Der irakische Regierungschef Ijad Allawi
Ijad Allawi entging dem Mordanschlag in Bagdad unverletzt. Bei dem Selbstmordattentat sind nach Angaben der irakische Polizei aber mindestens ein Polizist getötet und vier weitere Menschen verletzt worden.
Offenbar wurde das Attentat durch die Extremistenorganisation al-Kaida begangen. Im Internet ist am Donnerstag im Namen irakischer Al-Kaida-Kämpfer eine entsprechende Erklärung veröffentlicht worden. "Ein Held der Märtyrer-Brigaden hat ein heldenhaftes Attentat auf die Zentrale der Ungläubigen ... und deren jüdische und christliche Verbündete verübt", hieß es in der Erklärung, deren Echtheit zunächst nicht überprüft werden konnte. Zwar habe der Attentäter sein Ziel verfehlt und Allawi sei entkommen, doch werde es weitere Möglichkeiten geben, ihn zu treffen, hieß es in dem Dokument.
Der Anschlag auf den Übergangsministerpräsidenten wurde an einem Kontrollpunkt vor dem Hauptquartier von Allawis Partei verübt. Der Attentäter sprengte sich nahe Allawis Autokonvoi in die Luft. Der Ministerpräsident war auf dem Nachhauseweg von einem wichtigen Treffen, bei dem über die Bildung der neuen irakischen Regierung verhandelt wurde. Der irakische Präsident Dschalal Talabani hatte zuvor mitgeteilt, der Irak könnte am Donnerstag - rund drei Monate nach der Wahl - eine neue Regierung erhalten.
Zwei Ausländer auf dem Weg zum Flughafen ermordet
Unterdessen sind am Donnerstagmorgen bei einem Bombenanschlag auf der Straße zum Bagdader Flughafen zwei ausländische Zivilisten getötet worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurde ein Sprengsatz gezündet, als ihre aus Geländewagen bestehende Fahrzeugkolonne vorbeifuhr. Drei weitere Personen seien aus drei brennenden Fahrzeugen verletzt geborgen worden. US-Truppen sperrten die Straße ab, die zu den am meisten angegriffenen Zielen im Irak gehört. Erst am Mittwoch waren dort bei einem Angriff drei ausländische Unternehmer getötet worden.
Am Mittwoch war der Irak von einer ganzen Reihe von Attentaten erschüttert worden. Mindestens 58 Leichen von extremistischen Sunniten ermordeter Schiiten, darunter Frauen und Kinder, wurden am Ufer des Tigris südlich von Bagdad aufgefunden. Der arabische Fernsehsender al-Arabija berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, einige der Opfer seien enthauptet worden. In der Stadt Haditha im Westirak erschossen Aufständische zudem 19 irakische Nationalgardisten, die sie nach einem Angriff auf deren Konvoi in ihre Gewalt gebracht hatten.
Festnahmen bei Großrazzia in Falludscha
Bei einer Großrazzia im Zentrum der irakischen Stadt Falludscha haben Sicherheitskräfte und US-Soldaten am Donnerstag unterdessen sieben mutmaßliche Terroristen festgenommen. Die Männer sollen in gegen US-Aktivitäten gerichtete Aktionen verwickelt gewesen sein, sagte ein US-Militärsprecher. Augenzeugen berichteten vom Einsatz von Hubschraubern und Panzern.
Präsident Dschalal Talabani hofft, dass die neue Regierung trotz der neuen Welle der Gewalt im Irak an diesem Donnerstag vorgestellt werden kann. Seit der Wahl der Nationalversammlung Ende Januar wird um die Zusammensetzung der neuen Regierung gerungen. Der staatliche Fernsehsender al-Irakija hatte am Mittwoch berichtet, die Fraktionen hätten sich auf eine 31-köpfige Kabinettsliste verständigt. Die Namen der Minister würden aber erst in der nächsten Woche vorgestellt werden.