Mit den Zimtsternen kommt das Zetern. Die ewig gleiche Maulerei: zu viel Stress, zu viel Konsum, zu wenig Zeit. "Die Menschen stellen bei sich ein Besinnlichkeitsdefizit fest", sagt Bernd Stauss. "Gleichzeitig fühlen sie sich als Opfer, als ob ihnen irgendwer diese Besinnlichkeit nähme. Man freut sich auf Weihnachten, aber man hat das Gefühl, man kommt nicht wirklich dazu."
Bernd Stauss, der allgemeine Betriebswirtschaft an der Universität Eichstätt-Ingolstadt lehrt, beließ es nicht bei diesem traurigen Fest-Befund. Er hat ein Buch darüber geschrieben, wie man weihnachtliche Nöte mithilfe der Betriebswirtschaftslehre lindern kann: "Optimiert Weihnachten" (Gabler Verlag, 99 S., 14,90 Euro) . Eine Kampfansage an das munter wuchernde Besinnlichkeitsdefizit! Ein Instrument zur Steigerung der Weihnachtseffektivität und zur Zufriedenheitsmaximierung! Kurzum: ein Leitfaden für das beste aller Feste.
Zum Top-Fest führt nach Stauss ein Zwei-Wege-Plan: Indem man Entscheidungen optimiert und Besinnlichkeitsepisoden effektiv gestaltet. Viele Weihnachtsprobleme resultierten nämlich aus suboptimalen Entscheidungen. Man verschmiert die Küche mit Plätzchenteig, obwohl die gekauften Kekse viel besser schmecken, und bastelt bizarr hässliche Strohsterne, die man in Wahrheit nicht mal im Keller aufhängen möchte. Auch falsche Geschenkewahl führt oft zu Verdruss. "Daraus ergibt sich die Erfordernis einer exakteren Geschenkewunschermittlung", so Stauss.
Leider könne man zu diesem Zweck heute nur noch selten auf den Wunschzettel, das klassische Geschenkbedarfs-ermittlungsinstrument, zurückgreifen. Kontraproduktiv sei es, gänzlich auf Geschenke zu verzichten, obwohl man dadurch zweifellos viel Zeit für Besinnlichkeitspausen gewänne: "Wenn aber dadurch die Weihnachtszufriedenheit der Kinder so stark vermindert wird, dass die quantitativ gewonnene Besinnungszeit nicht mehr qualitativ besinnlich ausfällt, dann ist das Ergebnis suboptimal."
Eine weitere Entscheidung, die oft nicht glücklich ausfällt: Wie viele Marzipankartoffeln und Dominosteine kann man während der Weihnachtszeit verzehren, ohne zuzunehmen? Zunächst gelte es, das Kalorienbudget festzulegen: Wie viele Kalorien möchte man sich täglich durch Weihnachtsleckereien zuführen? Multipliziert mit den Verzehrtagen ergibt sich das Gesamtbudget. "Nun geht es darum, das ermittelte Kalorienbudget in optimaler Weise auf Marzipankartoffeln und Dominosteine zu verteilen. Optimal ist die Verteilung dann, wenn mit diesem Budget das höchste Heißhungerbefriedigungsniveau erreicht wird", sagt Stauss (siehe Abbildung oben).
Teil 2: Die optimale Weihnachtsliederstrophenzahl