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Merken   Drucken   23.09.2012, 09:36 Schriftgröße: AAA

Mohammed-Schmähvideo: Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld auf Video-Macher aus

Ein pakistanischer Minister bietet demjenigen 100.000 Dollar, der den Macher des Mohammed-Videos umbringt. Der Rest der Regierung distanziert sich von dem Kopfgeldangebot.

Ein Mitglied der pakistanischen Regierung hat 100.000 Dollar Kopfgeld auf den Macher des in den USA produzierten Mohammed-Schmähvideos ausgesetzt. Wie die pakistanische Zeitung "Dawn" berichtete, versprach der Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour demjenigen das Geld, der den Verantwortlichen für die "Gotteslästerung" umbringt. Er rief die radikalislamischen Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida auf, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen.

Ihm sei klar, dass es eine Straftat ist, Menschen zum Mord aufzurufen, sagte der Minister dem Bericht zufolge. Es gebe aber keinen anderen Weg, "Gotteslästerern" Furcht einzuflößen.

Die pakistanische Regierung und die sozialistische Bilours Partei ANP distanzierten sich von den Äußerungen.

Produzent des Schmähvideos, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, soll ein in den USA lebender koptischer Christ und Islamhasser sein. Seit eineinhalb Wochen kommt es in vielen islamischen Ländern wegen des Videos zu teils gewaltsamen antiwestlichen Demonstrationen. Zusätzlich sorgte der Abdruck von neuen Mohammed-Karikaturen in dem französischen Satire-Magazin Charlie Hebdo für Empörung.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich gegen die Veröffentlichung solcher Karikaturen aus. Zur Freiheit gehöre immer auch Verantwortung, sagte der FDP-Politiker der "Welt am Sonntag". "Manchmal lautet die Frage nicht, ob man etwas tun darf. Sondern ob man etwas tun sollte." Meinungsfreiheit umfasse nicht das Recht, Andersgläubige oder Andersdenkende zu beleidigen und damit absichtsvoll den öffentlichen Frieden zu stören. "Das gilt übrigens nicht nur für die unerträgliche Darstellung des Propheten als Kinderschänder, sondern auch für den Umgang mit Jahwe oder Jesus Christus", sagte Westerwelle.

Er schloss nicht aus, dass die anhaltenden gewaltsamen Massenproteste in der islamischen Welt ein Fall für den UN-Sicherheitsrat werden. "Das kommt darauf an, ob die Lage weiter eskaliert", sagte Westerwelle.

In Deutschland gingen am Samstag den zweiten Tag in Folge Muslime gegen die Verunglimpfung des Propheten auf die Straße. In Dortmund demonstrierten etwa 1500 Menschen, in Karlsruhe waren es rund 200 Teilnehmer. Die Kundgebungen verliefen friedlich.

In Pakistan, wo bei gewaltsamen Protesten nach den Freitagsgebeten mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen waren, herrschte am Samstag erhöhte Alarmbereitschaft. In Bangladesch rief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf.

  • dpa, 23.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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