Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Die FTD-Serie hält Sie auf dem Laufenden.
Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft Bochum nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Unter den Dax-Vorständen ist der ehemalige Postchef aber ein einsamer Sünder. von Matthias Ruch (Bochum)
Die Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität bei der Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte am Freitag Ermittlungen gegen zahlreiche weitere Beschuldigte, denen sie Steuerhinterziehung vorwirft. Post-Chef Klaus Zumwinkel, der mittlerweile zurückgetreten ist, ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen, die Geld über Stiftungen in Liechtenstein angelegt und die Erträge nicht versteuert haben sollen. Dem Fiskus soll allein durch die Liechtensteiner Modelle ein Schaden von mehreren Milliarden Euro entstanden sein.
Meldungen, wonach die Staatsanwaltschaft ihre Durchsuchung im Kölner Privathaus von Zumwinkel absichtlich medienwirksam inszeniert habe, um bei anderen Steuersündern eine Welle von Selbstanzeigen auszulösen, wiesen die Ermittler am Freitag zurück. "Wir würden eine solche Welle nicht bekämpfen, sondern begrüßen", sagte der Bochumer Staatsanwalt Eduard Güroff der FTD. "Wir glauben aber nicht daran, dass sie kommt." In den vergangenen Jahren hätten nur wenige Täter von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Selbstanzeige zu erstatten und damit straflos auszugehen. "Das waren nicht einmal fünf Prozent der Betroffenen", schätzte Güroff.
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Bilderserie: Auf Kriegsfuß mit der Steuer
Dass die Bochumer Staatsanwälte die Ermittlungen führen, geht nach FTD-Informationen darauf zurück, dass viele der Verdächtigen aus dem Ruhrgebiet stammen. Um die zahlreichen Fälle bearbeiten zu können, kommen nun aber auch Staatsanwälte aus Düsseldorf und Köln hinzu. Nach FTD-Informationen haben die Ermittler bereits am Donnerstag mehr als zehn Hausdurchsuchungen durchgeführt, unter anderem auch in Bochum.
Zur Rolle des Bundesnachrichtendienstes, der die Finanzbehörden mit Informationen versorgt haben soll, wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. "Wir haben unsere Unterlagen von der Finanzverwaltung bekommen", sagte Güroff. "Wir werten sie jetzt aus - und werden dann unter Umständen weitere Durchsuchungen und Beschlagnahmungen durchführen."
Auch die Akten, die die Ermittler am Donnerstag im Haus und im Büro von Zumwinkel beschlagnahmt hatten, werden nun ausgewertet. "Außerdem müssen wir die Aussagen von Herrn Zumwinkel überprüfen. Danach wird es dann wohl weitere Vernehmungen geben."
Da der Post-Chef sich bereits zu den Vorwürfen geäußert hat, rechnen Experten derzeit nicht mit einer Haftstrafe. "Für die Höhe der Strafe ist in solchen Fällen entscheidend, ob der Schaden wieder gutgemacht wird", sagte der Dortmunder Strafverteidiger Ralf Neuhaus der FTD. "Bei einem Schaden von 1 Mio. Euro ist dann eine Bewährungsstrafe drin."
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