Man kann nicht sagen, dass die Kunst von Nathan Shields schwer verdaulich wäre. Klar, manche seiner Werke haben einen gewissen Abstraktionsgrad - trotzdem bleibt das Rezept seiner Arbeiten immer gleich: Backmischung aus dem Supermarkt, Sojamilch, dazu etwas Öl und eine heiße Pfanne. Fertig ist die "Pancake Art", mit der Shields gerade weltweit für Entzückung sorgt.
Der 32-Jährige zaubert mit Pfannkuchenteig Figuren, die viele nicht einmal mit Stift und Papier zeichnen könnten. Meereskreaturen, Fraktale, Einzeller, Musikinstrumente - die Fotos seiner essbaren Kunstwerke sind längst ein virales Phänomen im Netz. Dabei waren sie eigentlich nur als Unterhaltung für Shields' Kinder gedacht.
An einem Tag im Januar brauchte der US-Amerikaner dringend eine Idee, wie er seine anderthalbjährige Tochter Alice und seinen vierjährigen Sohn Gryphon bei Laune halten konnte. Die Familie war ein halbes Jahr zuvor nach Saipan gezogen - eine Insel im Marianen-Archipel, mitten im Pazifik. Seit dem Umzug arbeitet Shields nicht mehr als Mathelehrer, sondern als Vollzeitpapa: Seine Frau will auf der geburtenreichen Insel Erfahrungen als Hebamme sammeln, Shields hält ihr zu Hause den Rücken frei. Und zum Job eines Profi-Dads gehört es eben, die Kinder zu bespaßen.
Shields rührte also einen Pfannkuchenteig an - in der veganen Ausführung, mit Sojamilch. Viehzucht sei schließlich Ursache vieler Probleme der Welt, sagt er. Heraus kamen Pfannkuchen in Form von Traktoren und Lkws, die Lieblingsfahrzeuge seines Sohnes. Erst postete er die Bilder nur auf Facebook. Angespornt von den vielen Fans schaltete Shields dann Anfang Mai einen Pfannkuchenblog frei: Saipancakes.com. Seitdem klopfen bei ihm Medien aus der ganzen Welt an, von der "Huffington Post" über die "Daily Mail" bis hin zu "Wired".
Das Geheimnis seiner Kunst ist schnell gelüftet. Man nehme einen Pfannenwender, Teig und eine aufgemotzte Bratenspritze. Herd auf mittlere Hitze stellen und den Teig mit der Spritze in die Pfanne gießen, nach und nach, damit die Konturen stufenweise bräunen.
Regelmäßig ruft Shields für seine Kreationen die Familie zusammen. "Gryphons Pfannkuchen gibt's meistens mit einer kleinen Showeinlage und Soundeffekten", sagt er. Seine Tochter sei weniger anspruchsvoll. "Alice ist mit jeder Form glücklich, Hauptsache ein Klecks Sirup ist drauf."
Doch der Mathelehrer wäre kein Pädagoge, würde hinter all dem nicht eine Prise frühkindlicher Erziehung stecken. Mal spritzt er Insektenarten in die Pfanne, mal bringt er den Kleinen bei, wie fraktale Formen aussehen. Jeder Lehrer hat eben seine Methode, und Nathan Shields hat Pfannkuchenkunst.
"Ich mag es, mit der Schnittmenge von Kunst und Mathematik zu spielen", sagt er. Die Pfannkuchenfraktale aber bleiben vorerst in den eigenen vier Wänden. Geld verdient Shields damit keines. Vielleicht ändert sich das bald, wenn er und seine Familie Ende des Monats zurück nach Nordamerika ziehen, an die Küste des Bundesstaats Washington. Dann gibt es womöglich auch erstmals objektive Einschätzungen zu einem anderen Aspekt der Pancake-Kunst: Jenem nämlich, ob Nathan Shields' Pfannkuchen eigentlich so gut schmecken, wie sie aussehen.
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