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Merken   Drucken   04.09.2012, 18:20 Schriftgröße: AAA

"Playboy"-Erbe: Cooper Hefner setzt auf Politik und Brüste

Cooper Hefner ist das neue Gesicht des "Playboy". Der Gründersohn muss die Unternehmensidentität wahren und gegen die Gratispornokultur bestehen. Erste Idee: mehr politische Debatten im Heft.
von Markus Brügge, Köln

Cooper Hefner hat einen großen Vorteil: Er ist seinem Vater Hugh wie aus dem Gesicht geschnitten. Wie er da im lederbezogenen Klubsessel lümmelt, das gegelte Haar ordentlich gescheitelt, schmale schwarze Krawatte, schmaler schwarzer Anzug - wie der Papa vor 60 Jahren, als er den legendären "Playboy" gründete.

Cooper Hefner hat einen großen Nachteil: Er ist seinem Vater Hugh wie aus dem Gesicht geschnitten. Was dazu führt, dass er dauernd verglichen wird. Da grenzt es an ein Wunder, dass der junge Mann, der am Dienstag 21 geworden ist, so entspannt rüberkommt: Nein, im seidenen Morgenrock mit Pfeife sehe er sich nicht. Und nein, mehrere Freundinnen, wie sein alter Herr, werde er sich auch nicht zulegen. Und den Look der 60er trage er, weil der gerade bei seiner Generation angesagt sei.

Playboy-Gründer Hugh Hefner (M.) mit seinen Söhnen Marston (l.) ...   Playboy-Gründer Hugh Hefner (M.) mit seinen Söhnen Marston (l.) und Cooper

Aber Cooper soll das frische Gesicht von Playboy Enterprises werden. So wie am Wochenende, als er mit dem gealterten Playmate Pamela Anderson in Köln den ersten deutschen Playboy Club eröffnete. Er ist der Botschafter der Bunnys. Er ist der junge, der neue Hefner. Oder, wie ihn Konzernchef Scott Flanders schlicht nennt: "der Erbe".

Die Ähnlichkeit von Hefner junior mit seinem Vater ist dabei überaus praktisch. "Disney  hat auch ohne Walt Disney funktioniert - aber Sie haben es wesentlich leichter, wenn der Mythos weiterlebt", sagt Flanders. "Der Mythos", das klingt ziemlich gewichtig für einen Jungen, der im kommenden Jahr erst mal seinen Collegeabschluss in Film und Geschichte machen will und zwischendrin etwas Zeit fürs Repräsentieren erübrigt.

Wobei klar ist, dass Cooper nicht morgen die Geschäftsführung des Unternehmens antreten soll, das mit Häschen und Playmates Ikonen der Erotik geschaffen hat. Flanders sieht ihn eher "im Kreativen". Ein groß denkender Übervater wie Hugh, der "das Geschäftliche immer gern delegiert hat", sagt Flanders. "Und ich denke, Cooper hat seine Gene."

Der Junior steht aber genau für den Spagat, der dem "Playboy" gelingen muss: eine junge Zielgruppe ansprechen, die kostenfrei und grenzenlos Pornografie aus dem Internet ziehen kann, und gleichzeitig zum Kern der Marke zurückfinden. Der besteht für Flanders darin, Orientierung zu geben. "Sex bekommen Sie heute im Netz, so viel Sie wollen. Aber wie man guten Sex hat, das verrät Ihnen da niemand." Flanders, ein Veteran des Tageszeitungsgeschäfts, will so mehr Pärchen und junge Frauen ansprechen. Oder, anders gesagt, "ein bisschen mehr 'Cosmopolitan' in den 'Playboy' bringen." Also ein wenig so werden wie die Lifestylezeitschrift "Cosmopolitan", die für ihre Sextipps an Frauen berühmt ist.

Fotoausstellung It-Girls und Halbgötter - Ikonen der 60er und 70er

Weil der "Playboy" in seinem Selbstverständnis immer deutlich mehr war als ein Sexmagazin, will Flanders zudem an die Zeiten anknüpfen, in denen die Häschenlegende entstand: Als Hugh Hefner mit seinem Lebenswandel und seiner freigeistigen Haltung Vorbild für Millionen von Männern wurde.

Eine Aufgabe, die Cooper zufällt. Zwar versichert er, dass er nicht mit einem Dutzend blonden Gespielinnen in der Playboy Mansion wohnen will. Aber er kritisiert die engstirnige Haltung in den USA, was alles Sexuelle angeht. Vor allem die Rechte der Lesben und Schwulen liegen ihm am Herzen. Durchaus ein Thema, das sich Hefner junior auch im "Playboy" vorstellen kann, mehr politische Debatten, ganz in der libertären Geisteshaltung des Vaters. "Mein Vater hat immer Philosophen, Querdenker und Liberale ins Blatt geholt."

Auch das ist, was Flanders unter Orientierung versteht. "Der 'Playboy' muss eine Haltung haben, eine Meinung." Doch der Chef ist Geschäftsmann genug zu wissen, dass es dabei nicht allein um eine Geisteshaltung geht, sondern um ein Image, das man verkaufen kann. Schließlich verdient die Marke mit dem Magazin keinen Cent mehr. Man habe den Breakeven erreicht, sagt Flanders, deutet aber zugleich das Unvorstellbare an, das Ende der Printplaymates. Er glaube nicht, dass es den gedruckten "Playboy" noch Jahrzehnte gebe. "Aber ich möchte so lange daran festhalten, wie es irgend geht."

Einen Großteil seines Umsatzes macht das Unternehmen längst mit Lizenzen: Allein durch die Parfümlinie, vom Duftkonzern Coty produziert, kommen 12 Mio. Dollar in die Kasse. Und in Asien etwa ist man kaum als Lieferant von Erotischem präsent, dafür aber mit Herrenboutiquen, die vom Schlips über das Hemd bis zum Anzug eine komplette Kollektion mit dem Bunnylogo vertreiben.

Da passt es ins Konzept, dass mit dem Klub in Köln gerade das zweite solche Etablissement in Europa eröffnet wurde. Hier soll er sich wiederfinden, der "'Playboy'-Geist", die Mischung aus Spaß und nicht allzu ernst genommener Sexualität, aus gepflegtem Lebensstil, Luxus und lässiger Noblesse. Was es zur Einweihung gab, waren B-Sternchen, gemächlicher Service und finster dräuende Türsteher, in einem Betonzweckbau im Rheinauhafen, der die Erotik orthopädischer Schuheinlagen verströmt. Wie der frisch volljährige "Erbe" braucht vielleicht auch die Häschenmarke noch etwas Zeit.

  • Aus der FTD vom 05.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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