Der bewusste Konsument hinterfragt seine Nahrungsmittel stets sorgenvoll. Hatte dies Schwein ein schönes Leben, wie viel Sonne und Regen hat dieser Kopfsalat wohl gesehen?
Erfreuliche Nachrichten gibt es über den täglichen Latte macchiato: Auch Milchkühe, die nicht frei durchs Gras tollen dürfen, genießen in ihren Ställen immer größeren Komfort, Kuhkomfort eben, der Versuch, drinnen weideähnliche Bedingungen herzustellen. "Denn nur Kühe, die sich wohlfühlen, geben hohe Milchleistungen", schreibt das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium.
So dürfen Milchtiere sich über breite Laufwege freuen, die sie für einen Besuch in einer Kuhwaschanlage unterbrechen können. Raffinierte Stallbelüftung sorgt für frischen Duft und weiche, gummierte Liegeflächen laden zum Verweilen ein. Auch kann sich die Kuh durchschrubben lassen, mancherorts wird sie dabei mit Beatles-Musik beschallt.
In der Heimat wahrer Milchfabriken, den USA, ist das Pampern der Tiere schon länger ein Thema. An der Westküste aber zeichnet sich derzeit ein sehr spezieller Kaufrausch ab: für Kuhwasserbetten. Mehrere Farmen in Oregon haben sie seit Monatsbeginn angeschafft, ein einzelner Landwirt investierte 100.000 Dollar in 300 der bequemen Matratzen. In Kalifornien breiten sie sich ebenfalls aus.
Der Niederländer Henk van Dijken will die weiche Kuhbettung auch hierzulande zum Status quo machen. Seit 2007 stellt sein Unternehmen B.U.C. Deutschland (Best Udder Condition, bester Euterzustand) Wasserbetten für Milchbetriebe her und vertreibt sie in Deutschland, den Niederlanden und Belgien. "Dank der Spezialwasserbetten mit zwei Kammern wird die Durchblutung verbessert, die Kühe haben keine geschwollenen Gelenke mehr", sagt der Geschäftsmann. Auch sollen die Gummibetten vor bakteriellen Erkrankungen der Euter schützen. Flüssigkeiten fließen von der gewölbten Matratze direkt ab, dabei ist sie stets wohltemperiert: Im Winter speichert sie die Körperwärme der Kuh, im Sommer kühlt der Beton von unten. Das Wohlfühlpaket kostet den Bauern 166 Euro pro Tier.
"Wir haben schon über 35.000 Betten verkauft", sagt van Dijken, die meisten davon in Holland. DCC Waterbeds, ein US-Hersteller, der seit zehn Jahren am Markt ist, berichtet von "mehreren Hunderttausend Betten, die in zwölf Ländern stehen". Van Dijkens größter deutscher Kunde ist ein Bauer nahe Berlin: 751 Betten hat er gekauft, insgesamt sind es landesweit knapp 2700 - gemessen an der Gesamtzahl von 4,19 Millionen Milchkühen überschaubar.
Dabei ist Kuhkomfort kein Thema, dass vornehmlich vermögende Wagyu-Rinderzüchter anspricht, die ihre Tiere ohnehin schon mit Massagen und Reiswein verwöhnen. Gerade den gewöhnlichen Milchbauer beschäftige die Wellnessfrage, sagt Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. "Kuhkomfort spielt eine immer größere Rolle. Wenn die Kuh sich wohlfühlt, gibt sie tatsächlich mehr Milch." Wie viel genau, darüber gibt es keine verlässlichen Angaben.
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Wasserbetten allerdings sieht der Praktiker skeptisch: "Das ist ja allein schon eine Preisfrage." Zudem könne man noch nicht viel über die Lebensdauer solcher Betten sagen. Foldenauer kennt nur wenige Betriebe, die sich für Wasserbetten entschieden haben. Seine eigenen Kühe stehen immer noch in eingestreuten Tiefboxen, durch Metallstäbe abgetrennten Kuhparklücken, die regelmäßig mit frischem Stroh aufgepolstert werden. "Es ist schließlich nichts Falsches dran, sich manchmal auf das Traditionelle zu besinnen." Einen Vorteil spricht er der weichen Ware allerdings zu: "Gummimatratzen erfordern weniger Pflege als Strohboxen."
Ein wenig ist auch Foldenauer dem Wohlfühlzeitgeist verfallen: Er hat die Fenster vergrößert und sie mit verdunkelnden Vorhängen ausgestattet. Neben Stalllüftern investierte er zudem in eine Kuhdusche. "Vor 25 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich mal zu solchen Maßnahmen greife."