FTD.de » Panorama » Vermischtes » Out of Office » Dolce & Gabbana vor Gericht
Merken   Drucken   03.12.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Vorwurf der Steuerhinterziehung: Dolce & Gabbana vor Gericht

Italiens Staatsanwälte versuchen erneut, den Modedesignern Domenico Dolce und Stefano Gabbana Steuerhinterziehung nachzuweisen. Am Montag beginnt der Prozess und es kommt die Frage auf: Bleiben die beiden in Italien?
© Bild: 2012 Reuters/STEFANO RELLANDINI
Italiens Staatsanwälte versuchen erneut, den Modedesignern Domenico Dolce und Stefano Gabbana Steuerhinterziehung nachzuweisen. Am Montag beginnt der Prozess und es kommt die Frage auf: Bleiben die beiden in Italien?
von Mailand

Für Suzy Menkes, die berühmte Modekritikerin der "International Herald Tribune", ist Dolce & Gabbana immer "maxi". Damit meint sie: schrill, laut, leidenschaftlich, stets am Limit des guten Geschmacks. Für die Staatsanwaltschaft Mailand ist Dolce & Gabbana auch "maxi", aber in einem negativen Sinn. Von "maxi-evasione" ist die Rede. Soll heißen: Die Ermittler werfen den Modemachern Domenico Dolce und Stefano Gabbana vor, 400 Mio. Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Mithilfe einer windigen Gesellschaft in Luxemburg. Am heutigen Montag beginnt der Prozess, nach einem jahrelangen Hin und Her. Beim ersten Termin werden Vorabklärungen getroffen. Richtig los gehe es erst 2013, heißt es aus Justizkreisen.

Dolce & Gabbana, recht auskunftsfreudig, wenn es um neue Entwürfe geht, lehnt jeden Kommentar ab. Auch der Anwalt schweigt. Die beiden Designer selbst haben ja eigentlich auch schon alles gesagt. Und zwar auf Twitter. Als im Sommer 2012 feststand, dass es zum Prozess kommt, schrieb Stefano Gabbana: "Schon wieder!!! Was für ein Mist. Wissen doch alle, dass wir nichts gemacht haben!!!"

Dann waren es wohl nur die Steuerberater. Sie gründeten am 4. März 2004 in Luxemburg Gado - das mit gerade mal 12.500 Euro ausgestattete Vehikel bekam sämtliche Markenrechte von Dolce & Gabbana übertragen, für 360 Mio. Euro. Eingetragen wurde es auf die Geschwister von Domenico Dolce. Damit zahlten die Modedesigner für ihre Lizenzeinnahmen nicht mehr den italienischen Steuersatz von geschätzt 32 bis 33 Prozent, sondern nur noch drei bis vier.

Bei Gado lief über drei Jahre ein Nettogewinn von insgesamt 144 Mio. Euro auf, wie aus den Handelsregisterauszügen der Gesellschaft hervorgeht. In dem für die Ermittlunge relevanten Zeitraum 2004 bis 2007 schloss Dolce & Gabbana Lizenzverträge mit dem Brillenhersteller Luxottica, dem Handyhersteller Motorola  und dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble  ab.

Die entscheidende Frage lautet nun: War das Steuersparmodell legitim oder nicht? Finanzpolizei und Staatsanwaltschaft behaupten, dass es sich bei Gado um eine reine Briefkastenfirma handelt. Alle wesentlichen Entscheidungen seien in Italien getroffen worden, argumentieren sie. Außerdem seien die Markenrechte wesentlich mehr wert gewesen.

Die Justiz tut sich mit dem Fall schwer. Ein Richter wies im April 2011 sämtliche Vorwürfe ab, in der nächsten Instanz wurde das Urteil wieder aufgehoben, die Staatsanwälte formulierten ihre Anklageschrift um. Die Modedesigner selbst erkannten immerhin, dass Gado ihren Ruf gefährdet: Am 20. November 2007 verlagerten sie Gado nach Mailand.

Milano Moda Das Beste der Mailänder Modewoche

Doch bleibt Dolce & Gabbana in Italien? Oder kehren die beiden Designer, die ihr Unternehmen 1985 gründeten, ihrer Heimat den Rücken, vor lauter Empörung über den nun schon bald sechs Jahre währenden Steuerstreit? Die Furcht ist jedenfalls groß. "Wohin gehen D&G?", fragt das Magazin "Il Mondo" und listet auf, wo die Zukunftsmärkte der Modeindustrie sind: in Brasilien, Chile, vielleicht auch Kanada.

Dolce & Gabbana hinken der Konkurrenz jedenfalls hinterher. Während Prada , der Lederwarenanbieter Tod's und der Schuhhersteller Salvatore Ferragamo dank Asien und Lateinamerika zweistellig wachsen, verdient Dolce & Gabbana immer noch 28 Prozent der Erträge im krisengeschüttelten Italien, der Umsatz stagniert bei 1 Mrd. Euro. Rein finanziell betrachtet wäre es also höchste Zeit, auf "maxi" zu schalten.

20:03:29 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
  • Aus der FTD vom 03.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler