Unser Kolumnist spießt Absurdes und Skurriles aus dem Alltag auf.
Ich habe neulich über Salat nachgedacht. In einer Salatbar. Die Bedienung lud mir einen Haufen Blätter auf den Teller. Ohne alles. Es war einfach ein Laubhaufen. Ich hätte lieber in einen richtigen Restaurant gesessen und einen richtigen Salat serviert bekommen. Ich hätte am Tisch gesessen, während sich ein Mensch in der Küche mit der Zubereitung des Salats beschäftigt hätte.
So aber stand ich in der Schlange und musste mich selbst mit der Genese meiner Rohkost auseinandersetzen. Denn die Dame hinter der Theke fragte: "Welche Toppings?" Nichts geht heute mehr ohne "Toppings". Es ist ein neues Wort für "Zutaten". Wenn ich einen Frozen Yogurt esse, wähle ich Früchte als Topping. Wenn ich Milchkaffee bestelle, gibt es als Topping Schokostreusel. Und wenn ich als Salat nicht nur laffe Blätter haben möchte, sondern auch Tomaten, Zwiebeln und Paprika darauf, muss ich diese als Toppings wählen.
Die Kunden lieben offenbar Toppings. Ich vermute, sie glauben, es gebe etwas "on top": obendrauf, gratis dazu. Dabei wird ihnen nur aufgebürdet, ihre Zutaten selbst zusammenzustellen. Denn ohne Topping wäre ihr Essen schwer genießbar.
Ich muss also nicht nur meine Work-Life-Balance-Module im Leben richtig ausbalancieren, ich muss nun auch meine Speisen im Baukastenprinzip montieren, habe die Mühe mit der Wahl, und wenn es nicht schmeckt, bin ich selbst schuld. Ich habe es mir ja so ausgesucht. Mir ist das zu anstrengend. "Topping" ist mein Unwort des Jahres. Ich weiß, es ist kein sehr schwerer Missstand, den es bezeichnet. Aber eben doch so viel Ungemach, wie ein Salat nur anrichten kann.