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Merken   Drucken   14.09.2006, 20:29 Schriftgröße: AAA

Papst erzürnt die Türkei

Die Islam-Schelte von Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs in Deutschland hat in der Türkei scharfe Kritik ausgelöst. Die oberste Religionsbehörde des Landes erwartet eine Entschuldigung.
Erst der Abschied, dann der Ärger: Papst Benedikt XVI. hat den ...   Erst der Abschied, dann der Ärger: Papst Benedikt XVI. hat den Islam erzürnt

Die Ansichten des Papstes zu Gewalt und Vernunft in Bezug auf den Islam seien "einseitig, voreingenommen, feindselig und provozierend", sagte der Präsident des Religionsamtes, Ali Bardakoglu, am Donnerstag dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er erwarte, dass Benedikt XVI. seine Worte in aller Kürze zurücknehme und sich entschuldige.

Der Vatikan wies die Kritik zurück. Der Papst respektiere den Islam, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi am Donnerstagabend nach der Rückkehr des Kirchenoberhaupts. Benedikt wolle den Respekt und den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen vorantreiben, auch mit dem Islam.

"Kein Nutzen von Papst-Besuch

Mit Blick auf den für Ende November geplanten Türkei-Besuch Benedikts sagte Bardakoglu dagegen, er erwarte "keinen Nutzen" vom Besuch eines Papstes, "der in dieser Weise über den heiligen Propheten des Islams denkt." Die Ausführungen des Papstes zur Vernunft konterte Bardakoglu mit den Worten: "Zunächst einmal sollen sie die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?"

Bilderserie Bilderserie: Servus, Benedikt!

Zum Thema Gewalt und Heiliger Krieg, dem der Papst in seiner Vorlesung an der Universität Regensburg eine Absage erteilt hatte, erinnerte Bardakoglu an die christlichen Kreuzzüge. "Weil die Kirche den Islam als Feind angesehen hat, hat sie in der Vergangenheit die westliche Öffentlichkeit aufgewiegelt und die Kreuzzüge unternommen. Sie haben Istanbul besetzt, Tausende Menschen wurden ermordet." Bereits seit dem vierten Jahrhundert hätten christliche Theologen die Welt in eine "christliche" und "eine Welt des Teufels" eingeteilt. "Sie haben es als heilige Aufgabe angesehen, die Welt außerhalb der christlichen zu bekämpfen."

Ein kritisches Echo fand der Vortrag Benedikts am Donnerstag auch in der türkischen Presse. "Taktloser Papst" schrieb das Massenblatt "Sabah" auf der Titelseite. Vor seinem Türkei-Besuch habe der Papst "hasserfüllte, auf den Propheten Mohammed zielende Äußerungen eines byzantinischen Kaisers zu einem aktuellen Thema gemacht", kritisierte das Blatt. Von einem "großen Schnitzer" des Papstes sprach das Blatt "Vatan".

"Gefährlicher Kommentar des islamischen Glaubens"

Der Papst, der den Kaiser Manuel II. Palaeologos (1391-1425) in seinem Vortrag in Regensburg zitiert hatte, habe den "Kaiser als Schutzschild" benutzt, meinte die links-liberale Zeitung "Milliyet". Die auflagenstarke Zeitung "Hürriyet" begnügte sich mit der Feststellung, Benedikt XVI. habe "den radikalen Islam abgekanzelt".

Als "gefährlichen Kommentar des islamischen Glaubens" wertete die gemäßigt-islamische Zeitung "Zaman" den Vortrag des Papstes. Mit seinen Äußerungen habe er "die Muslime betrübt und die Vorurteile in der deutschen Gesellschaft verstärkt". Der Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. ist für die Zeit vom 28. November bis 1. Dezember vorgesehen.

  • FTD.de, 14.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland
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