"Smart Casual" ist eines der letzten Menschheitsrätsel. Zumindest für Bernie Yoo. Trotz Harvard-Diplom wusste er nie, was er anziehen sollte, wenn eine Einladung diesen Dresscode verlangte. Zwar ahnte der Morgan-Stanley-Banker, dass nicht seine Sammlung von Dotcomfirmen-Werbeshirts gemeint war. Aber die Feinheiten der gehobenen Freizeitmode erschlossen sich ihm nur, wenn seine Freundin mit ihm einkaufen ging. Oder einfach das Passende mitbrachte.
Das Leben lehrte Yoo, dass nicht immer eine Frau zur Hand ist, die sich des ratlosen Freundes erbarmt - aus der Not machte er mit seinem Mitbewohner Jason Kim eine Geschäftsidee. "Von Frauen ausgesuchte Kleider für den faulen Mann" preist die Website ihres Unternehmens Bombfell an. "Wir richten uns an junge, berufstätige Männer, die passabel angezogen sein wollen, aber weder Zeit haben, die 'GQ' zu lesen, noch stundenlang shoppen zu gehen", sagt Yoo.
Die Kunden melden sich online an, geben die Konfektionsgröße an, ihre Lieblingsfarben und was sie gern tragen. Wer mag, lädt noch ein Foto von sich hoch und schon geht eine Einkaufsberaterin ans Werk. "Die Mädels sind nicht unbedingt professionelle Stylistinnen", sagt der Chef, "aber sie vertreten den Geschmack des 'girl next door'". Pro Monat bekommt der Bombfell-Nutzer ein Teil zugeschickt, das ihm stehen könnte. Ein Hemd, eine Hose oder einen Pullover - nichts Ausgefallenes, alles moderat modisch, alltagstauglich. Und alles für 69,99 Dollar. Was gefällt, behält der Kunde, was nicht, schickt er zurück. Doch das passiere seltener, als er erwartet habe, sagt Yoo. Das Geschäft laufe glänzend.
Wem auch dieser Dienst noch zu hohe Anforderungen an sein ästhetisches Urteilsvermögen stellt, der kann sich dem Konkurrenten Trunk Club zuwenden. Hier zeigen sich die Kunden ihrer Einkäuferin im Videochat und führen die angelieferten Sachen vor. Sitzt das gut am Po? Steht mir die Farbe wirklich? Statt einzelner Teile stellen die Beraterinnen hier jeden Monat einen ganzen Koffer voller Kleidung für den registrierten Kunden zusammen. Die 2009 gegründete Firma meldet 2000 Kunden und rechnet für 2011 mit 5 Mio. Dollar Gewinn.
Teil 2: Gerippte Tangas oder seidene Boxershorts?