Für Suzy Menkes, die berühmte Modekritikerin der "International Herald Tribune", ist Dolce & Gabbana immer "maxi". Damit meint sie: schrill, laut, leidenschaftlich, stets am Limit des guten Geschmacks. Für die Staatsanwaltschaft Mailand ist Dolce & Gabbana auch "maxi", aber in einem negativen Sinn. Von "maxi-evasione" ist die Rede. Soll heißen: Die Ermittler werfen den Modemachern Domenico Dolce und Stefano Gabbana vor, 400 Mio. Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Mithilfe einer windigen Gesellschaft in Luxemburg. Am heutigen Montag beginnt der Prozess, nach einem jahrelangen Hin und Her. Beim ersten Termin werden Vorabklärungen getroffen. Richtig los gehe es erst 2013, heißt es aus Justizkreisen.
Dolce & Gabbana, recht auskunftsfreudig, wenn es um neue Entwürfe geht, lehnt jeden Kommentar ab. Auch der Anwalt schweigt. Die beiden Designer selbst haben ja eigentlich auch schon alles gesagt. Und zwar auf Twitter. Als im Sommer 2012 feststand, dass es zum Prozess kommt, schrieb Stefano Gabbana: "Schon wieder!!! Was für ein Mist. Wissen doch alle, dass wir nichts gemacht haben!!!"
Dann waren es wohl nur die Steuerberater. Sie gründeten am 4. März 2004 in Luxemburg Gado - das mit gerade mal 12.500 Euro ausgestattete Vehikel bekam sämtliche Markenrechte von Dolce & Gabbana übertragen, für 360 Mio. Euro. Eingetragen wurde es auf die Geschwister von Domenico Dolce. Damit zahlten die Modedesigner für ihre Lizenzeinnahmen nicht mehr den italienischen Steuersatz von geschätzt 32 bis 33 Prozent, sondern nur noch drei bis vier.
Bei Gado lief über drei Jahre ein Nettogewinn von insgesamt 144 Mio. Euro auf, wie aus den Handelsregisterauszügen der Gesellschaft hervorgeht. In dem für die Ermittlunge relevanten Zeitraum 2004 bis 2007 schloss Dolce & Gabbana Lizenzverträge mit dem Brillenhersteller Luxottica, dem Handyhersteller Motorola und dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble ab.
Die entscheidende Frage lautet nun: War das Steuersparmodell legitim oder nicht? Finanzpolizei und Staatsanwaltschaft behaupten, dass es sich bei Gado um eine reine Briefkastenfirma handelt. Alle wesentlichen Entscheidungen seien in Italien getroffen worden, argumentieren sie. Außerdem seien die Markenrechte wesentlich mehr wert gewesen.
Die Justiz tut sich mit dem Fall schwer. Ein Richter wies im April 2011 sämtliche Vorwürfe ab, in der nächsten Instanz wurde das Urteil wieder aufgehoben, die Staatsanwälte formulierten ihre Anklageschrift um. Die Modedesigner selbst erkannten immerhin, dass Gado ihren Ruf gefährdet: Am 20. November 2007 verlagerten sie Gado nach Mailand.
Doch bleibt Dolce & Gabbana in Italien? Oder kehren die beiden Designer, die ihr Unternehmen 1985 gründeten, ihrer Heimat den Rücken, vor lauter Empörung über den nun schon bald sechs Jahre währenden Steuerstreit? Die Furcht ist jedenfalls groß. "Wohin gehen D&G?", fragt das Magazin "Il Mondo" und listet auf, wo die Zukunftsmärkte der Modeindustrie sind: in Brasilien, Chile, vielleicht auch Kanada.
Dolce & Gabbana hinken der Konkurrenz jedenfalls hinterher. Während Prada , der Lederwarenanbieter Tod's und der Schuhhersteller Salvatore Ferragamo dank Asien und Lateinamerika zweistellig wachsen, verdient Dolce & Gabbana immer noch 28 Prozent der Erträge im krisengeschüttelten Italien, der Umsatz stagniert bei 1 Mrd. Euro. Rein finanziell betrachtet wäre es also höchste Zeit, auf "maxi" zu schalten.