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Merken   Drucken   27.08.2012, 11:04 Schriftgröße: AAA

Virtuelle Güter: Ebay legt sich mit Hexen an

Das Onlineauktionshaus Ebay verbannt Zaubersprüche und Flüche in den USA aus dem Angebot, weil dabei keine realen Waren den Besitzer wechseln. Hexen und Magier fühlen sich diskriminiert.
von Hamburg

Einen wunderschönen Geist als Sexsklave für 25 Dollar an sich binden lassen, der alle Begierden befriedigt? Amerikaner müssen ab September zumindest online auf diese reizvolle Dienstleistung verzichten. Dann verbannt Ebay  in den USA Auktionen wie die des Verkäufers Starlightoddities. "Transaktionen in diesen Kategorien können schwierig zu verifizieren sein", teilte das Auktionshaus in einem Statement mit.

Ein Großteil der mehr als 80.000 Produkte aus der Kategorie "New Age & Metaphysical" werden aus den virtuellen Regalen von Ebay USA verschwinden, weil sie keinen greifbaren Wert hätten. Tarotkarten können also weiterhin verkauft werden, aber die Wahrsagerin darf ihre Dienste nicht mehr anbieten, weil dabei keine Ware den Besitzer wechselt. Deutsche Magier müssen vorerst nicht fürchten, dass Ebay einen Bann gegen sie ausspricht. "Im Moment sind in Deutschland keine entsprechende Änderung geplant, wir können aber auch nicht grundsätzlich ausschließen, dass sie in Zukunft nicht auch hier eingeführt werden", sagte eine Sprecherin von Ebay Deutschland der FTD.

Hexen und Magiern in Nordamerika gehen die neuen Regeln an die Ehre. In einer Onlinepetition fordern sie ihre Kunden zum Kampf gegen Ebay auf. Schließlich würden Rosenkränzen und Kruzifixe ja auch nicht verbannt, obwohl sie genau wie Heilsteine und Aromatherapie-Kerzen ganz klar immaterielle Werte für den Käufer beinhalteten, heißt es im Aufruf zur Unterschriftenaktion.

Hobbyhexen und -hexer müssen ihre Magie in Zukunft über andere ...   Hobbyhexen und -hexer müssen ihre Magie in Zukunft über andere Onlineportale als Ebay beziehen

"Weihwasser zu verkaufen aber keine Zaubertränke, das ist Diskriminierung", schreibt Carla Maria Naydine VanKoughne in ihrem Ebay-Profil. Das Onlineauktionshaus nehme ihr das Recht, ihre religiösen Produkte anzubieten. "Ich verkaufe zwar keine Zaubersprüche, weil Magie für Geld schwarze Magie ist - aber weil Ebay sich so verhält, habe ich all meine Produkte bei Etsy eingestellt", kommentierte sie einen Artikel über die Verbannung. Der Onlinemarktplatz für Handgemachtes sei ohnehin viel günstiger und besser als Ebay.

Viele scheinen ebenso friedvoll ins Exil zu gehen, ohne dabei mit Flüchen und Verwünschungen um sich zu werfen. Und auch die Kunden regen sich kaum: Bisher haben nur rund 2100 Menschen die Onlinepetition unterstützt. Das frustriert den Autor: "Hier nicht zu unterschreiben bedeutet, dass die andere Seite gewinnt, die Skeptiker die uns alle niedermachen." Dabei ist der Markt für Esoterik enorm.

Trotz der offensichtlichen Grenzen scheinen die zauberhaften Angebote viele zu verlocken. Der Zukunftsforscher Eike Wenzel aus Heidelberg schätzt, dass in Deutschland jährlich mehr als 18 Mrd. Euro mit Esoterik umgesetzt werden. Das Esoterikunternehmen Questico allein machte in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr 68 Mio. Euro Umsatz. Wie groß der Umsatz mit Esoterik in den USA ist, lässt sich allerdings kaum beziffern, weil schwer zu kategorisieren ist, was dazu gehört.

Am Umsatz scheint es jedenfalls nicht zu liegen, dass Ebay sich vom Magischen lossagt. Und viele Kunden sind mit den Dienstleistungen sehr zufrieden. "Wunderbare Energie des Geistes - greifbar - unglaublich, fantastisch", schwärmt ein Kunde von J. R. Blake, der bei Ebay.com unter dem Pseudonym "MagicandMysticism" Handel treibt. "Positive Bewertungen: 100 Prozent" steht in Blakes Profil. Skeptiker könnten denken, dass da jemand nachgeholfen hat. Und zwar nicht unbedingt mit Magie.

Doch die übernatürlich Begabten würden wohl dagegenhalten, dass sie einfach sehr viel tun, um ihre Kunden zufriedenzustellen. Viele bieten eine kostenlose Wiederholung an, sollte das Ritual beim ersten Mal nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Vielleicht schummelt da selbst der ein oder andere Käufer des Sexsklaven-Rituals.

  • FTD.de, 27.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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