Ich war ein kleiner Junge, da bekam ich ein Buch in die Hand, das hieß "Der kleine Prinz". Die Bilder schienen zwar für ein Kind gemacht zu sein - aber die Texte waren seltsam. Dort sagte etwa ein Fuchs: "Man kennt nur die Dinge, die man zähmt." Ich kannte Füchse von den Janosch-Bilderbüchern her, da waren es finstere Gesellen, die das Verspeisen von Gänsen im Sinn hatten.
Der Prinz war für mich ein getarnter Erwachsener. Ich legte das Buch weg. Das hat dem kleinen Prinzen wohl nicht gefallen, denn seither verfolgt er mich. Ich schaffe es einfach nicht, ihm nicht zu begegnen. Mich erreichen Ars-Mundi-Kataloge mit Bronzestatuen von ihm, mir werden Kleiner-Prinz-Teelichthüllen offeriert.
Es gibt Wandkalender und Blechdosen mit den schönsten Kleiner-Prinz-Zitaten. Es gibt Kleiner-Prinz-Bettwäsche und Kleiner-Prinz-Geschirr. Manchmal denke ich, ich hätte damals dieses Buch lesen sollen, dann wäre der Prinz zu seinem Planeten zurückgekehrt, und ich hätte meine Ruhe.
Neulich durfte ich mit meinen Kindern fernsehen. Auf Kika kam natürlich "Der kleine Prinz". Allerdings muss der Kleine Prinz in der Serie die Galaxie retten. Es gibt fliegende Glubschaugen und eine böse Riesenschlange, die die Welt bedroht. Der kleine Fuchs kommt auch darin vor, aber er ist dumm wie ein Frettchen.
Ich frage mich, warum es das nicht schon in meiner Kindheit gab. Meine Kinder singen neuerdings die Anfangsmelodie mit: "Was immer man auch tut - nur mit dem Herzen sieht man gut." Sie haben die Message verstanden, sie werden nie das Original von Antoine de Saint-Exupéry lesen müssen. Sie würden es ohnehin für das Buch zum Film halten.