Patronen, Jackenaufnäher oder Schusswaffen: Die Amis kaufen - Hauptsache ein Zombie ist drauf.
"Es ist die Kombination von Hollywood-Streifen und den Vorhersagen des diesjährigen Weltuntergangs, der die Leute regelrecht in einen Kaufrausch versetzt", sagt Brad Ross von Law Enforcement Targets, einem der größten Schießscheibenhersteller der USA. Zwar bietet seine Firma schon seit gut drei Jahren Zombie-Pappaufsteller zum Schusstraining an. Durch die Apokalypsewarnungen rechnet Ross aber in diesem Jahr mit einem Verkaufszuwachs von 30 Prozent. "Wir sollten die Eine-Million-Marke dieses Jahr knacken", sagt er.
Die untoten Aushängeschilder des Unternehmens sind Becky, eine Brautjungfer, die wohl niemals mehr unter die Haube kommen wird, und Zombiladin, ein bärtiger Mann mit fünfschichtigem Turban, der dem getöteten Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden verdächtig ähnlich sieht.
Auch Waffenzubehörverkäufer Addison Sovine glaubt, dass die Weltuntergangsprophezeiungen den momentanen Boom angeheizt haben. "Es ist absolut verblüffend." Für echte Zombie-Fanatiker hat Sovine kleine Kunstblutkapseln in sein Sortiment aufgenommen: Mit jedem Treffer spritzt so kräftig das Blut - auch wenn Untote genau genommen nicht mehr allzu viel Lebenssaft besitzen dürften.
Die gesamte Waffenindustrie profitiert momentan von der Endzeitpanik der Amerikaner: Der Munitionshersteller Hornady hat vergangenen Herbst "zertifizierte Zombie-Kugeln" mit grün gefärbter Spitze und der Verpackungsaufschrift "Für alle Fälle" auf den Markt gebracht - eine der erfolgreichsten Neuauflagen der letzten Jahre, so das Unternehmen. Auch unter den zehn beliebtesten Waffenlackierungen der Firma Duracoat Firearm Finishes rangiert ein geflecktes Zombiemuster. Und bei Sturm, Ruger & Co. nimmt man bis Ende Mai keine Order mehr entgegen, weil der Waffenbauer nach mehr als einer Million Vorbestellungen im ersten Quartal nicht mehr mit der Produktion hinterherkommt.
Waffenfreak Patrick Flanagan hat sich zur Vorbereitung auf die Apokalypse mit 40 Zombie-Zielen in Lebensgröße eingedeckt. Das reicht erstmal für die kommenden Monate, und wenn die Scheiben dann zerschossen sein sollten, steht vielleicht ja auch schon das Ende der Welt vor der Tür - ganz sicher aber das des Zombie-Booms. "Wenn wir über den Dezember hinaus sind und wir dann nicht alle tot sein sollten, werden auch die Verkaufszahlen für Zombie-Ziele wieder auf das alte Niveau zurückfallen", sagt Sovine. Schade eigentlich.
Mit Reuters