Unser Kolumnist spießt Absurdes und Skurriles aus dem Alltag auf.
Ich bin neulich Zeuge eines Schlagerkonzerts geworden. Ich war auf einer Veranstaltung auf der Schwäbischen Alp, mit Festzelt, Kapelle und allem, als plötzlich die Hofmann-Schwestern angekündigt wurde. Ich kannte die Hofmann-Schwestern nicht. Dabei touren die schon seit über 20 Jahren durch das Land. Sie machen ihren Job länger als ich meinen. Ich hoffe, dass die Hofmann-Schwestern mich auch nicht kennen, sonst wäre mir das sehr unangenehm. Die Hofmann-Schwestern sind blond und brünett, etwa so alt wie ich, sehen aber jünger aus. Sie gelten als die Baccara der Volksmusik.
Sie können anders als ich immer lächeln. Sie lächeln sogar beim Singen - wie geht das? Die Hofmann-Schwestern sangen: "Herzbeben, Herzbeben, und dagegen gibt's keine Medizin / Herzbeben, Herzbeben - sich dagegen wehren hat keinen Sinn." Die Blonde, Alexandra, erzählte, sie habe schon Herzbeben bekommen, als sie die vielen Menschen gesehen habe, die da ihr Essen genossen. Sie habe eigentlich immer Herzbeben.
Während ich versuchte, in akademischer Gleichgültigkeit mein Bier zu trinken, stand der Rest des Saales längst auf den Bänken und rockte. Die Hofmann-Schwestern können auch Rock 'n' Roll und Salsa tanzen, Saxofon und Hackbrett spielen, sie sind mir völlig über. Ich verließ das Zelt nach zwei Stunden in großem Respekt für den Schlager.
Als ich mich unbeobachtet fühlte, tippte ich "Herzbeben" bei Youtube ein. Ich fand ein Video mit dem Titel: "Dieser Vortrag lässt dein Herz beben", es war eine Rede des Islamisten Abu Jibril. Die Mittel des Schlagers funktionieren offenbar überall.