FTD Herr Pabst, viele Ihrer Klienten betreiben Imbisse und Restaurants. Ernähren Sie sich inzwischen nur noch von Fast Food?
Horst Pabst Nein. Döner gibt's nur einmal im Monat. Öfter wäre für mich ungesund.
Aber Ihr kulinarisches Weltwissen vergrößert sich vermutlich mit jedem Berufsjahr.
Absolut. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass es im Iran und in Afghanistan die besten Reisgerichte gibt. Reis mit Rosinen und Safran - das ist ein Gedicht.
Auf die Dönerbudenbesitzer zielt der von Ihnen angebotene "Gastrocheck". Was genau machen Sie da?
Ich schaue mir von der Kasse über die Küche bis hin zu den Toiletten alles an in den Restaurants. Dann spreche ich die Schwachpunkte an.
Klingt ein bisschen so, als kämen Sie vom Ordnungsamt.
Viele Klienten haben von deutschen Hygienevorschriften leider wenig Ahnung.
Ist es wirklich so schlimm? Als Gründer weiß man doch, dass es gewisse Regeln gibt. Nicht?
Na ja, da gab es zum Beispiel mal einen Afrikaner aus Angola, den ich beraten habe. Er hatte keine Möbel und keinen Hausrat, suchte nach Spenden. Eine Frau aus Essen hatte ein Fahrrad für ihn, ein Mann aus Gelsenkirchen einen Teppich. Mein Klient fuhr dann mit dem Fahrrad nach Gelsenkirchen, holte den Teppich, klemmte ihn sich unter den Arm und radelte auf der Autobahn zurück. Die Polizei erwischte ihn, und er hatte 400 Euro Strafe zu zahlen. Ich musste ihm dann erst einmal erklären, dass es in Deutschland Gesetze gibt, an die man sich halten muss. Am Ende hat er verstanden.
Wie kamen Sie darauf, ausschließlich Ausländer zu beraten?
Früher habe ich ehrenamtlich in einer Kirchengemeinde Menschen mit Migrationshintergrund zu den unterschiedlichsten Fragen beraten. Damals war ich noch stellvertretender Leiter einer Sparkassenfiliale. In den 90ern fiel mir dann auf, dass hier immer mehr ausländische Geschäfte eröffnen. Und immer mehr solcher Existenzgründer fragten bei uns nach einem Kredit. 2003 habe ich dann beschlossen, meine eigene Beratungsfirma für diese Klientel zu gründen.
Wie gehen Sie vor?
Es gibt drei Fragen, die ich stelle. Ist die Person qualifiziert für das Geschäft? Ist der Standort passend? Gibt es genug Kundschaft im Stadtteil? In Essen gibt es zum Beispiel acht Afroshops, aber nur rund 3000 Afrikaner, das heißt: Es gibt zu viele solcher Läden.
Sie unterstützen aber auch Unternehmer, deren Geschäft nicht läuft. Wie sieht Ihr Turnaround-Management für Migranten aus?
Das ist eine existenzsichernde Maßnahme. Ein Betrieb läuft nicht, sagen wir mal eine Pizzeria. Es gibt vielleicht Mietrückstände, Steuerschulden, zu hohe Kosten. Dann schaue ich mir zuerst die Bilanzen an, die Preise, das Marktumfeld, die Mitarbeiter. Manche Gastrobetriebe bieten ihre Gerichte viel zu günstig an, oder sie haben unfreundliche Mitarbeiter, vielleicht sogar den falschen Standort. Wenn die negativen Punkte überwiegen, rate ich sogar zur Schließung. Ansonsten versuchen wir, den Kahn wieder flottzukriegen. Gläubiger beruhigen, Ratenzahlung vereinbaren - so geht es meistens los.